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09.07.2012

11:43 Uhr

50 Jahre TV-Satellit

Eintrittskarte ins globale Dorf

Vor 50 Jahren übertrug der Satellit „Telstar 1“ die ersten Live-Fernsehbilder zwischen den USA und Europa – der holprige Beginn eines neuen Kommunikations-Zeitalters: Die Welt rückte auf der Mattscheibe zusammen.

Futuristischer Wasserball: US-Amerikanische Ingenieure bereiten den Kommunikationssatelliten Telstar für den Start ins All vor. dpa

Futuristischer Wasserball: US-Amerikanische Ingenieure bereiten den Kommunikationssatelliten Telstar für den Start ins All vor.

BerlinEr sah aus wie ein übergroßer Wasserball, der mit seltsamen Antennen gespickt um die Erde eierte. „Faszinierend“, hätte Mr. Spock im Science-Fiction-Streifen „Raumschiff Enterprise“ dazu sagen können: „Der erste Kommunikationssatellit!“

Nicht minder spektakulär erscheint die weiße Kugel mit Namen „Telstar 1“ mit Blick in die Vergangenheit. Vor 50 Jahren, am 10. Juli 1962, ins All geschossen, war der Satellit so etwas wie die Eintrittskarte ins globale Dorf. Erstmals übertrug er Fernsehbilder live zwischen Amerika und Europa. Die Welt rückte auf der Mattscheibe zusammen. Die Menschheit begann, am Glück oder Unglück in fernen Erdteilen teilzunehmen - in bewegten Bildern und in Echtzeit.

Auf „Raumpatrouille“ mit dem Raumschiff Orion, spitze Ohren bei „Raumschiff Enterprise“ oder futuristische Kugelsessel in schreiendem Orange - die 60er Jahre waren beseelt vom Griff nach den Sternen. Den Anfang machten 1957 die Russen mit dem Start ihres Satelliten „Sputnik“, 1961 umrundete Juri Gagarin als erster Kosmonaut die Erde. 1969 landeten die Amerikaner auf dem Mond.

In diesem Wettlauf hatte „Telstar 1“ geradezu geerdete Ziele: 77 Kilo schwer und mit 3600 Solarzellen ausgestattet, sollte er in rund 8000 Kilometern Höhe das Telefonieren zwischen neuer und alter Welt einfacher machen und Alternativen zu den zunehmend überlasteten Überseekabeln bieten.

Dazu galt es, Fernsehfunk-Signale aufzufangen, zu verstärken und zum jeweils anderen Kontinent wieder abzustrahlen. Denn TV-Signale waren zu schwach, um die weite Strecke über den Atlantik zu schaffen. Sie schafften es zu dieser Zeit kaum von einer Seite Amerikas auf die andere, erläutert Harald Wenzel, Mediensoziologe an der Freien Universität Berlin.

Über die raffinierte technische Komponente des Telstar-Experiments, Gemeinschaftsprojekt des US-amerikanischen Telekommunikations-Unternehmens AT&T und der Nasa, gibt es dicke Abhandlungen. Die Menschen vor den Fernsehern interessierten vor allem die bewegten Live-Bilder. Aus den USA war bei den ersten Tests eine wehende US-Flagge zu sehen. Die erste Empfangsstation in Frankreich revanchierte sich mit „Paris bei Nacht“ und „La Chansonnette“, gesungen von Yves Montand. Das Ereignis wurde in Kneipen und Wohnzimmern gefeiert wie ein Fest. US-Präsident John F. Kennedy, der das neue Medium Fernsehen zu nutzen wusste, sprach von der „Vision eines neuen Zeitalters weltweiter Kommunikation“.

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