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26.04.2016

17:20 Uhr

Wettlauf um die digitale Führung

Wie GE dem Rivalen Siemens Marktanteile abjagen will

VonMartin Wocher, Axel Höpner

Der Kampf um die Führung bei der industriellen Digitalisierung nimmt Fahrt auf. General Electric aus den USA nimmt Europa ins Visier, doch Siemens hat bereits auf vielen Feldern einen Vorsprung.

In der „digitalen Fabrik“ erfolgt die Planung und Simulation der gesamten Fertigungsprozesse mit Software virtuell am Rechner. Siemens

Siemens virtuelle Fabrik

In der „digitalen Fabrik“ erfolgt die Planung und Simulation der gesamten Fertigungsprozesse mit Software virtuell am Rechner.

HannoverIm Herzen Europas hat der US-Industriegigant General Electric Quartier bezogen. An der Seine in Paris sitzt GE-Europa-Chef Mark Hutchinson in seinem Büro in der ehemaligen Zentrale von Alstom, das GE gerade erst übernommen hat. Die Digitalisierung ist auch für ihn das große Thema, Sonntag machte er sich auf den Weg zur Hannover Messe. "Wir wollen im industriellen Internet eine dominante Rolle spielen, auch in Europa und auch in Deutschland", schickt Hutchinson im Gespräch mit dem Handelsblatt eine Grußbotschaft an die Konkurrenz.

Der Wettbewerb um die Führung im digitalen Industriezeitalter ist eröffnet. Lange war Industrie 4.0 eher eine Vision, dann gab es erste Testversuche. Nun aber soll die Einführung in der Breite erfolgen. "Die Technik ist da, die ersten Implementierungen sind erfolgt - der Durchbruch findet jetzt statt", sagt Siemens-Industrievorstand Klaus Helmrich dieser Zeitung. Offen ist aber noch, wer das digitale Zeitalter dominieren wird: die USA oder Deutschland. Auf beiden Seiten des Atlantiks gibt es eigene Ansätze und Stärken.

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Industrie 4.0, das ist die vollständige Digitalisierung vom Entwurf eines Produkts über die gleichzeitige Planung der Fertigung bis zur digitalen Fabrik mit Millionen von Sensoren - und quasi eine deutsche Erfindung. Der große GE-Rivale Siemens spielt hier eine Schlüsselrolle als Weltmarktführer bei Industrieautomatisierung und Industriesoftware. "Wir haben eine Automatisierungskompetenz, die weltweit führend ist", so Helmrich.

Der Gegenspieler, die Amerikaner, stand bei 4.0 lange am Seitenrand, hat aber dank Google & Co. viel Erfahrung mit Algorithmen und der Analyse von Daten. Während Siemens die ganze Kette durchgängig abdeckt, setzt GE vor allem auf Big Data: Im laufenden Betrieb von Windrädern, Krankenhaus-Tomografen und Flugzeugturbinen werden Unmengen von Daten gewonnen.

Diese sollen vorausschauende Wartung, effizienten Betrieb und neue Geschäftsmodelle ermöglichen. "Das ist so groß wie die Entdeckung des Feuers", sagt Hutchinson. Der Markt für die industrielle Digitalisierung könnte 2020 nach Schätzung von Experten 45 Milliarden Dollar schwer sein. Wer jetzt den Anschluss verpasst, wird abgehängt bleiben. Nutzt Europa die Chancen, könnte der Kontinent laut einer Studie von Roland Berger im Auftrag des BDI zusätzliche Wertschöpfung von 1,25 Billionen Euro generieren. Wenn die Industrie die digitale Transformation verpasst, gingen über die Jahre 605 Milliarden Euro verloren.

Die Position von Siemens ist stark. Auf der Hannover Messe stellen die Münchener eine integrierte Plattform für die komplette industrielle Produktionskette vor. Sie soll für einen kräftigen Schub in Sachen Digitalisierung in den Fabriken sorgen. "Mit Digital Enterprise haben wir den Anspruch, Standards zu setzen", sagt Helmrich. Getrieben werde die Entwicklung vom immer größeren Kundenwunsch nach individualisierten Produkten. "Die großen Unternehmen stellen sich die Frage, wie sie diese Komplexität beherrschen können. Das funktioniert nur, wenn ich die industrielle Welt digital auf einer Plattform beschreiben kann."

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