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11.08.2011

15:42 Uhr

IT-Sicherheit

Berliner Hacker warnen vor Handy-Sicherheitsleck

VonFidelius Schmid

Ein Berliner Sicherheitsunternehmen hat den Internetverkehr mobiler Handys geknackt. Die Sicherheitslücke erlaubt Hackern, in einem großräumigen Umkreis mobile Kommunikation wie E-Mail- und Surfverkehr abzuhören.

Betroffen von der Sicherheitslücke könnten also Hunderte Millionen von Handynutzern sein. Quelle: dapd

Betroffen von der Sicherheitslücke könnten also Hunderte Millionen von Handynutzern sein.

BerlinVier umprogrammierte Billig-Handys von Motorola sind an einen gewöhnlichen Laptop angeschlossen, auf dessen Bildschirm Zahlenkolonnen herunterrauschen - die neueste Sicherheitsbedrohung für Internetnutzer lag Anfang dieser Woche auf einem Sofa in Berlin und sah ziemlich harmlos aus.

Ist sie aber nicht: Hackern der Berliner Sicherheitsfirma Security Research Labs ist es nach eigenen Angaben gelungen, die Verschlüsselungstechnik für das mobile Internet zu knacken. "Wir sind in der Lage, mit unserer Technik GPRS-Datenkommunikation im Umkreis von fünf Kilometern abzufangen", sagte Karsten Nohl, Chef von Security Research Labs, dem Handelsblatt.

Die jüngsten Hacker-Attacken

Rewe

Im Juli hat ein Hacker 52.000 Kundendaten von Internet-Tauschbörsen für Tierbilder und Bilder der Frauen-Fußball-Weltmeisterschaft entwendet. Die Aufkleber hatte die Supermarktkette Rewe ihren Käufern an der Kasse geschenkt. Inzwischen hat die Polizei den Täter ermittelt.

Südkorea

Im bislang größten Fall von Datenklau in Südkorea haben sich Hacker den Zugriff auf persönliche Daten von bis zu 35 Millionen Internetnutzern verschafft. Ziel des Angriffs waren zwei populäre Onlineplattformen.

Sony

Ende April haben Datendiebe 77 Millionen Kundendaten der Spielekonsole Playstation und des Musikdienstes Qriocity geklaut. Eine Woche später spionierten Hacker weitere 25 Millionen Daten von Kunden von Sony Online Entertainment aus, darunter deren Kreditkarteninformationen.

Mit seinen vier Motorola-Handys und dem Laptop kann Nohl genau sehen, welche Internetseiten Handynutzer aufrufen - egal, ob es sich dabei um ein passwortgeschütztes Facebook-Konto oder eine Fahrplanauskunft handelt. Darüber hinaus kann der 29-jährige Technikfreak E-Mails lesen, die via Handy verschickt werden - ausgenommen sind nur Firmen-Blackberrys, deren Code hat er noch nicht geknackt.

Für Handynutzer und Mobilfunk-Konzerne sind das beunruhigende Nachrichten. In den meisten Ländern weltweit wird die GPRS-Technik im Mobilfunk verwendet. Dabei handelt es sich zwar um einen alten Standard. In Deutschland wird er zunehmend durch die schnellere Technik UMTS abgelöst. Die Deutsche Telekom kann nach eigenen Angaben 80 Prozent der Bevölkerung mit UMTS versorgen. Aber gerade in ländlichen Gebieten ist auch hierzulande nur die nun geknackte ältere Technik verfügbar. Auch iPhones und iPads greifen auf sie zurück, wenn das UMTS-Netz überlastet oder in einer Region noch nicht ausgebaut ist. In anderen Ländern, vor allem Schwellenländern wie Indien, ist die GPRS-Technik noch der vorherrschende Standard für die Datenübertragung.

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