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28.01.2008

11:38 Uhr

25 Millionen Songs

Neue Internet-Tauschbörse Qtrax startet

Jahrelang beklagte die Musikindustrie die Kostenlos-Mentalität der jungen Leute, die für Musik keinen Cent ausgeben wollen, weil sie ihre Lieblingssongs gratis in illegalen Tauschbörsen bekommen. Jetzt wollen Musikmanager sich diese Mentalität zunutze machen - mit der neuen Musiktauschbörse Qtrax.

Qtrax dpa

Screenshot der Seite www.qtrax.com am Sonntag.

dpa CANNES. Alles „umsonst“: Das Unwort der vergangenen Jahre lässt jetzt die Augen vieler gebeutelter Musikmanager glänzen. Der neue Branchenhit heißt „werbefinanzierte Musik“. Der Fan bekommt seine Musikdatei gratis, muss sich dafür aber Werbung aussetzen - in Form von Webbannern, Sponsoring, Videos oder auch Audio-Reklamespots. Die Idee ist nicht ganz neu, doch auf der internationalen Musikmesse Midem in Cannes bekam sie am Wochenende einen großen Schub.

Qtrax heißt das neue Angebot, das als Sponsor der Konferenz Midemnet Forum groß auftrat: Riesige Werbebanner hängen im Messe-Kongresszentrum Palais des Festivals ebenso wie in der Mittelmeerstadt, tausende Werbezettel liegen, hängen, kleben überall, an drei Abenden spielen James Blunt, LL Cool J und Don Henley auf Rechnung der US-Firma intime Clubkonzerte.

Die „erste legale Musiktauschbörse“, wie sich Qtrax selbst nennt, verspricht viel: Zum Start an diesem Montag in Nordamerika, Deutschland und sechs anderen Ländern Europas sollen über 25 Millionen Songs online sein - zum kostenlosen Download. Alle Major Labels und viele unabhängige Plattenfirmen haben dafür ihre Musik von Stars wie Alicia Keys lizenziert. Je mehr ein Song gespielt wird, desto mehr Geld soll an den Künstler fließen - über die Reklame auf www.qtrax.com. „Diese Werbung wird aber nicht nervend oder bedrängend sein, sondern normal in Form von Bannern oder Sponsoring daher kommen“, sagt Qtrax-Chef Allan Klepfisz.

Noch kann die Musik nur auf dem Computer abgespielt werden, in den nächsten Monaten aber auch auf mobile Player wie Musikhandys oder Apples ipod übertragen werden. Doch hier ist der Haken für den Musikfan: Mindestens alle 30 Tage muss er sich mit seinem Abspielgerät bei Qtrax einloggen, sonst wird die Datei unbrauchbar; auf eine CD brennen kann man die Musik nicht.

Also ist Qtrax, ähnlich wie die werbefinanzierten Angebote Spiral Frog oder We7 von Musiker Peter Gabriel, kein Ersatz für Downloadshops wie Apples itunes Store, sondern eher eine Zusatzoption für die Musikbranche, wenigstens etwas Geld aus dem Netz herauszuholen. Ähnlich sieht das auch der britische Sänger James Blunt: „Eigentlich sollte man für Musik bezahlen und sie nicht umsonst bekommen. Ich hätte auch gern Süßigkeiten umsonst, aber ich muss dafür zahlen, so sehe ich es auch bei Musik. Aber in der schwierigen Situation der Musikindustrie muss man alles versuchen. Ich werde mir das anschauen und sehen, wohin der Weg führt.“

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