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02.05.2011

16:19 Uhr

Amazons Cloud-Ausfall

IT kommt nicht aus der Steckdose

VonStephan Dörner

Was bedeutet der Ausfall bei Amazon für das Thema Cloud Computing? Der Vorfall zeigt vor allem: Die Cloud befreit nicht von der Sorge um die Daten. Ein Kommentar von Handelsblatt-Online-Redakteur Stephan Dörner.

Das bekannte standortbezogene soziale Netzwerk Foursquare war vorübergehend nicht erreichbar, weil Amazons Cloud-Service unter einem massiven Ausfall litt. Quelle: dapd

Das bekannte standortbezogene soziale Netzwerk Foursquare war vorübergehend nicht erreichbar, weil Amazons Cloud-Service unter einem massiven Ausfall litt.

DüsseldorfAmazon erlebte für das Cloud Computing vergangene Woche den Daten-GAU: Tausende Kunden kamen wegen eines Ausfalls nicht an ihre Daten in der Cloud, große und bekannte Websites wie Foursquare und Reddit waren nicht erreichbar. Bis der Störfall endlich komplett überwunden war, dauerte es mehrere Tage.

Amazon teilte seinen Kunden inzwischen mit, die Hardware sei auf eine Art und Weise ausgefallen, dass selbst forensische Methoden die Daten nicht mehr retten können.

Ist das das Ende des Cloud Computings, wie manch ein Medium nun übereifrig vermeldet? Mitnichten. Der Grund, warum der Ausfall der Amazon-Cloud ein derartig großes Medienecho erfahren hat, liegt schlicht in der Tatsache, dass sehr viele große Anbieter inzwischen auf die Cloud setzen. Rechenzentren aber fallen jeden Tag aus – normalerweise weitgehend unbemerkt, da nur wenige Unternehmen betroffen sind. Ob das interne Rechenzentrum ausfällt oder die Cloud ist im Fall der Fälle für das einzelne Unternehmen egal.

Allerdings verdeutlicht der Fall auch das Risiko großer Infrastrukturen. Erst vor kurzem warnte der Versicherer Munich Re, dass angesichts der Pool-Lösungen beim Cloud Computing mögliche Limits bei der Versicherung von IT-Risiken notwendig seien, sofern durch eine immer größere Konzentration auf nur wenige Cloud-Anbieter unabsehbar große Schäden auf einen Schlag entstehen könnten.

Auch andere Risiken bestehen: Beziehen Unternehmen ihre IT-Ressourcen ausschließlich aus der Wolke, laufen sie Gefahr, vom Cloud-Anbieter ähnlich abhängig wie vom Stromanbieter zu werden - mit möglichen Auswirkungen auf die Preisgestaltung der IT-Dienstleistungen in der Zukunft.

Für Unternehmen hält der Fall Amazon daher eine Lehre bereit: Die Mär von der „IT aus der Steckdose“ ist ein wolkiges Marketingversprechen, das auch im Cloud-Zeitalter unerfüllbar ist. Auch wer die Rechenressourcen scheinbar ohne Standort aus der „Wolke“ bezieht, muss sich um die sichere Organisation seiner IT sorgen. Denn hinter der Cloud stehen nach wie vor Rechenzentren, also Hardware, die ausfallen kann und Menschen, die Fehler machen. Unternehmen, die auf IT-Ressourcen angewiesen sind, müssen sich auch im Zeitalter der Cloud um Backups und eine redundant ausgelegte Infrastruktur sorgen.

Die Cloud zu verteufeln ist jedoch nicht die richtige Antwort auf diese Herausforderung – im Gegenteil: Ausfallsicherheit bedingt Redundanz – und gerade dabei kann die Cloud als Ergänzung zur eigenen IT-Infrastruktur eine wichtige Rolle spielen.

Kommentare (1)

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AndreAdrian

02.05.2011, 22:24 Uhr

Redundanz = überflüssig = Sparpotential

Zwischen IT Abteilung und Kostenrechnung besteht ein ewiger Kampf. Redundanz ist teuer und wenn alles funktioniert, unnütz. Das eigene, redundante Rechenzentrum gegen eine heute billigere Cloud auszutauschen läßt den Buchhalter schwärmen. Für ein Unternehmen kann eine Pleite aufgrund von Cloud-Ausfall günstiger sein als ein eigenes, redundantes Rechenzentrum. Man sollte nie vergessen: Eine Insolvenz beendet alle Verträge. Gut für den Vertragspartner welcher schon das Geld hat und aufgrund von Pleite keine Leistung mehr erbringen muss.
Übrigens: Buchhalter von einem Pleiteunternehmen werden wie verrückt gesucht!

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