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27.12.2011

14:34 Uhr

Anonymous

Helden oder Kriminelle?

Anonymous hat wieder zugeschlagen. Diesmal zielten die Hacker auf Kunden und Mitarbeiter der Sicherheitsberater Stratfor. Viele Netzaktivisten können das Verhalten der Hacker immer weniger nachvollziehen.

Logo der Gruppe Anonymous. Die Gruppe beschreibt sich als "lebendiges Bewusstsein". Screenshot

Logo der Gruppe Anonymous. Die Gruppe beschreibt sich als "lebendiges Bewusstsein".

DüsseldorfAusgerechnet ein renommiertes US-Beratungsunternehmen für internationale Sicherheitsanalysen ist über Weihnachten einem spektakulären Hackerangriff zum Opfer gefallen. Die Internet-Aktivistengruppe Anonymous stahl nach eigener Darstellung tausende Kreditkartendaten von Kunden des Unternehmens Stratfor, dem enge Kontakte zum US-Geheimdienst CIA nachgesagt werden.
Ziel der Aktion sei es, „mehr als eine Million Dollar“ (770 000 Euro) als Weihnachtsspenden an gemeinnützige Einrichtungen umzuverteilen, zitierten US-Medien ungenannte Anonymous-Mitglieder.
Opfer hätten bereits von nicht genehmigten Überweisungen berichtet. Die internationale Hacker-Gruppe prahlte im Netz damit, neben den Daten zu mindestens 4000 Kreditkarten auch eine Liste mit Kunden gestohlen zu haben. Dabei dürfte es sich vor allem um Empfänger eines kostenpflichtigen täglichen Newsletters handeln. Stratfor bietet seinen Kunden Analysen zu aktuellen geopolitischen Sicherheitsfragen wie Terrorismus, politische Umwälzungen oder Machtwechsel in einzelnen Ländern.

Bilderchat als Wurzel der Bewegung

Die lose Gruppe Anonymous rekrutiert sich aus einem Bilder-Chat namens 4chan, einem sogenannten Imageboard. Anonymous beschreibt sich selbst als „lebendiges Bewusstsein“ und besteht nicht aus einer festen Gruppe von Leuten. Es sind überwiegend Jugendliche, die einen extremen Humor teilen, sich gegenseitig mit Bildern schockieren und einen eigenen Slang entwickelt haben. Statt der normalen Internet-Abkürzung LOL (Laughing out loud, lautes lachen) nutzen die meisten 4chan-Chatter beispielsweise die Verballhornung „Lulz“. Informationen über die Chat-Kultur sammeln sie in einem offenen Wiki namens Encyclopedia Dramatica.

Jeder, der bei 4chan keinen Namen eingibt, schreibt als Anonymous - daher der Name der Gruppe. Politik spielte auf 4chan normalerweise keine Rolle. Erst als 2008 die Scientology-Gemeinde gegen ein Internet-Video klagte, das von Anti-Sekten-Aktivisten auf Youtube eingestellt wurde, erwachte das politische Bewusstsein der Jugendlichen. „Alle Informationen müssen frei sein“ ist der Leitsatz, den der Technik-Journalist Steven Levy bereits in den 1980er Jahren als Leitsatz der Hacker-Kultur erkannte.

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