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08.03.2017

06:37 Uhr

Amazon-Sprachassistent

Alexa hört immer mit

VonBritta Weddeling

In einem US-Mordfall versuchen die Ermittler, einen Verdächtigen zu überführen – mit Daten seiner smarten Assistentin Alexa. Die Amazon-Technologie speichert längst mehr als vielen Nutzern klar sein dürfte.

Über das System lassen sich auch vernetzte Geräte in einem Smart Home per Stimme steuern. Reuters, Sascha Rheker

Amazon-Lautsprecher

Über das System lassen sich auch vernetzte Geräte in einem Smart Home per Stimme steuern.

San FranciscoDigitale Sprachassistenten wie Amazon Echo oder Google Home registrieren mehr von ihrer Umwelt als mancher Nutzer vielleicht vermuten würde. Damit die intelligenten Lautsprecher jederzeit auf ein Kommando ihres Besitzers reagieren können, müssen sie im Grunde ständig wachsam, also „angeschaltet“ sein – selbst wenn er ihnen dazu nicht den expliziten Weck-Befehl „Okay Google“ oder „Alexa“ gegeben hat.

Der Dauereinsatz der Horch- und Sprachgeräte in Wohnzimmer und Küche führt dazu, dass immer mehr Informationen über den Nutzer digital vorliegen und damit prinzipiell auslesbar sind, sei es nun für Amazon oder Google oder jemand anderen. Das können nun auch die Gesetzeshüter sein.

Sind Gespräche zwischen Alexa und ihrem Besitzer prinzipiell von der Meinungsfreiheit geschützt? Welche Informationen dürfen im Zweifelsfall und unter welchen Umständen an Ermittler ausgehändigt werden? Dieser Frage hat nun in ein aktueller Mordfall im US-Bundesstaat Arkansas aufgeworfen.

Was Alexa antwortet

Intelligente Assistentin

Amazon hat mit Alexa eine künstliche Intelligenz erschaffen, die über den Lautsprecher Echo mit den Nutzern spricht – ähnlich Siri auf dem iPhone. Wie intelligent das System ist, hängt aber von der Programmierung. Ein Überblick zu den aktuellen Möglichkeiten.

Small Talk

Die Entwickler haben Alexa etwas Small Talk beigebracht. Auf „Wie geht es dir?“ antwortet die Assistentin beispielsweise „Alles klar bei mir.“ Auch ein paar Witze beherrscht das System, wenn auch nicht unbedingt gute. Eine Kostprobe: „Was hängt im Urwald an den Bäumen? Urlaub.“

Wissen

Das System greift auf verschiedene Wissensquellen zu. Daher weiß es das Alter von Donald Trump genauso wie den Grund dafür, dass der Himmel blau ist. Allerdings offenbaren sich noch viele Verständnis- oder Wissenslücken, etwa bei der Gründung nach der Bundesrepublik Deutschland.

Berechnungen

Ähnlich wie in der Suchmaschine lassen sich Berechnungen durchführen. „Wie viel ist 27 mal 37“ beantwortet Alexa korrekt (999), ebenso die Umrechnung von Kilometern in Meilen. Mit Währungen kennt sie sich allerdings noch nicht aus, anders als etwas Google.

Musik

Echo kann bestimmte Lieder abspielen, wenn sie denn in der Musiksammlung oder über Amazon Prime verfügbar sind. Mit Kommandos „Alexa, lauter“ oder „Alexa, Pause“ steuert man die Wiedergabe. Auch bei der Entdeckung hilft das System: „Was für Songs gibt es von Mumford & Sons“?

Smart Home

Andere Unternehmen können Alexa für die Steuerung ihrer Smart-Home-Geräte nutzen. Das deutsche Start-up Tado ermöglicht etwa, die Heizungssteuerung über das System anzusprechen. Beispiel: „Stelle die Temperatur im Wohnzimmer auf 21 Grad.“

Verkehr

Das System liest Informationen zur Verkehrslage vor. Der Kooperationspartner Deutsche Bahn ermöglicht es, sich Züge heraussuchen zu lassen, übrigens samt Verspätungen. An fortgeschrittenen Funktionen arbeitet der Konzern noch.

Nachrichten

„Was gibt es Neues?“ – diese Frage veranlasst Alexa, aktuelle Nachrichten von Kooperationspartnern wie „Tagesschau in 100 Sekunden“ vorzulesen. Über den Onlinedienst Toralarm können Fans Sportergebnisse abrufen. Wer nach dem Spielstand beim FCB fragt, bekommt aber das Ergebnis des FC Basel vorgetragen. Ob Alexa eine Schweizerin ist?

Praktischer Helfer

Alexa kann einen Wecker stellen und eine Stoppuhr starten, Einkäufe in eine To-Do-Liste eintragen und Termine in den Kalender schreiben (allerdings derzeit nur bei Gmail). Die Assistentin gibt auch Auskünfte auf Fragen wie: „Was steht morgen in meinem Kalender?“

Einkaufen

Natürlich bietet Amazon eine Möglichkeit an, über Alexa einzukaufen: Nutzer können Produkte dem Einkaufswagen hinzufügen oder gleich bestellen. Wer sie vorher lieber sehen will, bekommt sie in der Begleit-App angezeigt – bei vielen Produkten sinnvoll.

Ermittelnde Behörden hatten Amazon zur Herausgabe der Daten verdonnert, die dem Konzern über die Kommunikation des Angeklagten James Andrew Bates mit dessen Amazon-Echo-System vorliegen. Die Staatsanwaltschaft sieht es als erwiesen an, dass der Mann den Tod seines Freundes Victor Collins verschuldet hat. Das Opfer war im November 2015 in Bates' Whirlpool tot aufgefunden worden.

Bates hat auf „nicht schuldig“ plädiert und erklärt, dass er geschlafen und seinen Bekannten erst am Morgen tot vorgefunden habe. Die Ermittler schöpften jedoch Verdacht, weil sie mutmaßliche Kampfspuren fanden und der vernetzte Wasserzähler den Verbrauch von mehr als 500 Litern Wasser zwischen 1 Uhr und 3 Uhr morgens meldete. Die Polizei vermutete, dass damit möglicherweise Blut weggespült worden sei. Der Gerichtsmediziner kam schließlich zu dem Schluss, der Tote sei erwürgt worden.

Kommentare (6)

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G. Nampf

08.03.2017, 09:32 Uhr

Es ist immer wieder das gleiche:

Zuerst werden uns datensammelnde Gimmicks wie Alexa, selbstfahrende Autos und das "Internet der Dinge" unter dem Aspekt des "modern seins" und der Bequemlichkeit untergejubelt.

Dann werden wir damit eingelullt, daß die Daten zur "Bekämpfung schwerer und schwerster Straftaten an die Behörden herausgegeben werden.

Dann wird der Katalog, was eine "schweren Straftate" ist, immer länger und die Straftaten immer leichter.

Die letzte Stufe ist die anlaßlose permanente Komplettüberwachung aller Bürger.

Account gelöscht!

08.03.2017, 10:24 Uhr

Wer muss da noch auf die NSA schimpfen...wenn die Menschen selbst so dumm sind, sich dieser Abhör- und Informationstechnik freiwillig auszuliefern.

Rainer von Horn

08.03.2017, 10:44 Uhr

@ Herr Hofmann
WLan und Tablet, Smart-TV und Mobiltelefon sollten in die gleiche Kategorie wie Alexa fallen. Wer nicht abseits von jeglicher moderner Technologie in einer Holzhütte in den Bergen lebt, dürfte ein Raub der modernen Datendiebe werden.

Ich bin ob der obigen Nachricht nicht überrascht oder schockiert, es wundert einen gar nichts mehr.

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