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03.07.2012

09:51 Uhr

Analyse

Apples TV-Revolution braucht keinen Fernseher

VonStephan Dörner

Apple will einen eigenen Fernseher verkaufen? Vielleicht. Aber das ist nicht entscheidend. Denn die Fernseh-Revolution wird Apple vermutlich nicht durch ein eigenes Gerät auslösen, sondern durch ein anderes TV-Konzept.

Apple-Chef Tim Cook auf der Konferenz von All Things D: „ Die meisten Leute sind mit dem Angebot an TV-Geräten nicht zufrieden – wir schauen uns das weiter an.“ Reuters

Apple-Chef Tim Cook auf der Konferenz von All Things D: „Die meisten Leute sind mit dem Angebot an TV-Geräten nicht zufrieden – wir schauen uns das weiter an.“

Düsseldorf„Etwas Großes passiert mit Apple TV in Cupertino – aber noch wird daran gearbeitet“, schreibt der Apple-Kenner John Gruber in seinem Blog Daringfireball. Die Gerüchte, dass es sich dabei um einen eigenen Apple-Fernseher handelt, haben sich zuletzt nicht bestätigt. Auf der Entwicklerkonferenz WWDC in San Francisco präsentierte Apple keinen Fernseher, nicht einmal das erwartete Software-Update für die Set-Top-Box Apple TV kam.

Gene Munster, Analyst bei Piper Jaffray und einer der profiliertesten Apple-Kenner ist sich dennoch sicher: „Ein Apple-TV wird kommen“, sagte er Bloomberg, nachdem er mit einem asiatischen Zulieferer gesprochen hat. Es werde die „größte Sache auf dem Markt der Verbraucherelektronik seit den Smartphones vor fünf Jahren“.

Klar ist, dass Apple am Fernsehmarkt Interesse hat, wie Apple-Chef Tim Cook zuletzt auf der „All Thing D“-Konferenz des Wall Street Journals bekräftigte. „Die meisten Leute sind mit dem Angebot an TV-Geräten nicht zufrieden – wir schauen uns das weiter an“, sagte Cook. Ähnliches war bereits in der offiziellen Biografie des verstorbenen Apple-Gründers Steve Jobs zu lesen. Über Apples TV-Projekte sagte Jobs laut seinem Biografen Walter Isaacson: „Er wird die simpelste Bedienung haben, die man sich vorstellen kann. Ich habe das am Ende geknackt.“

Das Prinzip Apple

Alles aus einer Hand

Konsistenz ist Teil der Designphilosophie von Apple. Dazu gehört ein möglichst einheitliches Nutzererlebenis. Apple bietet dazu vom Smartphone bis zum ausgewachsenen Profi-PC alle Gerätklassen an. Auf den kleinen Geräten iPhone und iPad läuft dabei das mobile Betriebssystem iOS, auf den Laptops und Desktop-Rechnern Mac OS X. Die Programme sind untereinander nicht kompatibel, allerdings bietet Apple viele eigene Applikationen für beide Plattformen an, etwa die Office-Suite iWork. Über die App Stores verkauft Apple außerdem noch Software für beide Plattformen online – bei iPhone und iPad sogar der einzig legale Weg, Software zu installieren.

Apples Gefängnis und Ausbruch-Tools

Apples Stärke ist zugleich auch der größte Kritikpunkt: Weil alles aus einer Hand kommt, behält Apple die volle Kontrolle. Im App Store schöpft Apple satte 30 Prozent der Umsätze ab, sowohl von gekauften Apps als auch von Käufen, die innerhalb von Apps getätigt werden. Immer wieder kommt der Konzern in die Schlagzeilen, weil Apps aus teilweise wenig nachvollziehbaren Gründen aus dem Store entfernt werden. So gelten dank Apple beispielsweise weltweit amerikanische Moralvorstellungen: Medien müssen nackte Haut zensieren. Ein Weg aus dem Apple-Gefängnis ist entweder ein sogenannter Jailbreak. Dabei führen iPhone- und iPad-Anwender ein Programm aus, das Sicherheitslücken in den Geräten nutzt, um das Gerät aus der Apple-Kontrolle zu befreien. Nach einem Jailbreak können alle Programme wie auf einem PC oder Mac installiert werden. Eine andere Alternative sind Programme, die im Browser laufen – auf das Internet haben auch iPhones und iPads freien Zugriff.

Mobile Geräte im Fokus

Apple betont regelmäßig, in erster Linie ein Hersteller mobiler Geräte zu sein. Erstens machen iPhone und iPad längst den Löwenanteil der Apple-Umsätze aus, zweitens sind auch die meisten verkauften Macs inzwischen Laptops. Das zeigte sich auch beim jüngsten Update des Mac-Betriebssystems Mac OS X. Die aktuelle Version Lion betont die Gestensteuerung, die vor allem bei Trackpads sinnvoll ist, die in Laptops verbaut werden.

iCloud löst iTunes als Zentrale ab

Zentrale Schnittstelle zwischen allen Apple-Geräten war bisher das Programm iTunes, über das die Geräte als „Hub“ auf Mac oder PC synchronisiert werden. Allerdings zeichnet sich mit der Einführung der iCloud eine Ablösung von iTunes als zentrales Hub ab – die Daten wandern nun in die "Wolke", also das Internet. Mit der iCloud soll das Internet zur zentralen gemeinsamen Schnittstelle aller Apple-Geräte werden. Dokumente werden im Netz gespeichert und können über sämtliche Plattformen synchron gehalten werden. iPad und iPhone sollen auch ohne Mac oder PC verwendbar sein.

„Es funktioniert einfach“

Apple war eine der ersten IT-Firmen, die Interessen und Wünsche des normalen Nutzers in den Mittelpunkt rückten. Nicht der Mensch soll sich der Bedienung des Computers anpassen, sondern der Computer dem Menschen – so zumindest die Idee. Entsprechend profitiert der Konzern auch vom Trend der „Consumerization“ der IT. Damit wird der derzeitige Trend beschrieben, dass Konsumenten-Produkte wie iPhone und iPad zunehmend auch die Unternehmen erobern, weil Menschen einfache und intuitive Bedienungen auch im Geschäftsleben schätzen. Kritiker meinen andererseits, dass Apple im Bemühen um eine möglichst intuitive Bedienung den Nutzern bei vielen Fragen zu wenig Freiheit lässt.

Apple plant den Fernsehmarkt zu erobern - so viel scheint klar. Im Mittelpunkt steht dabei jedoch höchstwahrscheinlich kein eigenes Gerät, sondern ein radikal anderes Konzept. Der Schlüssel, mit dem Apple den Markt der Unterhaltungsindustrie umkrempeln könnte, sind - ganz ähnlich wie bei den Smartphones - die Apps. Es erscheint heute ohne weiteres möglich, dass Apple nicht einfach ein weiteres TV-Gerät auf den Markt bringen wird, sondern das Geschäft der TV-Unterhaltung ebenso grundlegend auf den Kopf stellt wie zuletzt die Handy-Branche.

Der letzte Bildschirm ohne Computer

PC, Tablet, Smartphone – hinter allen Bildschirmen in modernen Haushalten stecken kleine Computer. Der Fernseher ist heute meist das letzte elektronische Gerät mit Bildschirm, auf dem Applikationen mit Internetverbindung noch keine Rolle spielen. Zwar bieten die Fernsehhersteller inzwischen durch die Bank auch selbst Apps an, es mangelt aber an der einfachen Bedienung und sinnvollen Inhalten für die Anwendungen. Genau das könnte Apple ändern – ob mit oder ohne eigenes Gerät.

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Schon heute hat Apple eine Set-Top-Box im Angebot. Apple TV ist ein kleiner Computer, der mit dem Fernseher verbunden wird. Was Apple noch fehlt, sind die passenden Inhalte. Größter Schatz sind in diesem Zusammenhang Apples Inhalte in der iTunes-Bibliothek und ein Vertrag mit der US-Film-Streaming-Seite Netflix. Rechte für populäre Hollywood-Blockbuster, Unterhaltungsshows und Live-Sportübertragungen werden derzeit noch vor allem von den großen Kabelnetzbetreibern gehalten.

Kommentare (6)

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Account gelöscht!

03.07.2012, 10:09 Uhr

Solange die Sender schwachsinnige Inhalte auf den (TV-) Bildschirm bringen, kann sich nichts ändern: die Volksverdummung mit RTL, SAT 1, etc. bleibt, auch wenn irgendetwas "hypiges" von Apple kommen sollte.

Mallimalla

03.07.2012, 13:13 Uhr

Gäääähn...
Das ist doch überhaupt nicht interessant. Streamen vom iPhone oder iPad. Und nach 3 Stunden muss ich mir eine Steckdose zum Akku nachladen suchen. Das Ziel dahinter ist doch völlig klar. Das Fernsehen soll zur direkten Gebühreneinzugszentrale werden. Man kann schauen was und wann man will und muss dafür bezahlen. Ansonsten bleibt der Bildschirm schwarz. Aus dem AppleTV der 2.Generation hat man doch nicht umsonst die Festplatte ausgebaut. Die Zukunft heißt nicht mehr einmal zahlen und speichern, sondern jedesmal zahlen und streamen. Ganz davon abgesehen, dass mein iPhone oder mein iPad für diesen Schwachsinn gnadenlos blockiert werden. Also sollte man alle Spekulationen lieber lassen. Schon das bereits vorhandene AppleTV wurde damals als absoluter Geheimtipp vorausgesagt. Wenn Apple mit den Fernsehsendern verhandelt, dass nur noch gegen Bezahlung auf den Fernseher gestreamt wird, dann schaue ich halt kein Fernsehen mehr. Gibt schlimmeres. Noch mehr fürs Fernsehen zahlen...nicht mit mir. Schon jetzt sind die Preise für Fernsehserien über iTunes lächerlich hoch. Und das obwohl ich die Folgen vorher kostenlos im Fernsehen sehen konnte. Ich glaube nicht, dass Apple irgendetwas besonderes in der Hinterhand hat.

DgBmdsS

03.07.2012, 19:13 Uhr

das deutsche GEZ System macht es allen Pay TV Anbietern extrem schwer, egal of broadcast oder on -demand, ob Sky, HD+, Apple Tv und wer da noch alles kommt. IPhone, Ipad, Ipod sind Systeme für junge Menschen < 30J, TV ist für >40J

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