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01.08.2011

14:25 Uhr

Anonymous

Das Werben der Hacker

VonStephan Dörner

Hackergruppen wie Anonymous und Lulzsec fallen nicht nur durch spektakuläre Hacks auf – sie vermarkten ihre Taten auch gut. Ihre Symbole sind längst zu einem Teil der Populärkultur im Internet geworden.

Anonymous-Aktivist bei Protesten im spanischen Madrid. Die Maske von Guy Fawkes ist dank Anonymous zum Symbol des Widerstands geworden. Quelle: Reuters

Anonymous-Aktivist bei Protesten im spanischen Madrid. Die Maske von Guy Fawkes ist dank Anonymous zum Symbol des Widerstands geworden.

Die Namen der beiden Hackergruppen Lulzsec und Anonymous sind inzwischen weltberühmt. Gerade Anonymous glänzt dabei weniger durch spektakuläre Hacks als vielmehr durch gute Selbstvermarktung.

Die Mitglieder von Anonymous verstehen die Mechanismen des Internets – und die Wege, Botschaften darin zu verbreiten. Anonymous nutzt für seine Mitteilungen Twitter und Youtube, danach übernehmen Sympathisanten und Medien die weitere Verbreitung der Videos und Pamphlete in Blogs, Foren und über andere Twitter-Accounts. Das Symbol des Online-Kollektivs – eine dem Comic „V für Vendetta“ entlehnte Maske des frühneuzeitlichen Attentäters Guy Fawkes, ist  inzwischen zu einem globalen Symbol des Widerstands geworden. Sie zieren beispielsweise auch zahlreiche Twitter-Profile und Avatare in Foren.

Schon zu Beginn der Politisierung von Anonymous im Jahr 2008 nutzten die Aktivisten diese Mechanismen. Nachdem die Psychosekte Scientology mittels Urheberrechtsansprüchen Scientology-kritische aus dem Netz zu löschen versuchte, schlugen die Aktivisten zurück. So wurde eine bis dahin noch lose organisierte Gruppe erstmals politisch aktiv. Damals traten die Aktivsten auch zum ersten Mal öffentlich mit ihren inzwischen weltbekannten Masken auf - Stilisierungen des Gesichts von Guy Fawkes, der 1605 im legendären Gunpowder-Plot den englischen König James I. und das versammelte Parlament in die Luft sprengen wollte.

Schon 2008 nutzten die überwiegend jugendlichen Aktivisten das Internet und seine Mechanismen: Schnell verbreiteten sich professionell gestaltete Videos auf Youtube, in dem das Online-Kollektiv mit einer verzerrter Computerstimme der Sekte den Krieg erklärte und Nutzer auf aufforderte, das kritische Material tausendfach unter verschiedenen Usernamen immer wieder bei Youtube einzustellen. Die Aktion zeigte Erfolg: Bis heute ist das Video, das die Sekte am liebsten aus dem Internet getilgt hätte, an zahlreichen Stellen im Netz zu finden.

Mediale Trittbrettfahrer

Inzwischen durchschauen und nutzen die Aktivisten die Mechanismen der Medienwelt sehr professionell. Ist ein Thema aktuell, springen Anonymous-Mitglieder auf den medialen Zug, um die Hackergruppe wieder ins Gespräch zu bringen. Als Wikileaks das bestimmende Thema in den Medien war, unterstützte die Gruppe die Enthüllungsplattform mit den Angriffen auf Paypal, Visa- und Mastercard - Unternehmen, die sich geweigert hatten, Wikilieaks-Spenden weiterzuleiten. Später nutzte Anonymous die Bekanntheit von Wikileaks für die Ankündigung der Gründung von Hackerleaks, einer Plattform für die Veröffentlichung von Daten, die von Hackern erbeutet worden waren. Als sich die Augen der Medienwelt auf die Revolten in der arabischen Welt richteten, blockierte Anonymous die offiziellen Websites arabischer Behörden. Und als die Googles Facebook-Konkurrenz Google+ in den Medien für Wirbel sorgte, verkündete Anonymous kurzerhand die Gründung eines eigenen sozialen Netzwerks.

Allerdings richten sich nicht alle Aktionen nach der gerade aktuellen politischen Großwetterlage der Medien: Derzeit stehen beispielsweise in Zusammenarbeit mit der Hackergruppe Lulzsec die Polizeibehörden im Fokus der Attacken, womit beide Gruppen gegen die als rassistisch empfundene Einwanderungspolitik Europas protestieren – in der Berichterstattung der Medien spielt dieses Thema fast keine Rolle.

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