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30.04.2016

08:31 Uhr

Seite an Seite mit dem Menschen

Die Roboter kommen

VonMartin-W. Buchenau, Axel Höpner, Martin Wocher

Die technischen Gehilfen werden immer kleiner, sensibler und günstiger. Ihr Einsatzgebiet befindet sich Seite an Seite mit dem Menschen. Dadurch winken den Herstellern ganz neue Möglichkeiten, ihre Roboter zu verkaufen.

Roboter sind kleiner und sensibler geworden und können Seite an Seite mit dem Menschen arbeiten. Getty Images

Roboter sind kleiner und sensibler geworden und können Seite an Seite mit dem Menschen arbeiten.

HannoverDie schöne neue Welt der Roboter konnte man in dieser Woche auch auf der Hannover Messe bestaunen. Dort übten sich die technischen Gehilfen allerdings mehr in der Bewirtung denn in der Montage. Am Stand von Kuka schenkte ein Roboter Weißbier ein, ein anderer reichte Kaffee.

Doch es geht nicht um Bier, Kaffee oder den Service. Was die Hersteller mit diesem Einsatz im Alltag zeigen wollen: Die Roboter sind kleiner und sensibler geworden und können Seite an Seite mit dem Menschen arbeiten. Den Unternehmen winken dadurch ganz neue Möglichkeiten, ihre Roboter zu verkaufen. "Vor uns liegt eine gewaltige Welle", prophezeit etwa Helmut Schmid, der Westeuropa-Chef von Universal Robots.

Haushaltsroboter: Spielzeug oder echte Hilfe?

Bekannt aus Industrie und Medizin

Roboter kommen schon seit Jahrzehnten in der Industrie zum Einsatz, etwa in Autofabriken, wo sie Bleche zusammenschweißen. Auch in der Medizin gibt es viele Einsatzszenarien.

Ein wachsender Markt

Haushaltsroboter sind ein relativ junger Trend – erste Geräte kamen in den 1990er Jahren auf den Massenmarkt. Die elektronischen Haushaltshelfer könnten aber ein lukratives Geschäft werden: Mehr als die Hälfte (54 Prozent) aller Bundesbürger kann sich laut einer Umfrage des Hightech-Verbandes Bitkom vorstellen, einen Roboter zur Unterstützung bei der Haus- oder Gartenarbeit einzusetzen.

Staubsaugroboter

Wohl am beliebtesten sind Staubsaugroboter – erste Geräte kamen in den 1990er Jahren auf den Markt. Mittlerweile sind die elektronischen Helfer erschwinglich geworden, die günstigsten Modelle gibt es ab rund 200 Euro. Zu den bekanntesten Geräten zählt der Roomba, den die US-Firma iRobot herstellt.

Rasenmähroboter

Im Sommer hört man sie in Nachbars Garten: Immer mehr Hobbygärtner lassen Roboter den Rasen mähen. Weil diese nicht so leistungsfähig sind wie ein großer Mäher, kreiseln sie permanent, sofern sie nicht gerade an der Ladestation sind. Die meisten Geräte orientiert sich anhand von Begrenzungsdrähten, Gartenstühle entdecken und umfahren sie mithilfe Sensoren. Erste Gartenhelfer kamen in den 90er Jahren auf den Markt. Geräte kosten ab rund 1000 Euro.

Alleskönner für den Haushalt

Forscher arbeiten bereits an selbstlernenden Robotern, die nicht nur staubsaugen, sondern auch kochen und waschen können. Bis solche Geräte erschwinglich sind und in den Haushalt einziehen, dürften aber noch Jahrzehnte vergehen.

Ein Roboter zum Kuscheln

In Japan kommen in Alten- und Pflegeheimen schon seit Jahren eine Roboter-Robbe zum Einsatz. Mit Bewegungen und Lauten soll das Plüschtier bei den Bewohnern positive Gefühle wecken. Auch immer mehr Einrichtungen in Deutschland arbeiten mit dem Gerät. Wichtig: Es darf nicht als Ersatz für menschliche Zuwendung dienen.

Große, schwere Roboter sind schon lange im Einsatz; zum Beispiel in den Werkshallen der Autobauer, wo sie beim Schweißen und Lackieren helfen oder schwere Teile einsetzen. Auch diese Kolosse werden immer beweglicher. So zeigte Kawasaki auf der Hannover Messe, wie ein großer Roboter ein Quad hochhebt und es in verschiedenen Positionen elegant durch die Luft schweben lässt.

Da die Roboter immer besser und günstiger werden, steigen die Verkäufe seit Jahren. Auch der vielerorts hohe Nachholbedarf bei der Automatisierung, beispielsweise in China, treibt die Verkäufe. Der Absatz von Industrierobotern legte laut Branchenverband IFR 2015 um acht Prozent auf erstmals 239.000 verkaufte Einheiten zu. "Der weltweite Robotermarkt entwickelt sich mit großem Tempo", sagt Olaf Gehrels, Europa-Chef von Weltmarktführer Fanuc. Auch er betont: Der Trend gehe hin zu kollaborativen Robotern, die oft auf Standardmodellen basierten, aber mit ausgereiften Steuersystemen bestückt würden.

Neue, kleine Leichtbauroboter können neben dem Menschen Teile aufpicken und platzieren, Maschinen bestücken, Sachen verpacken oder einfache Laborarbeiten übernehmen. Die Zulassung sei kein Problem mehr, Unfälle habe es bislang nicht gegeben, sagt Schmid von Universal Robots. Inzwischen würden viele Konzerne, aber auch Mittelständler die ersten Leichtbauroboter kaufen, um sie auszuprobieren. "Wenn diese Tests erfolgreich verlaufen, wird die Nachfrage sprunghaft ansteigen." Laut dem Branchendienst Markets & Markets könne der Markt von 120 Millionen Dollar im vergangenen Jahr auf 3,5 Milliarden Dollar im Jahr 2022 wachsen.

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