Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

14.01.2011

13:21 Uhr

10 Jahre Wikipedia

Am Anfang war ein Steinbruch

VonStephan Dörner

Vor zehn Jahren wurde das Internet-Lexikon Wikipedia gegründet. Das Mitmachlexikon ist seit seinen Anfangstagen deutlich gewachsen, doch die Erweiterung des Wissens verlief nicht immer konfliktfrei. Ein Wikipedianer der ersten Stunde blickt zurück.

Das Internet-Lexikon Wikipedia: Zehn Jahre für das freie Wissen. DAPD

Das Internet-Lexikon Wikipedia: Zehn Jahre für das freie Wissen.

DÜSSELDORF. Auf die Internet-Lexikon Wikipedia bin ich im Jahr 2002 gestoßen. Damals verbrachte ich viel Zeit in einem heute fast vergessenen Teil des Internets: dem Usenet, einer Art Forensystem. Dort entdeckte ich auch die Wikipedia in der Signatur eines Diskussionsteilnehmers: Ein Hinweis auf die Idee, eine freie Wissensdatenbank im Internet aufzubauen - inspiriert durch die Idee freier Software wie dem Betriebssystem Linux.

An die Faszination, die von dem Gedanken ausging, nicht nur Software frei zu teilen, sondern auch Wissen, kann ich mich heute noch erinnern. Angemeldet habe ich mich dennoch erst später, im April 2003. Damals war die deutschsprachige Community noch eine kleine, eingeschworene Gemeinschaft, in der ich noch persönlich begrüßt wurde. Heute gibt es dafür einen Standard-Text.

Nun war ich also Teil dieser Gemeinschaft - und die erst kurz zuvor gestartete deutschsprachige Wikipedia war wüst und leer. Es galt weniger, vorhandene Artikel zu überarbeiten, der Fokus lag damals eher darauf, wichtige Begriffe zu finden, zu denen es noch keinen Eintrag gab. Neue Rekorde bei der Artikel-Anzahl wurden damals noch regelmäßig virtuell gefeiert. Auch meine ersten Zeilen in der Internet-Enzyklopädie waren ein Neu-Eintrag: Als Rollenspieler legte ich einen Artikel über Orks an.

Beim Aufruf des Artikels heute stelle ich fest, dass aus den wenigen Sätze, die ich damals schrieb, ein umfassender Lexikon-Eintrag inklusive historischem Abriss geworden ist. Nur noch einzelne Sätze von damals entdecke ich wieder. Das war schon seinerzeit die erste und wichtigste Lektion, die mich Wikipedia lehrte: Der Stolz der Autoren hatte hinter der Idee der freien Wissensproduktion zurückzustehen. Autoren-Eitelkeiten waren fehl am Platze, die eingebenden Texte wurden als Steinbruch verstanden: Die Community durfte sich nach Herzenslust an den Texten bedienen und sie umarbeiten.

Eine Quelle hatte ich damals nicht. Ich schrieb auf, was ich zu wissen glaubte - und wurde von den anderen Wikipedia-Mitgliedern der ersten Stunde gelobt. Heute werden viele, die sich mal an einem Artikel versuchen, mutmaßlich andere Erfahrungen machen: Längst hat sich die freie Wissensproduktion professionalisiert, erfahrene Adminstratoren passen auf, dass es keine Informationen ohne glaubhafte Belege in die Enzyklopädie schaffen. Sollten neuen Autoren tatsächlich noch Begriffe finden, zu denen kein Eintrag existiert, ist eine anschließende Relevanz- und Löschdiskussion so gut wie garantiert.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×