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28.02.2013

10:00 Uhr

3D-Druck

Die Revolution wird abgeblasen

VonChristof Kerkmann

Mit 3D-Druckern kann jeder Laie Dinge entwerfen und herstellen – auch ohne eine Fabrik. So mancher erwartet eine neue industrielle Revolution. Wären da nicht die schnöden Beschränkungen! Etwa die Gesetze der Physik.

Ein Besuch im 3D-Labor zeigt die Faszination der Technologie – aber auch, dass die Revolution noch warten muss. dpa

Ein Besuch im 3D-Labor zeigt die Faszination der Technologie – aber auch, dass die Revolution noch warten muss.

BerlinDie Revolution sagt Hartmut Schwandt mit einem Lächeln ab. „Das Wort würde ich streichen.“ Evolution – schon eher. Dabei halten viele das, was der Mathematik-Professor tut, für umwälzend. Er leitet das 3D-Labor an der Technischen Universität (TU) Berlin. In dessen Räumen, versteckt gelegen am Ende eines dunklen Flurs, brummen und zischen mehrere schrankgroße 3D-Drucker vor sich hin. Die Geräte lassen digitale Konstruktionen Wirklichkeit werden. Schicht für Schicht, in Kunststoff oder Gips.

Einige Trendforscher und Enthusiasten (nicht immer lässt sich das sauber trennen) sehen darin die Zukunft der Produktion. Jeder einzelne könne nun Dinge entwerfen, produzieren und verkaufen – auch ohne Eigenkapital und Fabrik, schreibt beispielsweise der prominente amerikanische Journalist und Bestseller-Autor Chris Anderson in seinem jüngsten Buch „Makers“. Die Technologie sei noch in den Anfängen, stelle aber das vorherrschende Industriemodell in Frage: „Wir stehen an der Schwelle einer neuen industriellen Revolution“, deklariert er mit kalifornischem Enthusiasmus.

Die Werkzeuge der 3D-Drucker

3D-Drucker

Ein 3D-Drucker wandelt am Computer entworfene Konstruktionen in reale Objekte um. Dabei trägt er Schicht für Schicht ein Material auf – entweder indem er heißen Kunststoff durch eine Düse presst, mit einem Laser ein Metallpulver an den entsprechenden Stellen schmelzen lässt oder Kunstharz mit UV-Licht aushärtet. Weil das Material Schritt für Schritt hinzugefügt wird, ist von einem additiven Verfahren die Rede.

CNC-Fräse

Auch eine CNC-Fräse erstellt aus einer digitalen Konstruktionszeichnung ein Objekt. Mit einem Bohrkopf bearbeitet sie einen Block aus Holz, Kunststoff oder Metall, bis die gewünschte Form übrig bleibt. Experten bezeichnen das auch als subtraktives Verfahren.

3D-Scanner

Wer ein Objekt nicht selbst konstruieren will, kann sich mit einem 3D-Scanner behelfen. Dieser tastet mit einem Laser oder einer Kamera Gegenstände ab und wandelt sie in ein 3D-Bild um.

Lasercutter

Ein Lasercutter schneidet Muster in verschiedene Materialien – von Holz bis Metall. Um daraus dreidimensionale Objekte zu erstellen, müssen Bastler mehrere dieser Platten übereinander kleben.

Computer

Wie beim 2D-Druck ist der Computer die Steuerungszentrale: Nutzer können am Bildschirm mit CAD-Software Konstruktionen entwerfen. Auch wenn sie Objekte mit einem 3D-Scanner erfassen, geht es nicht ohne die maschinellen Berechnungen.

Über solche Thesen schüttelt Schwandt jedoch mit wissenschaftlicher Skepsis den Kopf. Nicht aus falscher Bescheidenheit – sein zehnköpfiges Team ist bei Wissenschaftlern und Medien sehr gefragt. Aber: „Wir sind meilenweit davon entfernt, mit beliebigen Materialien beliebige Dinge zu drucken“, sagt er. Ein Besuch im 3D-Labor zeigt die Faszination der Technologie – aber auch, dass die Revolution noch warten muss.

Der 3D-Druck hat eine beachtliche Karriere hingelegt. Die Industrie setzt das Verfahren schon seit den 80er Jahren ein. Autobauer beispielsweise können ihre am Computer entworfenen Prototypen auf Knopfdruck produzieren lassen, ohne teure Werkzeuge herstellen zu müssen – hier ist vom Rapid Prototyping die Rede. Auch Schuhdesigner und Architekten fabrizieren so Modelle.

Doch die Möglichkeiten gehen weit über den Modellbau hinaus. Ingenieure können seltene Ersatzteile für das Fließband nachbauen, technisch hochgerüstete Zahnärzte den Patienten eine passende Fülling drucken und sogleich einsetzen. Und die Berliner Forscher kopierten mit Computertomograph und Druckmaschine eine entstellte Statue des altägyptischen Königs Echnaton, so dass die Restauratoren mithilfe des Gips-Imitats Ersatzteile für das empfindliche Original formen konnten.

Und jetzt ziehen die Maschinen auch in die Garagen und Bastelkeller ein.

Kommentare (21)

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Gast

28.02.2013, 10:08 Uhr

Es wäre ein Unding eine solche Erfindung für das Wohl der Menschheit einzusetzen.

Maeusemelker

28.02.2013, 10:30 Uhr

Das sollte man dem Mr. DAX, Dirki Müller, zu lesen geben, der derzeit die Technik und Aktie von 3D Systems so hochlobt.

UniversalAesthet

28.02.2013, 10:32 Uhr

Da hat der Professor völlig Recht, die 3D-Druckertechnologie wurde vorrangig dafür entwickelt, um komplizierte Entwürfe auf ihre Tauglichkeit zu überprüfen.
Diese „Trendforscher“, wie dieser Anderson haben von dieser Materie keine Ahnung, aber leider viel davon...

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