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01.05.2017

11:49 Uhr

Smarte Dienstleistungen

Lukrative Partnerschaften

VonSteffen Ermisch

Es ist eine Wette auf die Zukunft: Smarte Dienstleistungen sollen das Servicegeschäft von Maschinen- und Anlagenbauern langfristig stützen. Doch erst durch Fortschritte bei der Vernetzung sind sie möglich.

„Als reine Hardwarelieferanten können nur Nischenhersteller überleben“, sagt Volker Bellersheim von Dr.  Wieselhuber & Partner. Handelsblatt

Dürr-Roboter im Einsatz

„Als reine Hardwarelieferanten können nur Nischenhersteller überleben“, sagt Volker Bellersheim von Dr. Wieselhuber & Partner.

KölnWenn die Lackieranlage von Dürr einmal nicht rund läuft, hilft der Griff zum Tablet. Per Videochat können Maschinenführer den Experten des Herstellers zeigen, wo es hakt - und bekommen Tipps, wie sich das Problem beheben lässt. Ist eine Komponente verschlissen, kann durch Scannen eines QR-Codes am Bauteil ein passender Ersatz bestellt werden. Auf Wunsch schalten sich Dürr-Mitarbeiter auch über eine gesicherte Datenverbindung auf die Maschine auf und gehen aus der Ferne auf Fehlersuche.

Schnellere Hilfe, genauere Analysen: Schritt für Schritt hat Dürr seinen Kundenservice erweitert - als Teil einer großen Digitalisierungsoffensive. Dazu zählt auch, dass die Anlagen selbst cleverer werden: Ein Wartungsassistent in Form eines Minicomputers wertet permanent Zustände der Roboterarme und anderer Komponenten aus - und meldet sich frühzeitig, wenn Probleme drohen. „Unser Ziel ist es, die Verfügbarkeit der Anlagen stetig zu steigern“, sagt Hans Schumacher, Vorstandssprecher von Dürr Systems. „Dabei helfen digitale Tools enorm.“

Wo IoT-Technik im Einsatz ist

Schon gehört?

Dem Internet of Things (IoT) gehört die Zukunft. IfD Allensbach und Statista haben Menschen gefragt: Von welchen dieser Entwicklungen haben Sie schon gehört?

86 Prozent

86 Prozent: Über das Handy oder einen Tablet-PC kann man die Haustechnik bedienen.

81 Prozent

Über das Internet kann man genau verfolgen, wo sich Paketsendungen gerade befinden: 81 Prozent.

72 Prozent

Autos steuern sich weitgehend selbst, man muss kaum noch selbst lenken: 72 Prozent.

67 Prozent

Mit einem sogenannten 3DDrucker kann man ganze Objekte ausdrucken: davon haben 67 Prozent der Befragten gehört.

62 Prozent

Wichtige Körperfunktionen werden gemessen und die Daten automatisch an einen Arzt übermittelt: 62 Prozent.

44 Prozent

Kühlschrank registriert, wenn Lebensmittel zur Neige gehen, und bestellt automatisch nach: 44 Prozent.

43 Prozent

Auto informiert automatisch den Fahrer und die Werkstatt, wenn Autoteile ausgetauscht werden müssen: 43 Prozent.

Quellen: IfD Allensbach, Statista

Entnommen aus de Magazin „business impact“ 1/2017.

Smarte Services gehören bei Dürr seit fünf Jahren zur Geschäftsstrategie. Seither wurde viel in Software und neue Prozesse investiert. „Das ist ein enormer Kraftakt“, sagt Schumacher. Eine Wette auf die Zukunft ist es auch: Viele der neuen Dienstleistungen sollen das Servicegeschäft langfristig stützen. Darauf entfallen heute schon etwa 30 Prozent des Konzernumsatzes.

Dürr steht exemplarisch für die ganze Branche: Reihenweise präsentieren Maschinen- und Anlagenbauer auf der Hannover Messe neue Servicekonzepte, die erst durch die Fortschritte bei der Vernetzung und der Datenauswertung möglich sind. Gleichzeitig steigen die Erwartungen der Industriekunden. „Als reine Hardwarelieferanten werden nur Nischenhersteller überleben können“, sagt Volker Bellersheim, Industrieexperte der Münchener Beratung Dr. Wieselhuber & Partner.

Weit verbreitet sind heute datengetriebene Wartungskonzepte, während man früher auf Erfahrungswerte angewiesen war. Wann eine Komponente ersetzt werden muss, verraten immer öfter selbstlernende Algorithmen. Sie gleichen Zustandsdaten mit einem stetig wachsenden Datenpool ab. So versucht der Hersteller vorherzusagen, wann ein Austausch tatsächlich notwendig ist. Fachleute sprechen von Predictive Maintenance.

Eine Voraussetzung für die vorausschauende Wartung ist, dass Bauteile in Echtzeit überwacht werden. Damit beginnt für die Hersteller der Service schon bei der Produktentwicklung. 60 Sensoren hat beispielsweise DMG Mori in eine Fräsmaschine verbaut, um verlässliche Daten über den Maschinenstatus zu bekommen. Für die „Werkzeugmaschine 4.0“ kooperierte das Unternehmen, das bis 2013 in Deutschland unter dem Namen Gildemeister firmierte, mit dem Zulieferer Schaeffler.

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