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21.08.2011

09:20 Uhr

Algorithmen

Die Polizei als Hellseher

VonPatrick Beuth
Quelle:Zeit Online

In Kalifornien berechnet die Polizei voraus, wo Verbrechen geschehen werden und wartet dort auf Kriminelle. In Deutschland wäre das verfassungsrechtlich bedenklich.

Polizist in Los Angeles. In Kalifornien nutzt die Polizei Algorithmen um Ort und Zeit von Verbrechen vorauszuberechnen. ap

Polizist in Los Angeles. In Kalifornien nutzt die Polizei Algorithmen um Ort und Zeit von Verbrechen vorauszuberechnen.

HamburgAls die Frau mit den Drogen durch die Tiefgarage im kalifornischen Santa Cruz lief und immer wieder Blicke in die geparkten Autos warf, wartete die Polizei schon auf sie. Die Beamten wussten, dass sie kommen würde. Sie hatten es berechnet. Genauer gesagt: Sie hatten berechnet, dass irgendjemand kommen würde, den sie würden festnehmen können.

Predictive Policing ist der Versuch, mithilfe von Statistik herauszufinden, wann und wo ein Verbrechen stattfinden wird, um vorher dort zu sein und es verhindern zu können. Steven Spielberg hat zu dem Thema vor fast zehn Jahren mal einen Film gedreht, der damals sehr futuristisch wirkte. Doch das Verfahren ist längst Realität und Menschen mit hellseherischen Fähigkeiten benötigt es auch nicht.

Bereits Anfang 2010 hat das Los Angeles Police Department (LAPD) mithilfe der Universität von Kalifornien einen Modellversuch zur Verbrechensvorhersage gestartet. In Santa Cruz wird seit einigen Wochen eine weiterentwickelte Version des Programms getestet – und hat laut New York Times seitdem zu fünf Festnahmen und mehreren verhinderten Verbrechen geführt.

Das statistische Modell wurde eigentlich entwickelt, um vorhersagen zu können, wo es nach einem Erdbeben zu Nachbeben kommen wird. Die Polizei bestückt das Programm nun täglich mit Statistiken über Verbrechen und Verbrecher. Die Software sucht anschließend darin nach Mustern, die immer wieder auftreten. Der hohe Aktualisierungsgrad macht die Vorhersagen über Zeitpunkt und Tatort kommender krimineller Akte sehr viel zuverlässiger als früher.

Für die Polizei, die mit immer weniger Personal immer mehr leisten soll, ist Predictive Policing – wenn es denn funktioniert – ein Segen. Im besten Fall sorgen die gezielte Überwachung und die verstärkte Präsenz an Brennpunkten nicht nur für mehr Festnahmen, sondern gleich für einen Rückgang der Kriminalitätsrate in bestimmten Gebieten.

Doch hat das System selbstverständlich eine Kehrseite: Wenn auch unschuldige Menschen das Gefühl haben, dass sie sich in einer Umwelt bewegen, in der ihr Verhalten vorausberechnet wird, dann hat dieses Wissen höchstwahrscheinlich Auswirkungen auf ihr Verhalten. Sie werden sich also anders benehmen, als wenn sie unbeobachtet wären – wären also nicht mehr frei in ihrer Entscheidung. In Deutschland zumindest wäre das verfassungsrechtlich bedenklich.

Kommentare (8)

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Pendler

21.08.2011, 09:45 Uhr

Nettaber was macht man nicht alles, um das Sommerloch aus zu füllen.

Nur ein Narr denkt, dass die Welt aus dem besteht, was man sieht. Aber die dt. Polizei muss noch viel lernen, sehr viel. Die agieren noch imemr so, wie zu Zeiten, als sich die Bevölkerung friedlich verhalten hat. Aber überall wo es Migranten gibt, versagen die bisherigen Mittel der Ordnungshüter.

NYC war zu Zeiten meiner Eltern noch ein Platz, wo man seines Lebens niocht sicher war. Heute iste s ein Ort, wo Ruhe und Disziplin vorherrscht. Und wehe dem, der meint, er kann sich daneben benehmen. Er wandert max in 4-6 h rechtgültig und sauber verurteilt im Knast.




Account gelöscht!

21.08.2011, 10:48 Uhr

Ach, so ein Blödsinn. "Minority Report" und Precogs?? Da verkauft jemand dem dummen Volk rückblickende Statistik als Vorhersage und die Presse plappert brav nach.

Das können wir hierzulande ganz ohne Computer: Ich schmeiße mal eben meine Glaskugel an und sage - aufgrund höchstkomplizierte Berechnungen (für die ich jetzt gleich auch mehr Budget beantrage) voraus, dass im Gedränge der Urlauber auf dem Flughafen oder beim nächsten Weihnachstmarkt mehr Taschendiebstähle - und im kommenden Oktoberfest auch mehr alkoholbezogense Straftaten/Verkehrsordnungswidrigkeiten geschehen werden.

Die Bereitstellung von entsprechenden Einsatzkräften und Verkehrskontrollen hat hierzulande noch keine Verfassungsbedenken ausgelöst.

Wirkt aber nur halb so aufregend im Sommerloch



Alternativlos

21.08.2011, 11:17 Uhr

Klar in Deutschland wird alles anders gesehen. Insbesondere dann, wenn es um den Schutz von Verbrechern geht. Wenn es um den Schutz der Bürger vor Politikerwillkür geht, ist das aber ganz anders. Da wird flugs das Parlament ausgeschaltet und der Steuerzahler von diesen freiheitsliebenden Politikern gnadenlos ausgeplündert. Das heutige Ermächtigungsgesetz heißt "Ethik" und "alternativlos", also braucht man auch nicht abzustimmen. Dann lieber doch Kalifornien.

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