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08.06.2014

13:42 Uhr

30 Jahre Tetris

Wirtschaftskrimi um einen Spieleklassiker

Der Spieleklassiker Tetris wird 30 – entwickelt von einem Moskauer Programmierer, der daran zunächst nichts verdiente. Das ist nur ein Aspekt des Krimis um ein Spiel, das sogar der Eiserne Vorhang nicht aufhalten konnte.

Alexei Paschitnow, Erfinder des Computerspiels Tetris. Erst spät profitierte der Moskauer vom finanziellen Erfolg seiner Entwicklung. dpa

Alexei Paschitnow, Erfinder des Computerspiels Tetris. Erst spät profitierte der Moskauer vom finanziellen Erfolg seiner Entwicklung.

BerlinDie Sowjetunion mit ihrer Planwirtschaft war nicht gerade der Ort, den man als Geburtsstätte eines der erfolgreichsten Computerspiele der Geschichte erwarten würde. Doch es war der Moskauer Programmierer Alexej Paschitnow, der vor 30 Jahren mit Tetris das klassische Pentomino-Puzzle mit von oben herabfallenden Blöcken auf einem Computer-Bildschirm zum Leben erweckte.

Es dauerte lange, bis er mit seiner Idee Geld machen durfte. Andere verdienten in der Zwischenzeit Hunderte Millionen Dollar daran. Auch nach 30 Jahren hält sich Tetris aber gut im Geschäft – trotz der Konkurrenz ausgeklügelter Smartphone-Games.

Paschitnow hatte Anfang der 80er Jahre eine Vision, aber nur den schwachbrüstigen Sowjet-Computer „Elektronika 60“ ohne moderne Grafik. Deshalb markierten in seiner ersten Tetris-Version von 1984 Klammern die Umrisse der Tetris-Blöcke. Paschitnow reduzierte die Figuren von fünf auf vier Quadrate, dadurch wurden insgesamt sieben verschiedene Formen möglich.

Das fesselnde Spiel breitete sich schnell in Moskauer Computer-Kreisen aus. Paschitnow war damals 28 Jahre alt. Er hatte keine Ahnung, was für ein Wirtschaftskrimi sich um seine Erfindung entfesseln sollte.

Über Ungarn gelangte das Spiel in den Westen. Mirrorsoft, eine Firma des britischen Medienmoguls Robert Maxwell, sicherte sich über einen Mittelsmann die Computerrechte. Im Westen wäre Paschitnow als Entwickler eines Spielehits schlagartig zum Millionär geworden. In der Sowjetunion ging das ganze Geld an den Staat – und selbst die Rechteverhandlungen führte nicht er, sondern eine Außenhandelsfirma mit dem unaussprechlichen Namen Elektronorgtechnika, kurz Elorg.

Die Moskauer Bürokraten hatten zunächst wenig Durchblick und ließen sich einiges Geld entgehen: In Europa und Asien wurden Sublizenzen zum Teil ohne ihr Wissen verkauft. Dann kam der Spiele-Riese Nintendo ins Spiel.

Als Nintendo-Manager Minoru Arakawa Tetris sah, wusste er: Das ist genau das Spiel, das er für den 1989 anstehenden Marktstart der mobilen Spielekonsole Game Boy brauchte. Er machte dem Unternehmer Henk Rogers ein verlockendes Angebot: Wenn dieser von den Sowjets die Tetris-Rechte für mobile Geräte bekommt, würde Nintendo bei ihm eine Lizenz erwerben.

Schon dieser Deal machte Rogers reich: Er erhielt einen Dollar pro verkauftes Spiel, schrieb US-Autor David Sheff in seinem Buch „Game Over“. Und allein die Game-Boy-Version wurde Nintendo 35 Millionen Mal los.

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