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14.03.2006

12:30 Uhr

Algorithmen unterschiedlich

Routenfinder bleiben auf der Erfolgsspur

VonMichael Gneuss

Mobile Navigationssysteme entwickeln sich zu Kassenschlagern - das geht auch zu Lasten der fest installierten Systeme.

Mobile Navigationslösungen liegen im Trend. Foto: Navigon

Mobile Navigationslösungen liegen im Trend. Foto: Navigon

DÜSSELDORF. Torsten Sander ist Mathematiker im Dienste der Navigation. Wenn er über seine Profession spricht, weist er zunächst auf einen kleinen aber feinen sprachlichen Irrtum hin, dem manch ein Anwender der Systeme aufsitzt. Nicht die schnellste Route berechnen die Prozessoren, sondern eine schnelle. Und alternativ kann der Fahrer sich auch nicht die kürzeste, sondern nur eine kurze Route empfehlen lassen.

Sander weiß natürlich, woran das liegt. Der Dijkastra-Algorithmus, die klassische mathematische Methode, um die optimale Route zu bestimmen, müsste für eine erschöpfende Suche in Europa mehrere Gigabyte digitalisierte Daten berücksichtigen. Doch das ist zuviel für die beschränkten Prozessor- und Speicherkapazitäten der Bordelektronik von Kraftfahrzeugen. Sander hat in einem Forschungsprojekt des Instituts für Mathematik der Technischen Universität Clausthal nach anderen Algorithmen geforscht, mit denen möglichst gute Routenempfehlungen mit beherrschbarem Rechenaufwand ermittelt werden können - im Auftrag der Industrie.

Die Algorithmen für die Routenempfehlungen sind ein Merkmal, mit dem sich die Navigationssysteme im Wettbewerb voneinander unterscheiden. Bei weitem ist das aber nicht der entscheidende Faktor im Konkurrenzkampf der Systeme, findet Ingo Becker, PR-Manager des Software-Entwicklers Navigon. Das Hamburger Unternehmen ist Marktführer bei mobilen Navigationssystemen. Und bei der neuen Version seines Produktes - dem Mobile Navigator 6, der auf der Cebit vorgestellt wird - wurde vor allem an weiteren Verbesserungen der Bedienbarkeit gearbeitet. "Das ist das wichtigste für den Verbraucher", sagt Becker. Zwar arbeiten die 100 Navigon-Entwickler auch am Algorithmus für die Routenempfehlungen, aber das spiele bei den Nutzern nur eine untergeordnete Rolle.

Das Geschäft verlief für Navigon prächtig im vergangenen Jahr: Geschätzte 6,8 Millionen Einheiten der Navigationssoftware seien verkauft worden. In 2004 waren es 2,7 Millionen und in 2003 nur 660 000 Stück. 43,5 Prozent beträgt der Marktanteil in Deutschland. Tomtom folgt mit 16 Prozent auf Platz zwei.

In kurzer Zeit haben sich die mobilen Navigationssysteme zum Massenmarkt entwickelt. Schon heute wird jedes vierte Neufahrzeug mit einem Navigationssystem ausgeliefert. Nach Schätzungen der Telematics Research Group (TRG) Europe wird das starke Wachstum weitergehen. Bis 2011 erwarten die Analysten ein Plus von 767 Prozent auf dem deutschen Markt für mobile Lösungen. Die fest installierten Systeme werden nur um 255 Prozent zulegen.

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