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17.04.2015

12:43 Uhr

Messe-Abschluss

Interesse aus dem Ausland wächst

VonCaroline Lindekamp

Die Hannover Messe verkündet zum Abschluss der Industrieschau neue Rekorde: ein Besucherplus aus dem Ausland und hohe Präsenz der Politik. Industrie 4.0 habe laut Veranstalter einen festen Platz auf der Berliner Agenda.

Bei der Abschlusskonferenz haben die Veranstalter der Hannover Messe einen Rekord bei Besuchern aus dem Ausland verkündet. Reuters

Auf Wiedersehen!

Bei der Abschlusskonferenz haben die Veranstalter der Hannover Messe einen Rekord bei Besuchern aus dem Ausland verkündet.

HannoverDie über 220.000 Besucher in fünf Messetagen reichten kaum für einen Zahlenrekord bei der Hannover Messe. Spannendes Detail der Besucheranalyse war das große Interesse aus dem Ausland: Knapp ein Drittel der Besucher, also rund 70.000, waren von jenseits der Landesgrenzen nach Hannover gereist. Mit der Industrie 4.0, die Vision einer vernetzten und digitalisierten Industrie, sind die Rollen unter den großen Wirtschaftsmächten neu zu verteilen. In der Öffentlichkeit wird die Debatte gern zu einem regelrechten Wettstreit um die Deutungshoheit bei dem Thema hochstilisiert – und häufig begleitet von kritischen Stimmen, die Deutschland ein zu zögerliches Vorgehen vorwerfen.

Messe-Vorstand Jochen Köckler hält den Skeptikern bei der Abschlusspressekonferenz nun die Besucherzahlen entgegen: „Es wird viel über die Rolle Deutschlands im nächsten industriellen Wandel gesprochen“, sagt Köckler. „Wenn wir das ausländische Interesse an der Messe als Indikator nehmen, haben wir eine gute Position. Deutschland ist nach wie vor in einer Pole-Position.“

Veranstalter im Interview: „Die Messe ist immer Spiegelbild der Märkte“

Veranstalter im Interview

„Die Messe ist immer Spiegelbild der Märkte“

Messe-Vorstand Jochen Köckler denkt an die Zukunft: Während bei der Industrieschau des Veranstalters 6.500 Aussteller die Zukunft der Industrie zeigen – hat er schon die Hannover Messe 2016 im Blick.

Neben dem Interesse aus dem Ausland stellte Köckler die hohe Präsenz der Politik heraus – nach der Eröffnungstour von Kanzlerin Angela Merkel (CDU) gaben sich unter anderem noch Bildungsministerin Johanna Wanka (CDU), Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) und Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) die Ehre. Bei dem Hypethema Industrie 4.0 – das schon zum dritten Mal in Folge Messe-Leitthema war – schlüpfen sie alle gerne in die Vorreiterrolle.

Friedhelm Loh von der gleichnamigen Unternehmensgruppe sprach bei der Abschlussveranstaltung stellvertretend für die Aussteller und begrüßte die Berliner Präsenz: „Es tut uns gut, dass sich die Politik der Industrie mehr zuwendet. Die aktuellen Herausforderungen kann nicht die Industrie allein stemmen, sondern sie braucht die Unterstützung aus der Politik.“ Doch der Vorsitzende des Ausstellerbeirates der Hannover Messe Loh nutzte die Gelegenheit auch, um Forderungen an Berlin zu richten. „Die Wirtschaft ist schnell, aber die Netzstrukturen sind viel zu langsam. Hier muss die Regierung wesentlich mehr tun, um den Fortschritt nicht auszubremsen“, sagte Loh und fügte weitere positive Zahlen hinzu: Die Mehrheit der Aussteller hätte Auftragszuwächse verkündet und das Investitionsklima stimme zuversichtlich.

In der Messe-Statistik lag China bei der Besucherpräsenz aus dem Ausland an der Spitze, gefolgt von Messe-Partnerland Indien und Nachbarländern aus Europa. Im Zeichen des Löwen, dem gewählten Symbol für das neue Indien, präsentierte sich der Subkontinent als eine bunte Kultur und sorgte mit ausgefallenen Ständen und Aktionen für Abwechslung auf dem Messegelände: indische Tänzerinnen, Yoga-Programm oder scharfes Essen. Doch unter dem Motto „Make in India“ verfolgt das Land auch ganz konkrete Ziele in Hannover und darüber hinaus, wie P. S. Gangadhar, erster Wirtschafts- und Handelssekretär der indischen Botschaft in Berlin betonte: „Dieses Programm und Motto spiegelt das neue Indien wider – und das, was Indien von Deutschland möchte.“ Die neue Regierung um Premier Narendra Modi hat ein ambitioniertes Wirtschaftsprogramm ausgerufen, das weit über die Industrieschau hinaus wirken soll, und grenzt sich mit dem Motto im Gegensatz zum geläufigen „Made in China“ klar von seinem ewigen Gegner im Norden ab.

Indien will China als Werkbank der Welt ablösen. Um als IT-Standort wettbewerbsfähig zu bleiben, muss die Wirtschaft die wachsende Binnennachfrage selbst bedienen. Zudem muss sich Indien als internationaler Wirtschaftsstandort behaupten und dafür auf mehr als kostengünstige und arbeitsintensive Dienstleistungen setzen. 400 Aussteller und eine hochkarätig besetzte politische Delegation waren nach Hannover gereist, um Geschäfte zu machen und Kontakte zu knüpfen. „Wir haben Indien wieder auf den Radar der internationalen Wirtschaftsgemeinschaft gerückt und gezeigt, dass Indien einen festen Platz als Produktionsdrehscheibe in der Welt einnehmen kann“, sagte Gangadhar.

„Die Messlatte für zukünftige Partnerländer liegt hoch“, sagt Köckler in Richtung des drittmaligen Partnerlandes Indien – und in Richtung der USA. Das Motto der Hannover Messe 2016 ist noch nicht klar; das Partnerland haben die Veranstalter aber bereits verkündet. Die USA, der ewige Gegner Deutschlands im Wettrennen um die Deutungshoheit bei der Industrie 4.0, sind das Gastland 2016.

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