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17.04.2016

10:03 Uhr

Künstliche Intelligenz

Wenn der Roboter den Chef abschafft

Der Moment, in dem die künstliche Intelligenz die menschliche übersteigt: Darauf sollten sich alle vorbereiten. Dazu rät die Singularity University aus dem Silicon Valley nun auch den deutschen Unternehmen.

Teilnehmer eines Executive Programs beim Gespräch vor der Singularity University in Mountain View mit Rob Nail, Chef der Universität. dpa

Singularity University

Teilnehmer eines Executive Programs beim Gespräch vor der Singularity University in Mountain View mit Rob Nail, Chef der Universität.

Mountain View/Berlin98 Führungskräfte aus 44 Ländern sitzen dicht gedrängt im großen Schulungsraum der kalifornischen Singularity University, auf den Tischen liegt Lego und anderes Spielzeug. Jeder hat 14.000 Dollar dafür bezahlt, sich sechs Tage lang für die Zukunft briefen zu lassen. Sie hören Pläne von der eigenen Abschaffung.

„Ich als CEO träume davon, dass eines Tages eine Form von künstlicher Intelligenz den Großteil meines Jobs erledigt“, sagt Rob Nail, Chef der Singularity University. „Ich glaube, dass 70 bis 80 Prozent der Entscheidungen, die ich jeden Tag treffe, auch von einem Algorithmus getroffen werden könnten. Wir könnten die Plattform so programmieren, dass sie genauso gut entscheidet wie ich, wenn nicht sogar besser.“

Manchmal vergesse er zum Beispiel, zu Mittag zu essen, sagt Nail. Er treffe dann sehr kurzentschlossen und hungrig Entscheidungen. Und besonders nett sei er auch nicht. „Jeder Roboter würde das sehr viel konsistenter machen.“

Think Big ist das Motto der Singularity University im Silicon Valley, die sich 2008 unter anderem mit dem Geld von Google, Autodesk und Genentech auf dem Nasa-Forschungsgelände gegründet hat. Weltweite Herausforderungen wie Energie und Jobs, Bildung, Weltraum und Medizin angegangen werden. Eine Art Thinktank, zugleich Ausbilder und Startup-Accelerator.

Der Weg zur Industrie 4.0

1. Industrielle Revolution

Alles begann mit der Dampfmaschine. Sie gab der Industrialisierung den entscheidenden Schub. In den Fabriken war man plötzlich weniger abhängig von menschlicher Muskelkraft. Mechanische Produktionsanlagen fertigten Waren schneller und in größerer Stückzahl als bisher. Als Stichtag gilt der erste mechanische Webstuhl in einer Fabrik im Jahr 1784.

2. Industrielle Revolution

Auf diese erste industrielle Revolution folgten weitere Entwicklungssprünge, jeder ausgelöst durch technologische Fortschritte. So ermöglichte die elektrische Energie Anfang des 20. Jahrhunderts die arbeitsteilige Massenproduktion. Im Jahr 1870 liefen die ersten Fließbänder in den Schlachthöfen von Cincinnati an.

3. Industrielle Revolution

Zu Beginn der 1970er-Jahre zogen Elektronik und Informationstechnologien in die Fabriken ein und sorgten für eine Automatisierung der Produktionsprozesse. Maschinen übernahmen Arbeitsschritte, die zuvor per Hand erledigt worden waren. In dieser dritten Phase des Industrialisierungsprozesses befinden wir uns auch heute noch – und stehen an der Schwelle zur Industrie 4.0.

4. Industrielle Revolution

Die sogenannte Industrie 4.0 steht noch ganz am Anfang und besteht bisher vor allem aus Visionen. Angestoßen wird diese vierte Stufe der industriellen Revolution wieder durch technologischen Fortschritt: Die gesamte Produktionslogik wandelt sich, in der Industrie 4.0 verschmelzen die physikalische und virtuelle Welt. Am Ende steht die vernetzte Fabrik und eine zunehmend autonome Produktions- und Logistikkette, mit Maschinen, Geräten und Produkten, die scheinbar selbstständig arbeiten.

Immer wieder werden die Teilnehmer des „Executive Programs“ aufgefordert: „Denkt zehnmal größer! Wie sieht Euer Flug zum Mond aus?“ Und bitte keine Angst vor neuer Technik. Ein Ratschlag: „Kaufen Sie sich einen Telepräsenz-Roboter, damit Sie von überall auf der Welt mit ihrem Team kommunizieren können, als wären Sie selbst im Raum.“ Oder: „Hören Sie auf, die Nachrichten zu schauen. Die Welt ist viel besser als uns die Medien weismachen wollen. Wer eine negative Weltsicht hat, investiert nicht in die Zukunft“, sagt Peter Diamandis, Luftfahrtingenieur und Mitbegründer der University.

Die Manager erfahren, wie sehr jede Industrie im Moment anfällig ist für Disruption, was soviel heißt wie Störung, Unterbrechung und für das Prinzip steht, Märkte anzugreifen und Marktführer zu verdrängen. Die immer wiederkehrende Warnung: „Entweder ihr disrupted euch selbst oder ihr werdet disrupted.“

Auch ein deutscher Manager nimmt an dieser Brainstorm-Woche im Silicon Valley teil: Martin Hofmann, IT-Chef bei Volkswagen. „Die ganze Autobranche erfährt gerade Disruption, da müssen wir jetzt in den Angriffsmodus gehen, auch wenn viele Angst haben vor Veränderung.“ Hofmann nennt die digitale Einstellung hier vor Ort ein „Erweckungserlebnis“.

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