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15.04.2015

16:13 Uhr

Windbranche

Wenn nur ein laues Lüftchen weht

VonGeorg Weishaupt

Maschinen mit riesigen Rotoren erobern die deutsche Provinz: Die Industrie zeigt bei der Hannover Messe Anlagen, die auch bei schwächerem Wind funktionieren. Enercon will mit neuer Plattform die Kosten senken.

Immer mehr Windmühlen entstehen mitten im Land.  Mit ihnen wird die Stromversorgung immer dezentraler. dpa

Immer mehr Windmühlen entstehen mitten im Land. Mit ihnen wird die Stromversorgung immer dezentraler.

HannoverDie Musik erinnert an Kinofilme: schwülstige Streicher und wehmütige Bläser, unterstützt von schweren Bässen. Auf dem Großbildschirm sind aber keine menschlichen Dramen zu sehen, sondern Dutzende heranfliegende Teile, die sich zu einem Riesen-Windrad zusammensetzen. Mit der virtuellen Show wirbt der Enercon-Konzern für seine neue Windmaschine auf der Hannover Messe. Die Riesenmühle arbeitet mit 126 Meter langen Rotoren und dreht sich auf einem Turm, der es auch mit einem Fernsehturm aufnehmen könnte. Sie ist geeignet, „Onshore-Standorte bis weit ins Binnenland hinein optimal auszunutzen“, sagt Enercon-Geschäftsführerin Nicole Fritsch-Nehring.

Das Unternehmen will mit der Vier-Megawatt-Anlage noch stärker als bisher von einem neuen Trend profitieren: Immer mehr Investoren suchen Maschinen für Regionen mit nur mittlerer oder geringer Windstärke. Denn die Standorte in stürmischen Küstenregionen werden knapp. Stattdessen entstehen neue Anlagen verstärkt mitten in Deutschland. Sie helfen, einen Grundgedanken der Energiewende zu fördern: Der Strom entsteht nicht mehr zentral, sondern dezentral in Hunderten Kraftwerken.

Neue Technologien für die Energieerzeugung gehören deshalb zu den großen Themen der Hannover Messe. Nur wenn Windkraftwerke immer effizienter werden, können sie mit den fossilen Energien konkurrieren.

Die Nachfrage nach solchen Anlagen steigt. Es gibt zwar keine offiziellen Zahlen. Aber die Windräder, die im vergangenen Jahr in Hessen, Thüringen, Rheinland-Pfalz, Baden-Württemberg und Bayern aufgestellt wurden, waren durchweg Riesenrotoren für schwache Windregionen. Sie haben eine Kapazität von 1,9 Gigawatt – rund 40 Prozent des Gesamtmarktes.

Vor Jahren waren Windräder in solchen Regionen nicht wirtschaftlich zu betreiben. Heute haben sie leistungsfähigere Generatoren, bessere Antriebe und vor allem längere Rotorblätter und höhere Türme. Damit produzieren sie auch Strom, wenn nur ein laues Lüftchen weht.

Das Hamburger Unternehmen Nordex hat dazu eine neue Turbine entwickelt. „Je nach Konfiguration kann die Turbine 21 bis 28 Prozent mehr Strom aus Windenergie gewinnen“, sagt Vorstandschef Jürgen Zeschky. Doch die höhere Produktivität allein reicht nicht. „Am Ende geht es um geringere Kosten für den produzierten Windstrom.“ Nordex will diese Stromgestehungskosten für Windenergie bis 2017 um bis zu 15 Prozent senken.

Kommentare (1)

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Herr Eberhard Steinweg

15.04.2015, 13:11 Uhr

Nicht ein Wort zur effektiv erzeugten Menge von kwh, die einzig und allein etwas zur Wirtschaftlichkeit aussagt. Was auf der Muehle als MW draufsteht ist doch unerheblich. Bei fast keinem Wind ist auch fast keine Ernergie abgreifbar.

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