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11.04.2017

17:41 Uhr

Vernetzte Produktion

Maschine sucht Anschluss

VonManuel Heckel

Industrieunternehmen zieht es in die Cloud. Die neue IT-Welt lockt mit der Möglichkeit, Geld zu sparen. Neue Marktplätze ebnen den Weg. Dennoch zeigen sich einige Betriebe skeptisch.

Der Maschinenbauer hat vor anderthalb Jahren einen Marktplatz für das Internet der Dinge gegründet. dpa

Azubi bei Trumpf

Der Maschinenbauer hat vor anderthalb Jahren einen Marktplatz für das Internet der Dinge gegründet.

KölnEs ist ein typisches Problem von IT-Dienstleistern: So stolz sie auf ihre Produkte auch sind – auf einer Messe lassen sich Software und Services meist nur schwer präsentieren. Werden Daten und Konzepte allein am Bildschirm gezeigt, lockt das bestenfalls Fachleute an. Das Kölner Unternehmen Plusserver setzte auf der vergangenen Cebit auf Technik, die optisch mehr hermacht – und baute auf seinem Stand einen voll funktionsfähigen Roboterarm auf.

Das Gerät stammte vom Kunden Kuka. Die Besonderheit: Jenseits von Messe-Ausflügen ist der Roboterarm in eine sogenannte hybride IT-Architektur eingebunden. Einige Informationen zur Steuerung stammen aus firmeneigenen Rechenzentren, andere Daten tauscht der Roboter mit externen Servern aus. Plusserver bietet Softwarearchitekturen an, die beide Welten nahtlos miteinander verzahnen sollen.

Begehrte Spezialisten

Platz 1

Senior-Softwareentwickler: 39,5 Prozent.

Anteil der ausgeschriebenen Stellen, die binnen 60 Tagen nicht besetzt werden können, in Prozent. Quelle: Indeed 2017.

Platz 2

Wirtschaftsinformatiker: 37,6 Prozent der ausgeschriebenen Stellen können nicht innerhalb von 60 Tagen besetzt werden.

Platz 3

IT-Prozess-Manager: 35,8 Prozent der ausgeschriebenen Stellen können nicht innerhalb von 60 Tagen besetzt werden.

Platz 4

Den vierten Rang der begehrten Spezialisten teilen sich der IT-Consultant, der Systemingenieur und der Software-Engineer: 35,5 Prozent der jeweils ausgeschriebenen Stellen können nicht innerhalb von 60 Tagen besetzt werden.

Platz 5

User-Experience-Designer: 34,4 Prozent der ausgeschriebenen Stellen können nicht innerhalb von 60 Tagen besetzt werden.

Platz 6

Application-Engineer: 34,0 Prozent der ausgeschriebenen Stellen können nicht innerhalb von 60 Tagen besetzt werden.

Platz 7

Full-Stack-Developer: 33,8 Prozent der ausgeschriebenen Stellen können nicht innerhalb von 60 Tagen besetzt werden.

Die Marktperspektiven sind gut. Denn die Industrie investiert derzeit viel Zeit und Geld, um ihre Anlagen und Prozesse im „Internet der Dinge“ zu vernetzen. Laut einer Umfrage des Marktforschungsinstituts IDC aus dem November 2016 sind 23 Prozent der deutschen Fertigungsunternehmen über die Pilotphase bei entsprechenden Transformationsprojekten heraus. Ein Drittel der Befragten setzt sich zumindest mit dem Thema auseinander. Untätig sind nur noch neun Prozent

Externe IT-Kapazitäten sind beim Internet der Dinge stets eingebunden. Mal laufen Daten verschiedener Maschinen in einem fremden Rechenzentrum zusammen, mal mieten Firmen für Belastungsspitzen zusätzliche Speicher- oder Rechenkapazitäten bei Dienstleistern. Ohne eine wohlüberlegte Strategie für Cloud-Computing geht es nicht: Welche Anwendungen dürfen ausgelagert werden, auf welche Plattformen? „Die Industrie öffnet sich diesem Thema immer mehr – und damit auch der Zusammenarbeit mit IT-Dienstleistern“, sagt Maurice Kemmann, Chief Technical Officer bei Plusserver.

Das sind die Trends der Cebit

Digitalisierung konkret

Bagger, die ohne menschliches Zutun gefährliche Stoffe bergen. Drohnen, die aus der Luft einen Schlot inspizieren. Und Sportschuhe, die für den Fuß des Läufers individuell gefertigt werden: Mit derartigen Szenarien will die Deutsche Messe die Besucher auf die Cebit (20.bis 24. März) in Hannover locken. Ziel sei es, „die digitale Transformation so konkret erlebbar wie möglich zu machen“, sagt Cheforganisator Oliver Frese. Abstrakte Themen wie Cloud-Computing oder das Internet der Dinge werden anfassbar. Zumindest für Geschäftsleute: Auf die konzentriert sich die Deutsche Messe AG als Ausrichter.

Abbild und Helfer

Drohnen und Roboter für den kommerziellen Einsatz sind ein Schwerpunkt der Technikmesse - ob als Unterstützung für Inspektionsarbeiten oder Zuarbeiter am Fließband. Das ist auch dem Partnerland Japan zu verdanken, wo humanoide Helfer bereits im Alltag der Menschen zum Einsatz kommen. Wie weit das eines Tages reichen könnte, wird Hiroshi Ishiguro in seinem Vortrag skizzieren: Der Popstar der japanischen Roboterforschung hat seinen eigenen Doppelgänger erschaffen.

Intelligente Hilfe

Kann der Mensch eines Tages sein Gehirn an einen Computer anschließen und Gedanken und Erinnerungen in der Cloud ablegen? Ray Kurzweil, Chefentwickler von Google, stellt in einem Vortrag diese Vision vor. Unabhängig von solchen Ausblicken geht es auf der Cebit darum, wie künstliche Intelligenz schon heute Firmen helfen kann. Ein System von SAP sortiert etwa Kundenanfragen automatisch vor und macht Vorschläge für Antworten. Konkurrent Salesforce will Vertriebsmitarbeiter mit künstlicher Intelligenz unterstützen. Auf der Messe dürften viele solcher Szenarien zu sehen sein.

Schutz vor Hackern

Whistleblower Edward Snowden meldet sich per Videoschalte. Und der Chef des Bundeskriminalamts, Holger Münch, steht auf der Bühne: Das Thema IT-Sicherheit spielt auf der Cebit traditionell eine wichtige Rolle. Je stärker die Vernetzung zunimmt, desto wichtiger wird der Schutz. Zunehmend in der Diskussion: Wie lassen sich neben Smartphones und Clouddiensten auch vernetzte Autos oder Roboter schützen?

Smarte Umgebung

Die Vernetzung der Welt erreicht selbst die Toiletten. Auf der Cebit stellt das Fraunhofer-Institut IIS gemeinsam mit dem Unternehmen CWS-Boco einen Seifenspender vor, in dem Sensoren automatisch den Füllstand an das Reinigungspersonal melden. Ob sich diese Lösung am Markt durchsetzt, ist offen. Doch sie zeigt: Das Internet der Dinge wird für immer mehr geschäftliche Zwecke genutzt. Die Boston Consulting Group (BCG) schätzt, dass der Markt bis 2020 um jährlich 20 Prozent auf 250 Milliarden Euro wachsen wird.

Brille für mehr Einblick

Datenbrillen für Virtual und Augmented Reality kommen in immer mehr Laboren und Fabriken zum Einsatz. Die Cebit widmet dem Trend eine halbe Halle. Zu sehen sind etwa Werkzeuge für die Prototyp-Entwicklung oder die Simulation von Herzoperationen.

Die IT-Industrie hat zwar lange damit geworben, dass mit Cloud-Computing eine neue Einfachheit und Sorgenfreiheit in die Unternehmen einkehrt. Doch ausgefeilte Produktionsprogramme und deren Datenströme lassen sich kaum per Knopfdruck hin- und herschieben. „Wir stoßen auf Unternehmen mit den unterschiedlichsten Erfahrungshintergründen“, sagt Kemmann. In Strategiefragen erlebt er einen hohen Beratungsbedarf. Industriebetriebe müssen klären, wie viele Schritte sie in die Cloud gehen wollen – und welche Wege sie dafür wählen.

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