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08.01.2008

12:19 Uhr

Anbieter denken um

Weitere Musikanbieter kippen Kopierschutz

Digitaler Kopierschutz wird zum Auslaufmodell. Mit Sony-BMG kündigte die letzte der großen Plattenfirmen an, einen Teil seiner Lieder ohne ein so genanntes DRM-System im Internet vertreiben. Auch Napster will demnächst auf Kopierschutz verzichten.

HB DÜSSELDORF. Angesichts der anhaltenden Absatzmisere verzichten weitere Musikanbieter auf den digitalen Kopierschutz. Mit Sony-BMG kündigte die letzte der großen Plattenfirmen an, einen Teil seiner Lieder ohne ein so genanntes DRM-System im Internet vertreiben. Zudem gab der Online-Musikdienst Napster bekannt, im Laufe des zweiten Quartals bei allen Songs auf Kopierschutz zu verzichten.

Erst Ende Dezember hatte mit Warner Music ein weiterer „Major“ der Musikindustrie angekündigt, die Lieder seiner Künstler im Online-Shop von Amazon ohne DRM (Digital Rights Management) anzubieten. Die britische Emi und Universal Music, Tochter des französischen Vivendi-Konzerns, hatten ähnliche Schritte bereits mehrere Monate zuvor vollzogen.

Die Industrie erhofft sich davon eine Belebung des Musik-Geschäfts im Internet. Die DRM-geschützten Songs können nicht auf jedem Gerät abgespielt werden und verursachen immer wieder technische Probleme. Die großen Konzerne hatten dennoch lange auf dem Schutz bestanden, weil sie sinkende Einnahmen durch Raubkopien und illegale Tauschbörsen befürchteten.

Dass die Industrie inzwischen umdenkt, liegt an der weiterhin katastrophalen Absatzentwicklung. In den USA, dem mit Abstand weltgrößten Musikmarkt, ging der Verkauf von Alben im vergangenen Jahr um 15 Prozent auf etwa 500 Millionen Stück zurück. Nach Angaben des Marktforschers Nielsen ist das der niedrigste Wert seit dem Beginn der Erhebungen 1993. Anders als in den vorigen Jahren verzeichnete 2007 auch das Online-Geschäft nur noch schwache Zuwächse.

Napster wird künftig alle Einzeltitel und Alben im weit verbreiteten MP3-Format zum Herunterladen bereitstellen. Die Internet-Plattform, die inzwischen zur Software-Firma Roxio gehört, hat nach eigenen Angaben rund fünf Millionen Titel im Angebot. Mit seinem Abo-Modell konnte Napster aber bisher den Marktführer, Apples Online-Shop iTunes, nicht ernsthaft angreifen.

Sony-BMG geht dagegen einen anderen Weg: Wer ein DRM-freies Album herunterladen möchte, muss zunächst ein Musikgeschäft besuchen und dort eine Plastikkarte mit einer Codenummer kaufen. Diese Nummer muss wiederum im Online-Shop des Plattenlabels eingeben werden, um das Album für knapp 13 Dollar herunterzuladen. Branchenkenner kritisieren das Verfahren als viel zu kompliziert. Der Leiter des Online-Geschäfts von Sony-BMG, Thomas Hesse, sagte, der Konzern wolle seine Songs auf möglichst vielen Wegen anbieten.

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