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23.02.2012

12:00 Uhr

Ärgerliche Neuerungen

Wie ich Google zu hassen begann

VonStephan Dörner

Google, das stand einmal für die Eleganz, Überflüssiges wegzulassen und stets das beste Ergebnis zu liefern. In kleinen Schritten droht dieses Kapital verloren zu gehen. Warum ich immer häufiger über Google fluche.

Mann vor einem Google-Logo. Viele der Neuerungen des Web-Riesen nerven unseren Autoren Stephan Dörner. dpa

Mann vor einem Google-Logo. Viele der Neuerungen des Web-Riesen nerven unseren Autoren Stephan Dörner.

DüsseldorfGoogle, das war einst die Revolution des Suchens im Internet. Schon um das Jahr 2000 herum, als der Name Google den allermeisten Deutschen noch völlig unbekannt war, habe ich auf die Suchmaschine geschworen.

Ich mochte Google. Sehr sogar. Es war die erste Suchmaschine, die wirklich als solche taugte. Später bot Google auch das erste Webmail-Angebot, das mich auf mein E-Mail-Programm verzichten ließ und den ersten Online-Kalender, den ich wirklich nutzte – bis heute.

Neben dem damals schon allen Konkurrenten überlegenden Suchalgorithmus waren es vor allem Kleinigkeiten, die mich bei Google überzeugten: Statt eines damals üblichen überfrachteten und unübersichtliche Web-Portals bot Google eine einfache Suchmaske und ein Logo – mehr brauchte es nicht.

Was sich bei Google verändert hat

Google+ wird Pflicht

Hinter den Kulissen hat Google unbemerkt den Wachstums-Turbo für sein soziales Netzwerk Google+ eingeschaltet: Durch die Zusammenlegung mehrerer Dienste gibt es nur noch einen Google-Account. Wer sich bei einem Google-Service anmeldet – sei es die Videoplattform Youtube, Google Mail oder Google Text & Tabellen – wird mit den anderen Google-Services ebenfalls zwangsbeglückt. „Ihr Google-Konto umfasst mehr als nur Google Mail“, heißt es beispielsweise bei der Anmeldung zu dem Google-Dienst. Derselbe Text wird auch bei Youtube und anderen Google-Diensten angezeigt.

Einheitlicher Datenschutz

Google ändert seinen Umgang mit Nutzerdaten und will künftig alle Informationen, die man bei verschiedenen Diensten des Konzerns hinterlässt, gesammelt auswerten. Dies werde den Nutzern Vorteile in Form von relevanteren Suchergebnissen und Werbeanzeigen bringen, erklärte der Internet-Konzern.

Für die Änderungen sollen ab Anfang März die Datenschutzbestimmungen vereinfacht und zusammengeführt werden - statt heute 70 einzelner Dokumenten für verschiedene Dienste soll es nur noch eins geben. Die Daten würden nach wie vor nicht nach außen verkauft, betont Google. Die Stiftung Warentest kritisiert die Bestimmungen als zu vage.

Panda-Update für das Ranking

„Panda“ heißt das jüngste und bisher radikalste Update in Googles Ranking-Mechanismus, mit dem der Suchmaschinengigant Suchmaschinen-Manipulatoren den Kampf ansagt. Im Februar 2011 traf es bereits viele englischsprachige Seiten in den USA, kurz darauf folge Großbritannien. Es gilt vor allem sogenannten „Content-Farmen“ - Websites, in der eine Vielzahl freier Mitarbeiter Texte wie am Fließband produzieren, die vor allem darauf abzielen, mittels bestimmter Schlüsselworte bei Google gefunden zu werden. Die Firmen wollen somit einen hohen Anteil an Google-Besuchen erzwingen und mit Online-Werbung Geld verdienen.

Google wird persönlicher

Unter dem Namen „Search, plus Your World“ (Suche - plus Deine Welt) kündigte Google im Januar 2012 an, die Suchergebnisse künftig stärker zu personalisieren.  „Wir verwandeln Google in eine Suchmaschine, die nicht nur Inhalte versteht, sondern auch Menschen und Beziehungen“, so Google. Noch ist es nur in der englischen Suche umgesetzt. Bei der Option der „persönlichen Ergebnisse“ durchstöbert Google beispielsweise Bilder, die beim Online-Netzwerk Google+ oder dem Online-Fotoalbum Picasa hochgeladen wurde. Ein Google-Manager erläuterte die Funktionsweise am Beispiel seines Schnautzer-Hundes Chikoo. Eine normale Suche bei google.com nach dem Begriff „Chikoo“ liefere derzeit vor allem Hinweise auf den Breiapfelbaum, der in Indien und Pakistan Chikoo genannt wird. Künftig könne er aber mit Hilfe der Suchmaschine auch schnell die Bilder aufstöbern, auf denen sein Hund zu sehen sei.

Veränderungen im Kleinen

Google schraubt ständig im Kleinen an den Google-Funktionalitäten herum. So wurde die Video-Suche in der Status-Bar durch eine Suche ersetzt, die nur noch Videos auf Googles eigener Plattform Google findet. Die eigentliche Videosuche lässt sich aber noch über http://www.google.com/videohp aufrufen. Ebenfalls geändert hat sich das Verhalten beim Wechsel von der Websuche auf Google News. Die Eingaben der Websuche gehen dabei verloren. Ebenfalls relativ neu ist die Umwidmung des Suchoperators +. Dieser dient nun dazu Profile aus Googles sozialem Netzwerk Google+ aufzurufen, statt eine wortgetreue Suche zu erzwingen. Diese lässt sich aber noch durchführen, indem das Wort in Anführungszeichen gesetzt wird.

Es sind ebenfalls Kleinigkeiten, die mich Google heute regelmäßig fluchen lassen – aber sie häufen sich. Nach und nach hat der Branchenprimus seinen Dienst mit kleinen Nervigkeiten verschlechtert. Regelmäßig ärgere ich mich zum Beispiel darüber, dass Google seit einiger Zeit sein Gedächtnis verliert, wenn ich von der Websuche auf die Suche von Google News wechsle. Es kommt sehr häufig vor, dass ich einen Begriff zuerst in der allgemeinen Websuche eingebe - und dann noch schnell überprüfen möchte, ob es auch aktuelle Nachrichten zum Thema gibt.

Ein weiteres Beispiel: Die Videosuche der Statusleiste auf der Google-Homepage wurde durch den Suchreiter „Youtube“ ersetzt. Wie leidgeplagte deutsche Youtube-Nutzer wissen, ist Googles Branchenprimus unter den Videoportalen für Musikvideos aber unbrauchbar, weil sich Google und die Gema nicht auf Lizenzbedingungen einigen können. Da ich Video-Portale vor allem zum Suchen von Musik nutze, sah meine Standard-Abfrage bei der Videosuche bislang meist so aus: „Songtitel –youtube.com“. Damit habe ich alle die Youtube-Videos, die dann aufgrund der Gema-Sperre sowieso nicht funktionieren, von vorne herein aussortiert. Nun muss ich umständlich http://video.google.com aufrufen, um meine alte Videosuche zu erhalten.

Kommentare (23)

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RalphFischer

23.02.2012, 13:08 Uhr

Was mich massiv stört ist, das die "erweiterte" Suchmaske immer besser versteckt wird.

Früher war die direkt unter dem Eingabefeld, wenn man was genaues suchen wollte (mit genau diesen Worten) oder ab einem bestimmten Datum, reichte ein Klick.

Jetzt sucht man erstmal 5 Minuten diese blöde Maske.

augenblickmal

23.02.2012, 13:11 Uhr

Ich habe mir die neuen "Datenschutzbestimmungen" von Google (ab 1.3.2012 gültig) mal im Detail durchgelesen. Mit ein wenig Interpretation und Phantasy kommt ein erschreckendes Bild zutage: "1984" im Quadrat und schlimmer. Das wird Bigbrother in Reinform.

Account gelöscht!

23.02.2012, 14:11 Uhr

Viel weiter als bis zum auftauchen des Wortes "Mac" muss man den Artikel wohl nicht lesen. Hier scheint mal wieder ein Mac-Liebhaber etwas für seine geliebte Marke tun zu müssen. Wie sonst ließe sich dieser Artikel, bei dem es sich eigentlich um eine Supportanfrage bei Google handelt, verstehen.
Gibt es beim Handelsblatt keine Qualitätskontrolle die solche Irrläufer findet und garnicht erst durchlässt???

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