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11.05.2016

11:39 Uhr

Antennenfernsehen DVB-T2 HD

Zur Fußball-EM wird’s scharf

VonChristof Kerkmann

Höhere Auflösung und mehr Programme: Ende Mai startet das neue Antennenfernsehen. Wer es gucken will, braucht aber einen neuen Empfänger. Wo es DVB-T2 HD gibt, wie man es empfängt und was daran ärgerlich ist.

Wenn in Frankreich der Ball rollt, sind die Spiele auch im Antennenfernsehen hochauflösend zu sehen. dpa

Fußball im Fernsehen

Wenn in Frankreich der Ball rollt, sind die Spiele auch im Antennenfernsehen hochauflösend zu sehen.

DüsseldorfDer Sport hat schon häufiger neuen Technologien zum Durchbruch verholfen. 1974 verfolgten viele Deutsche den WM-Sieg ihrer Fußball-Nationalmannschaft vor dem ersten Farbfernseher. 2012 guckte jeder vierte Zuschauer einen Teil der Olympischen Spiele in London übers Internet. Und das sind nur zwei Beispiele.

Wenn am 10. Juni den Fußball-Europameisterschaft in Frankreich beginnt, dient das sportliche Spektakel wieder als Verkaufsargument: Wenige Tage vorher startet in etlichen Ballungsräumen die Ausstrahlung des neuen Fernsehstandards DVB-T2 HD. Mit ihm ist es möglich, auch per Antenne hochauflösende Bilder zu empfangen, ob auf dem Fernseher oder unterwegs auf dem Tablet. Wer die neue Technologie nutzen möchte, braucht allerdings einen speziellen Empfänger. Wann es für wen losgeht und wie man vermeidet, dass der Fernseher schwarz bleibt – ein Überblick.

Kleines Fernseh-Glossar

Technologie verkauft Fernseher

Die TV-Hersteller arbeiten permanent an neuen Verfahren, um die Bildqualität weiter zu verbessern und die Funktionen zu erweitern – Technologie verkauft Geräte. Welche Schlagwörter sind derzeit angesagt?

Ultra HD (4K)

Ultra HD – oft auch als 4K bezeichnet – ist ein TV-Format mit sehr hoher Auflösung. Diese beträgt 3840 x 2160 Pixel, also 8,3 Megapixel. Das ist vier Mal so viel wie bei einem HD-Bild. Es mangelt noch an passenden Inhalten, allerdings werden herkömmliche Bilder hochgerechnet. Da die Geräte immer billiger werden, eignen sie sich langsam für den Massenmarkt.

8K

Einige Hersteller arbeiten bereits an der nächsten Generation: Nach 4K soll irgendwann 8K kommen. Die Auflösung der Bilder ist erneut um den Faktor vier höher und beträgt 33,2 Megapixel. Damit erlaubt sie noch größere Bildschirme. Allerdings sind die technischen Voraussetzungen noch mangelhaft – so gibt es kaum passende Kameras, auch an geeigneten Komprimierungsverfahren fehlt es. Abgesehen davon stellt sich die Frage, wie groß das Wohnzimmer für solche Fernseher sein muss.

Quantum Dots

Eine vergleichsweise neue Technologie sind Quantum Dots, deutsch: Quantenpunkte. Dabei handelt es sich um winzig kleine Nanokristalle, die Licht sehr exakt in bestimmten Wellenlängen ausstrahlen können. So lassen sich sehr satten Farben erzeugen. Quantum Dots ermöglichen es, die Bildqualität von herkömmlichen LCD-Displays weiter zu verbessern.

OLED

OLED steht für Organic Light Emitting Diode, es handelt sich also um organische Leuchtdioden. Diese Technologie ermöglicht ein sehr kontrastreiches Bild und weite Blickwinkel, zudem verbraucht sie wenig Strom. Allerdings ist die Produktion der Paneele kompliziert und somit noch vergleichsweise teuer. Daher ist der Marktanteil der OLED-Geräte gering.

Gebogene Displays

Früher mussten Fernseher unbedingt flach sein – geht es nach einigen Herstellern, geht es heute nicht ohne gebogenes Display. Samsung, LG & Co. versprechen ein besseres Bild mit weniger optischen Verzerrungen. Der Vorteil liegt indes wohl eher im Design als im Seherlebnis. Dafür müssen Verbraucher einen hohen Preis in Kauf nehmen.

Smart TV

Fast alle neuen Fernseher sind inzwischen „smart“: Sie können nicht nur die herkömmlichen Kanäle, sondern auch Inhalte aus dem Internet darstellen, beispielsweise das Videoportal Youtube, Online-Videotheken oder extra für den großen Bildschirm programmierte. Dazu braucht es nur einen Breitbandanschluss. Allerdings nutzen viele Zuschauer diese Funktionen noch nicht. Zudem hapert es teils noch an der Bedienung – eine Kopplung mit Smartphone und Tablet soll Verbesserungen bringen.

DVB-T2 HD

Das digitale Antennenfernsehen DVB-T wird weiterentwickelt: Über DVB-T2 HD bekommen Zuschauer mehr Kanäle mit zumeist besserer Auflösung. Für den Empfang der Privatsender wird dann allerdings eine Abogebühr fällig, die bisher mit einem einstelligen Eurobetrag taxiert wird.

Was ist DVB-T2 HD?

Der Name deutet es an: DVB-T2 HD ist eine Weiterentwicklung des digitalen Antennenfernsehens DVB-T. Mit dem Standard werden zwei wesentliche Neuerungen eingeführt. Zum einen ist es jetzt möglich, Bilder im hochauflösenden Format zu übertragen – anders als bei Satellit, Kabel und Internet-TV geht das per Antenne bislang nicht. Zum anderen werden künftig mehr Programme angeboten.

Möglich ist das dank des besseren Komprimierungsverfahrens HEVC, das Experten auch als H.265  bezeichnen. Es kodiert die Daten doppelt so effizient – somit lassen sich mehr Programme in besserer Qualität verbreiten, und das, obwohl einige Frequenzen künftig nicht mehr fürs Fernsehen verwendet werden, sondern den Mobilfunk.

In den Ballungsräumen wird DVB-T2 HD zuerst ausgestrahlt. Projektbüro DVB-T2 HD Deutschland

Empfangsgebiete

In den Ballungsräumen wird DVB-T2 HD zuerst ausgestrahlt.

Wo kann man es empfangen?

In einer Testphase ab dem 31. Mai 2016 ist DVB-T2 HD in 18 Ballungsräumen zu empfangen, darunter viele Großstädte und dicht besiedelte Regionen (siehe Karte). Hier werden zunächst ARD und ZDF sowie die Privatsender RTL, Pro Sieben, Sat.1 und Vox ausgestrahlt.

Die Regionen im Überblick: Bremen/Unterweser, Hamburg/Lübeck, Kiel, Rostock, Schwerin, Hannover/Braunschweig, Magdeburg, Berlin/Potsdam, Jena, Leipzig/Halle, Düsseldorf/Rhein/Ruhr, Köln/Bonn/Aachen, Rhein/Main, Saarbrücken, Baden-Baden, Stuttgart, Nürnberg, München/Südbayern.

Der reguläre Betrieb mit allen Programmen soll im ersten Quartal 2017 in den Ballungsräumen beginnen. Ab dann will der Betreiber Media Broadcast, der zu Freenet gehört, auch andere Regionen versorgen, zunächst „Mittelzentren“, dann ländliche Regionen. Bis Mitte 2019 soll DVB-T2 HD fast im gesamten Bundesgebiet zu empfangen sein, zumindest die öffentlich-rechtlichen Sender. Wo genau man wann welche Sender empfängt, stimmt das Unternehmen noch mit der ARD ab, die das Netz für ihre Programme überwiegend in eigener Regie plant, aufbaut und betreibt.

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