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17.11.2014

11:03 Uhr

30 Jahre Btx-Hack

Das Ende der Illusion sicherer Netze

Der Chaos Computer Club war vor 30 Jahren nur wenigen Hackern und Experten bekannt. Als zwei Club-Mitglieder vorführten, wie leicht man eine Bank via Bildschirmtext quasi ausrauben kann, änderte sich alles.

Wau Holland (l.) und Steffen Wernery vom "Chaos-Computer-Club" in Hamburg an ihren Computern im November 1984. dpa

Wau Holland (l.) und Steffen Wernery vom "Chaos-Computer-Club" in Hamburg an ihren Computern im November 1984.

Hamburg„Klack-Klack, Klack-Klack“. Der Attacke von zwei Hackern auf die Hamburger Sparkasse vor 30 Jahren konnte man regelrecht zuhören. Wau Holland, der Mitbegründer des Chaos Computer Clubs, und sein Freund Steffen Wernéry hatten damals einen Weg gefunden, öffentlichkeitswirksam auf Schwachstellen im Bildschirmtext-System (Btx) der Deutschen Bundespost hinzuweisen.

Der Onlinedienst Btx war am 1. September 1983 bundesweit gestartet worden. Zu diesem Zeitpunkt war das Internet in weiten Teilen noch ein von Militärs finanziertes akademisches Projekt. Das Web gab es noch nicht. Das geschlossene Btx-Netzwerk wurde damals als besonders sicher und auch für Banking-Anwendungen geeignet angepriesen. Dieses Image wollten die beiden Hacker in Frage stellen.

Mit einem nur 31 Zeilen langen Programm steuerten sie ein Relais an, das auf der Tastatur des Btx-Terminals immer wieder bestimmte Tasten drückte und eine kostenpflichtige Animation des CCC in dem Btx-System aufrief. 9,97 D-Mark verlangte der Club für die Anzeige. Zuvor hatten sich die beiden die Zugangskennung der Hamburger Sparkasse (Haspa) verschafft, so dass sie die Bezahl-Seiten des CCC auf Kosten der Bank ansteuern konnten.

„Wir haben das Ding also bei Steffen in der Hütte gestartet, ich bin dann nach Hause“, erinnerte sich Holland in einem Interview mit der Zeitschrift „c't“ im Jahr 1999. „Steffen hat dort geschlafen, und ich weiß, Steffen hat wunderbar geschlafen, weil das Relais immer „Klack-Klack, Klack-Klack“ machte, und er wusste: zweimal Klack-Klack heißt 9 Mark 97.“ In der Nacht machte es 13.510 Mal „Klack-klack“.

Zwei Tage nach dem Angriff auf das Haspa-Konto griff das „heute journal“ des ZDF den Coup auf. „Einbrecher müssen heute nicht mehr mit Schneidbrenner und Stemmeisen arbeiten. Sie haben es leichter, wenn sie ihren Heim-Computer benutzen“, berichtete ZDF-Moderator Hans Scheicher dem staunenden Publikum. Hackern sei es gelungen, die Hamburger Bank via Btx um rund 135.000 Mark zu erleichtern. Der Club verzichtete dann generös auf das Inkasso.

Die Meldung wurde schnell als virtueller Bank-Einbruch interpretiert, obwohl es eigentlich keiner war. Holland und Wernéry hatten ja kein Online-Banking-System gehackt. Ihnen war es lediglich gelungen, mit den Btx-Zugangsdaten der Haspa ihr eigenes bezahlpflichtiges Angebot eine Nacht lang häufig hintereinander abzurufen. Doch solche Zwischentöne spielten damals kaum eine Rolle.

„1984 war das Orwell-Jahr“, erinnert sich Wernéry im Gespräch an die Umstände. George Orwell hatte in seinem Roman einen totalitäreren Überwachungsstaat im Jahre 1984 beschrieben, in dem der Held vergeblich um den Schutz seiner Privatsphäre kämpft.

„Alle haben Ende 1984 darauf gewartet, dass noch etwas passiert“, sagt Wernéry. „Und viele Menschen haben dann ganz unterschiedliche Sachen auf uns projiziert: die Angst vor der Technik, die Sehnsucht nach der Rettung vor dem Big Brother.“

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