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24.03.2014

14:44 Uhr

50 Millionen Euro investiert

Ströer übernimmt WhatsApp-Alternative Hoccer

VonChristof Kerkmann

ExklusivEs ist ein großer Deal für die deutsche Internet-Szene: Der Medienunternehmer Dirk Ströer investiert 50 Millionen Euro in die WhatsApp-Alternative Hoccer. Er will mit Datenschutz punkten – gerade bei Geschäftskunden.

Chatten ohne Mitleser: Die Smartphone-App Hoccer verschlüsselt die Kommunikation. Dieses Konzept überzeugt den Investor Dirk Ströer. ap

Chatten ohne Mitleser: Die Smartphone-App Hoccer verschlüsselt die Kommunikation. Dieses Konzept überzeugt den Investor Dirk Ströer.

DüsseldorfDer Medienunternehmer Dirk Ströer investiert in den boomenden Markt für Chat-Anwendungen: Er sichert sich die Mehrheit am Berliner Start-up Hoccer, das eine WhatsApp-Alternative entwickelt. Für 51 Prozent der Anteile zahlt seine Investmentfirma Media Ventures GmbH 50 Millionen Euro und taxiert das fünf Jahre alte Unternehmen somit auf 100 Millionen Euro. Allerdings zahlt Ströer nur einen Teil in bar, den Rest erhält Hoccer in Form von Werbung. Details teilten die Unternehmen am Montag nicht mit, das Geld soll aber vollständig in das Start-up fließen.

Die heißen Smartphone-Dienste

Snapchat

Mit der Snapchat-App können Nutzer Textnachrichten, Fotos und Videos verschicken, die sich nach einem kurzen Zeitraum selbst löschen. Gerade unter Jugendlichen ist die Anwendung beliebt – vermutlich nicht selten für Anzüglichkeiten. Die Gründer lehnten mehrere milliardenschwere Übernahmeangebote ab, auch Facebook ließen sie abblitzen.

Instagram

Ein Produkt des Smartphone-Zeitalters ist der Foto-Dienst Instagram: Er war von vornherein nur für mobile Geräte ausgelegt. Nutzer können Fotos und Videos aufnehmen, mit Filtern aufpeppen und hochladen. Das Prinzip von Instagram erinnert an Twitter, nur dass es hier ausschließlich um Bilder geht. Facebook übernahm den Dienst 2012 für umgerechnet eine Milliarde Dollar.

Pinterest

Beim Fotodienst Pinterest sammeln die Nutzer Bilder von verschiedenen Websites in digitalen Notizbüchern – meistens mit dem Smartphone. Die Entwicklung von Pinterest wird von Urheberrechtssorgen begleitet: Die öffentlichen Sammlungen könnten nach Ansicht einiger Experten als Urheberrechtsverletzung ausgelegt werden. Das Unternehmen hat inzwischen eine Milliardenbewertung.

Whatsapp

In immer mehr Ländern wird Whatsapp zum SMS-Ersatz. Der Dienst erlaubt es, Kurznachrichten, Bilder und Videos über Internet zu verschicken. Die App läuft auf sämtlichen Betriebssystemen. Trotz etlicher Sicherheitspannen gehört Whatsapp zu den beliebtesten Smartphone-Anwendungen, sie hat nach Unternehmensangaben 500 Millionen Nutzer. Facebook hat das Start-up für 22 Milliarden Dollar übernommen.

Line

Ähnliche wie Whatsapp funktioniert Line, eine App mit asiatischem Ursprung. Sie bietet Instant Messaging für Smartphone und PC. Nutzer können nicht nur Textnachrichten, Fotos und Videos tauschen, sondern auch Telefonate führen. Eine Besonderheit sind virtuelle Sticker, die man in einem Shop kaufen kann.

Vine

Mit dem Dienst Vine können Nutzer bei Twitter sechs Sekunden kurze Videoschnappschüsse hochladen, die in einer Endlosschleife laufen. Der Zwitscherdienst übernahm das Start-up nur wenige Monate nach dessen Gründung im Sommer 2012. Vine hat nach Angaben vom Sommer 40 Millionen Nutzer.

Periscope

Videoübertragungen in Echtzeit ermöglicht der Dienst Periscope, der zu Twitter gehört. Die Bedienung ist bewusst einfach gehalten: App öffnen, „Broadcast“ klicken – schon beginnt der Live-Stream. Ein konkurrierendes Angebot ist Meerkat.

Tumblr

Twitter ist kurzatmige Internet-Kommunikation, Blogs lassen sich mehr Zeit. Irgendwo dazwischen befindet sich Tumblr, ein 2007 gegründeter Web-Dienst für das unkomplizierte Veröffentlichen im Netz. Ähnlich wie bei Twitter kann man bei Tumblr anderen Nutzern folgen und sieht dann deren Beiträge im sogenannten Dashboard, einer Übersichtsseite. 2013 übernahm Yahoo das Start-up für 1,1 Milliarden Dollar.

Das Chat-Programm Hoccer XO sei eine „sichere Alternative“ zu WhatsApp, weil sie Anonymität und uneingeschränkte Privatsphäre garantiere, erklärte Ströer im Gespräch mit Handelsblatt Online. „Ein deutsches Unternehmen mit Servern in Deutschland bietet größeres Vertrauen. Gerade der deutsche Nutzer wird sich für die sichere Variante entscheiden.“ Die App ist für Privatanwender kostenlos und werbefrei, das Unternehmen will sich über Firmenkunden finanzieren. Derzeit sei man in Gesprächen mit mehreren Konzernen, sagte Ströer.

Das 15-köpfige Start-up, geleitet von Jérôme Glozbach de Cabarrus, profitiert vom Boom der Nachrichten-Apps. Die SMS-Alternativen gewinnen weltweit Millionen von Nutzern hinzu und sind ins Visier größerer Unternehmen gerückt. Das Soziale Netzwerk Facebook will WhatsApp für 19 Milliarden Dollar übernehmen, nachdem es sich im November bei Snapchat eine Absage eingeholt hatte. Der japanische Online-Händler Rakuten kaufte Viber für 900 Millionen Dollar, die App Tango sicherte sich 280 Millionen Dollar von verschiedenen Investoren unter der Führung des chinesischen Internet-Konzerns Alibaba. Auch Apps wie Threema und Telegram, die mehr Datenschutz versprechen, boomen.

Hoccer gehört in diesem Markt zu den kleinen Anbietern. Die beiden Apps Hoccer XO und Hoccer Classic sind nach Angaben des Unternehmens bis Februar mehr als 2,5 Millionen Mal heruntergeladen worden. Wie viele Menschen sie auch regelmäßig verwenden, schlüsselt das Start-up nicht auf. Zum Vergleich: WhatsApp hat nach jüngsten Angaben allein in Deutschland 31 Millionen monatliche Nutzer, weltweit 480 Millionen.

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