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16.03.2016

10:34 Uhr

Trend Internet der Dinge

Schlau gegen den Stau

VonChristof Kerkmann

Immer diese Baustellen: Autofahrer stehen häufig im Stau, weil die Strecke gesperrt ist. Der Softwareriese SAP will das mit einer Verkehrssteuerung verhindern. Smarte Straßenlaternen spielen dabei eine wichtige Rolle.

SAP hat ein System entwickelt, das den Verkehr intelligenter steuern soll. Imago

Stau

SAP hat ein System entwickelt, das den Verkehr intelligenter steuern soll.

HannoverGegen die Plagen der Menschheit helfen manchmal einfache Mittel. Zum Beispiel Straßenlaternen. Wer im Auto sitzt und missmutig darauf wartet, dass sich der Verkehr an der Baustelle vorbeischlängelt, der hat Zeit zu grübeln. Wann ist man wohl zu Hause? Was macht der Nebenmann eigentlich? Und wäre es nicht möglich, den Verkehr anders zu leiten? Sperrungen und Umleitungen stürzen ganze Stadtviertel ins Chaos, zumindest den autofahrenden Teil.

Am Stau haben sich schon viele Forscher und Unternehmen abgearbeitet. Die auf einer Autobahn verschwendete Lebenszeit ist gigantisch, auch die Lebensqualität leidet. Nun startet auch SAP einen Versuch: Der Softwareriese will den Verkehr so steuern, dass es erst gar nicht zu Engpässen kommt. Auf der Cebit in Hannover zeigt er ein System, das Daten sammelt, auswertet und daraus Prognosen erstellt. Es ist ein Beispiel für das Internet der Dinge (IoT), also die Vernetzung der Welt, die auf der Messe eines der großen Themen ist. Die IT-Branche erhofft sich ein Milliardengeschäft.

Das Internet der Dinge

Alltägliche Objekte im Netz

Das Internet ist bekannt als Infrastruktur, über die Menschen Daten austauschen – ob mit dem PC, Laptop oder Smartphone. Es geht also letztlich um Computer, die miteinander kommunizieren. Doch heutzutage lassen sich immer mehr Objekte vernetzen: Heizung und Haustür, T-Shirt und Brille, Auto und Heizung.

Eine Sache, viele Begriffe

Den Begriff „Internet der Dinge“ prägten Wissenschaftler am Massachusetts Institute of Technology (MIT) in Boston Ende der 90er Jahre. Es kursieren aber viele Begriffe. „Industrial Internet“ betont die wirtschaftliche Bedeutung, „Machine to Machine“ (abgekürzt M2M) beschreibt eher technisch, dass Geräte autonom Daten austauschen.

Einsatz in der Wirtschaft

Bislang ist das Internet der Dinge vor allem eine Sache der Wirtschaft: Logistikunternehmen verfolgen beispielsweise den Weg von Lieferungen. Technologie-Hersteller bringen aber zunehmend auch Produkte für Verbraucher auf den Markt, etwa Heizungssteuerungen.

Mini-Computer und Funkantenne

Vernetzte Objekte benötigen eine Art Mini-Computer und eine Funkantenne, außerdem Sensoren – im Fall einer Heizungssteuerung etwa, um die Temperatur zu messen. Diese Komponenten sind in den vergangenen Jahren so geworden, dass immer neue Einsatzgebiete in Frage kommen.

Sextillionen von Adressen

Damit vernetzte Objekte übers Internet gesteuert werden können, muss man sie eindeutig ansprechen können. Ein neuer Standard namens IPv6 soll dafür sorgen, dass auch im Zeitalter vernetzter Autos und Heizungen genügend IP-Adressen vorhanden sind – es sind 340 Sextillionen, also eine 340 mit 36 Nullen.

Markt mit Riesenpotenzial

Es ist schwierig, den Vernetzungstrend in Zahlen zu fassen, der Markt ist noch zu jung. Der Marktforscher Gartner wagt die Prognose, dass bis 2020 rund 26 Milliarden Geräte im Internet der Dinge sind – PCs, Tablets und Smartphones sind darin nicht eingeschlossen. Der Umsatz mit Produkten und Diensten werde auf mehr als 300 Milliarden Dollar wachsen. Noch optimistischer ist der Netzwerkausrüster Cisco, der bis dahin 50 Milliarden vernetzte Geräte erwartet.

Diskussion über Datenschutz

Der Siegeszug der vernetzten Geräte dürfte einige Diskussionen über den Datenschutz nach sich ziehen. Ein Beispiel: Darf eine Versicherung die Bewegungsdaten eines Autobesitzers auswerten, um den Tarif ans Fahrverhalten anzupassen? Oder darf die Polizei nach einem Unfall überprüfen, ob der Fahrer zu schnell war?

Die Straßenlaternen spielen eine entscheidende Rolle. Wobei der Begriff Laterne eine Untertreibung ist: Hersteller Smight, eine Tochterfirma des Energiekonzerns EnBW, rüstet die Geräte für die Städte des 21. Jahrhunderts aus. Sie enthalten WLAN-Sender für einen flächendeckenden Internetzugang und Ladestationen für Elektroautos oder Fahrräder. Mit einem SOS-Knopf können Passanten Hilfe herbeirufen.

Für die Stadtplaner ist aber ein anderer Teil der Ausstattung entscheidend. In den Masten baut Smight etliche Sensoren ein, die als Augen der Stadt dienen sollen. Sie messen beispielsweise Schadstoffe in der Luft – so entsteht eine hausnummerngenaue Karte der CO2- und Stickoxid-Belastung. Im Fuß ist ein Wasserfühler integriert, der bei Starkregen Überschwemmungen in Echtzeit meldet. Und eine Kamera oder ein Radar hat vorbeifahrende Autos im Blick.

Schon jetzt liegen viele Datensätze zum Verkehr in der Stadt vor, etwa von Radarsystemen auf Brücken und Induktionsschleifen, außerdem von den vielen Handys, die die Fahrer dabei haben. Wenn alle 50 Meter eine Laterne einen Blick auf die Straße wirft, lässt sich das Verkehrsaufkommen aber genauer messen denn je. „Wenn Sie diese Daten zusammenfassen, bekommen Sie ein komplett neues Bild auf die Stadt“, sagt Hans Jörg Stotz, der bei SAP die Strategie fürs Internet der Dinge verantwortet.

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