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21.03.2011

17:08 Uhr

.xxx-Adressen

Kontroverse um neuen Rotlichtbezirk fürs Internet

Im Internet gibt es künftig eine eigene Adressendung für Erotik und Pornografie. Doch die Einführung der Top Level Domain „.xxx“ stößt auf viel Widerstand - nicht nur unter Sittenwächtern.

Aktivisten, die sich für Meinungsfreiheit einsetzen, fürchten eine Ausgrenzung und Zensur durch die neue .xxx-Domain. Quelle: dapd

Aktivisten, die sich für Meinungsfreiheit einsetzen, fürchten eine Ausgrenzung und Zensur durch die neue .xxx-Domain.

San Francisco/BerlinZahlreiche Anbieter erotischer und pornografischer Inhalte fürchten dagegen eine strikte Filterung.

„Die Endung bietet eine gute Möglichkeit für technischen Jugendmedienschutz“, warnte der Experte Thomas Rickert am Montag im Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa. „Falsch eingesetzt, kann es aber zu einer erheblichen Verletzung von Rechten bis hin zur Zensur führen.“

Am Freitag hatte der Icann-Vorstand die Top Level Domain „.xxx“ nach einer jahrelangen Debatte endgültig auf den Weg gebracht. Die Organisation autorisierte Icann-Chef Rod Beckstrom, einen Vertrag mit dem US-Unternehmen ICM Registry zu unterzeichnen. Der Anbieter wird die Top Level Domain vermarkten. Andere Porno-Websites mit Top Level Domains wie „.com“ oder „.de“ verschwinden damit aber nicht.

Icann - kurz für Internet Corporation for Names and Numbers - ist so etwas wie die Verkehrsbehörde des Internet. Die nichtkommerzielle Organisation mit Sitz im kalifornischen Marina del Rey wacht über die Top Level Domains und sorgt so dafür, dass sich jeder Rechner, der ans Netz angeschlossen ist, in Sekundenbruchteilen mit Internet-Servern in der ganzen Welt verbinden kann.

Adressen mit „.xxx“-Endung sollen nur Pornoanbietern zur Verfügung stehen. ICM Registry wirbt dafür, dass die Top Level Domain bei den Nutzern Vertrauen schaffen soll. Wer etwa kriminelle Angebote wie Kinderpornografie oder schädliche Software verbreitet oder durch Betrug aufgefallen ist, erhalte keine Adresse, betonte das Unternehmen. „Erstmals gibt einen klar definierten Adressraum für Erwachsenenunterhaltung, außerhalb der Reichweite von Minderjährigen und so weit wie möglich frei von Betrug oder schädlichen Viren“, sagte Firmenchef Stuart Lawley.

Das Unternehmen hat nach Angaben vom Montag mehr als 300.000 Reservierungen vorliegen. Im vergangenen Jahr bezifferte Firmenchef Stuart Lawley den möglichen Jahresumsatz mit „.xxx“-Domains auf bis zu 200 Millionen US-Dollar.

Doch der Rotlichtbezirk ist umstritten - nicht nur unter Gegnern von Pornografie. „Auch in der als Zielgruppe gedachten Industrie wird das kontrovers gesehen“, weiß Anwalt Rickert, der beim Verband der deutschen Internetwirtschaft eco den Themenbereich Domains leitet.

Vor allem befürchte man Zensur: „Länder könnten alle Inhalte unter „.xxx“ blockieren.“ Saudi-Arabien bestätigte bereits der „Washington Post“, die gesamte Top Level Domain zu sperren.

Auch innerhalb der Icann gab es Zwist. Der Regierungsbeirat hatte die „.xxx“-Domain bis zuletzt abgelehnt, konnte sich aber mit seiner restriktiven Position nicht durchsetzen. In dem Gremium sitzen Vertreter von Regierungen aus aller Welt.

Von

dpa

Kommentare (1)

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Account gelöscht!

03.04.2011, 17:02 Uhr

Eine Videothek muss ihre Angebote strikt trennen. Sogar bauliche Maßnahmen werden gefordert, um das Familienangebot vom Erwachsenenangebot zu trennen. Geht das nicht, bleiben Nichterwachsene ausgesperrt.

Kann man sich vorstellen, dass ein Magzine oder eine Zeitung zwischen seinen Seiten die Aufforderung zeigt, die nächsten 20 Seiten nur anzuschauen, wenn man über 18 ist? Nein! So aber funktioniert das Internet. Das ist gesellschaftlicher Selbstbetrug. Und die Politik schaut weg.

Alle Anbieter von Erwachseneninhalten müssen gleich behandelt werden und natürlich muss ein Erwachsener selbst entscheiden dürfen! Es gibt und gab keinen Grund, im Internet anders zu verfahren, wie bei der Genehmigung von Videotheken - Gesellschaftlich nicht und auch nicht nach marktwirtschftlichen Gesichtspunkten, wo der Wettbewerb an der Kundenfront stattfinden sollte. Dass Videotheken und andere Anbieter von Erwachseneninhalten nicht wegen Benachteiligung geklagt haben, ist unverständlich. Dem Wettbewerbsgedanken hätte es genutzt, den zu schützenden Kindern auch.

Und wer meint, dass das technisch nicht ginge, dem erkläre ich gern, dass es sehr wohl geht und natürlich auch immer ging. XXX ist eine logische Konsequenz und gesellschftlich wie marktwirtschftlich der richtige Schritt.

Das hat aber leider alles viel zu lange gedauert. Und es ist für mich immer wieder erstaunlich, wie lange es dauert, bis manche Leute, die sich selbst sicher nicht zu den Dummen zählen, zu der Aussage kommen, 'ja - wir haben verstanden!'

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