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22.08.2011

11:37 Uhr

Alternative zum Euro

Griechen führen den „Obolus“ ein

VonStephan Dörner

Erst haben sie ihn weich geklopft, jetzt umgehen sie ihn: In einer griechischen Web-Tauschbörse wird bereits eine Alternative zum Euro getestet.

Wut in Griechenland auf Politik und Banken. Schon mehr als 5000 Griechen haben sich der Alternativwährung "Neuer Obolus" angeschlossen. dpa

Wut in Griechenland auf Politik und Banken. Schon mehr als 5000 Griechen haben sich der Alternativwährung "Neuer Obolus" angeschlossen.

DüsseldorfAngesichts der Schuldenkrise leidet das Vertrauen in den Euro – aber auch in andere Papiergeldwährungen. Das zeigt sich zum Beispiel an immer neuen Höchstständen beim Gold. Doch die Flucht ins Gold ist nicht alternativlos. Virtuelle Währungen im Web sind angetreten, Geld wieder an reale Werte zu binden oder das Geldwachstum zu begrenzen.

Insbesondere im krisengeschüttelten Griechenland hat das Vertrauen in Politik und Wirtschaft gelitten. Viele Menschen suchen nach Alternativen zu den klassischen Wirtschaftskreisläufen. Das Internet ermöglicht dabei jenen, die das Vertrauen in klassische Währungen und Wirtschaftskreisläufe verloren haben, zu einer Form der naturalistischen Tauschwirtschaft zurückzukehren.

Als „soziale Währung“ und die „griechische Antwort auf die Finanzkrise“ bezeichnen die Aktivisten der griechischen Website Ovolos.gr ihren Ansatz einer virtuellen Währung. Schon mehr als 5000 Griechen sind nach Angaben des ZDF-Blogs Hyperland dem Verein beigetreten. Dabei wurde die Web-Plattform erst 2010 in Reaktion auf die Finanzkrise gegründet. Jedes Neu-Mitglied erhält zur Eröffnung seines Kontos 100 "Neue Obolus", wie der Verein seine virtuelle Währung genannt hat. Weitere virtuelle Münzen werden durch das Anbieten eigener Waren und Dienstleistungen auf der Online-Plattform erworben.

Den Wert erhält die Alternativ-Währung direkt durch die Waren und Dienstleistungen, die die Mitglieder des Netzwerks online dafür zur Verfügung stellen. Das soll den Wert des neuen Obolus stabil halten. Auch die virtuelle Währung TEM verfolgt einen ähnlichen Ansatz, ist dabei aber auf die griechische Region Magnisia beschränkt.

Tausch-Partys

Nicht alle, die herkömmliche Wirtschaftskreisläufe umgehen wollen, gehen den den Umweg über Alternativwährungen. Auf „Swap not Shop“-Partys bringen die Gäste Kleidungsstücke mit, die sie selbst nicht mehr benötigen. Die gleichnamige Facebook-Gruppe hat schon über 3.000 Mitglieder. Neben Trinken und Feiern gehört hierbei die Anprobe zur Party.

Den Anspruch, eine globale Alternativwährung zu schaffen, haben die Aktivisten, die hinter der virtuellen Währung Bitcoin stehen. Statt einer Zentralbank wird neues Geld dabei – der Hacker-Ideologie folgend – dezentral durch die Berechnung von Kryptoschlüsseln geschaffen. Das Geldmengenwachstum soll so begrenzt werden und kann nicht wie bei klassischen Papiergeldwährungen von der Notenbank beliebig ausgeweitet werden. Anders als Alternativwährungen wie der Ovolus sind die Bitcoin großen Wertschwankungen ausgesetzt, da sie auf Online-Handelsplattformen frei gegen etablierte Währungen wie Dollar und Euro gehandelt werden.

Die Währung entzieht sich der Kontrolle von Banken und Staaten – mit allen Konsequenzen. Wie bei Bargeld können die virtuellen Münzen keinem Nutzer namentlich zugeordnet werden. Geld kann jederzeit von einem Konto auf ein anderes transferiert werden – ganz so wie von einer Geldbörse in die andere.

Kommentare (27)

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Wer_im_Glashaus_sitzt

22.08.2011, 12:02 Uhr

Warum haben die Griechen den Euro weichgeklopft und nicht auch die Iren, Portugiesen, Spanier, Franzosen, Belgier etc. Die Griechen sind nur das erste weil schwächste Glied in der Kette, wo also die Sollbruchstelle eingetreten ist. Und beschissen haben m.E. alle anderen Länder durch zweifelhafte Einmaleffekte beim Beitritt auch. Im Übrigen war der Euro von Anfang an ein Experiment (so Ihr Landsmann Herr Issing in einer Diskussionsrunde im BR, der für Deutschland die Beitrittsverhandlungen maßgeblich geführt hat). Vielen Dank den Herrn Issing, Kohl und Waigel für dieses Experiment.

Pendler

22.08.2011, 12:04 Uhr

interessant
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soviel dazu, das wir dt. Steuerzahler uns solidarisch mit den Hellenen verhalten sollen. wie man sieht, die Hellenen verraten alles, Hauptsache, sie können ihr Dolce-Viata Verhalten beibehalten.

Offensiochtlich wissen die Griechen, dass der € kollabieren wird.

Und wann führen die dt. Greisen-Politiker endlich die Währung unserer Eltern, die stablie D-Mark wieder ein ?

Account gelöscht!

22.08.2011, 12:19 Uhr

Virtuelle Währungen werden, sofern sie keinen inneren Wert besitzen, irgendwann kollabieren. Und zwar dann wenn es möglich wird Kredite auf deren Basis aufzunehmen oder in irgendeiner Form virtuelle Währungseinheiten zu leihen.

Eine Währung ist nämlich erst dann eine Währung wenn man auf ihrer Basis auch Kredite bekommt. Dies würde aber eine massive short Spekulation in Gang setzen die den Wert der Währung auf ihren inneren Wert drückt.

Die Zukunft dürfte daher eher den gedeckten virtuellen Währungen gehören.

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