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02.09.2013

11:41 Uhr

Internationale Funkausstellung

Navi-Hersteller flüchten in die Wildnis

VonRebecca Ciesielski

Smartphones verderben den Produzenten von Navigationsgeräten das Geschäft. Auf der Internationalen Funkausstellung zeigt die Branche ihre Gegenmittel. Garmin und Co. setzen auf neue Displays – und Outdoor-Anwendungen.

Die Hersteller von Navigationsgeräten stemmen sich mit neuen Ideen dagegen, dass ihr Geschäft wegbröckelt. Reuters

Die Hersteller von Navigationsgeräten stemmen sich mit neuen Ideen dagegen, dass ihr Geschäft wegbröckelt.

DüsseldorfHead-Up-Displays sind bislang etwas für Autos der Oberklasse – wer Route, Wetter und Tempolimits auf der Windschutzscheibe einblenden lassen will, muss mehrere hundert Euro ins Zubehör investieren.

Geht es nach Garmin, soll sich das ändern: Der Hersteller von Navigationslösungen zeigt Anfang September auf der Internationalen Funkausstellung (IFA) in Berlin ein Gerät, das Autofahrer für 150 Euro nachrüsten können. Es projiziert Informationen vom Smartphone auf eine Folie an der Scheibe im Blickfeld des Fahrers.

Neue Display-Technologien, Frühwarnsysteme für Radarfallen, Spezial-Software für Lkw-taugliche Routen: Die Hersteller von Navigationsgeräten stemmen sich mit neuen Ideen dagegen, dass ihr Geschäft wegbröckelt. Weil immer mehr Autofahrer sich von Smartphone-Apps statt von mobilen Navigationsgeräten lotsen lassen, sind Innovationen dringend nötig.

Umsatz eingebrochen

„Wir müssen uns dem Smartphone-Trend stellen“, sagt Stefan Bernard, Deutschland-Geschäftsführer von Garmin. Laut Technologieverband Bitkom brach der Umsatz mit Navigationsgeräten in Deutschland zwischen 2007 und 2010 um nahezu die Hälfte ein. Über eine Milliarde Euro erwirtschafteten die Navi-Händler deutschlandweit vor sechs Jahren – nach Schätzungen von Bitkom waren es 2011 nur noch rund 425 Millionen. Mit rückläufiger Tendenz.

Im internationalen Vergleich sieht es ähnlich aus. Nach Prognosen des Branchenverbands sollen 2015 in Europa und Nordamerika noch 24 Millionen Geräte verkauft werden, gegenüber 33 Millionen im Jahr 2009.

Gleichzeitig werden Smartphones und Navigations-Apps immer populärer. Im zweiten Quartal 2013 war laut der Marktforschungsfirma Gartner der Anteil der Smartphones am weltweiten Gesamtverkauf von Mobiltelefonen erstmals größer als die Verkaufszahlen herkömmlicher Handys – ihr Anteil lag in dem Quartal noch bei rund 48 Prozent.

Bei einer Befragung der US-Handelsorganisation Consumer Electronics Association (CEA) im Frühjahr 2013 gaben in den USA 76 Prozent der befragten Smartphone-Nutzer an, das Mobiltelefon auch zum Navigieren zu nutzen. In Deutschland bekannten sich, dem Online-Marktforschungsunternehmen Fittkau & Maaß Consulting zufolge, schon 2010 fast 68 Prozent der Smartphone-Besitzer zur Navigations-App.

Kommentare (2)

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Der_Techniker

02.09.2013, 12:57 Uhr

Garmin hat meines Erachtens momentan noch einen riesen Vorteil gegenüber den üblichen Smartphones:
Neben der physischen Robustheit ihrer Outdoorgeräte haben die Geräte meist erfreulich lange Akkulaufzeiten. Einige ihrer Geräte (ich nutze z.B. GPSMAP & Etrex) mit üblichen AA-Batterien/Akkus, die man notfalls in jedem Supermarkt/Tankstelle nachkaufen kann und sich einfach in den Rucksack stecken kann. Das ist bei ernsthaften Outdooranwendungen für mich ein Killerkriterium.
Die große Verfügbarkeit von speziellen Openstreetmap basierten Karten (Reit- und Wanderkarte, Openmtb etc) ist auch ein dicker Plus, wenn auch von Garmin selbst nicht beabsichtigt.
Bleibt zu hoffen, daß man bei Garmin in Zukunft wieder mehr Wert auf die Programmierung robuster Firmware legt. Da sind Apps, die auf Smartphones laufen im Vergleich häufig bemerkenswert schnell bug-arm und daher gut benutzbar.

Andere Anbieter von Outdoor Navigationsgeräten wie Magellan oder Lowrance spielen in Europa ja (leider) kaum eine Rolle.

Simple Strassennavigation in Autos wird in Zukunft vom Smartphone miterledigt, falls man nicht direkt ein fest im Auto eingebautes Navi nutzt. Der Trend ist unumkehrbar denke ich.

phil

02.09.2013, 16:52 Uhr

Auf lange Sicht wird kein Hersteller von Navigationsgeräten auf heutigem Niveau überleben. Die Tablett- und Smartphone Hersteller mit Ihren Produkten haben einen viel zu großen Kostenvorteil. Selbst Nischenmärkte werden verloren gehen. Schade

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