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17.01.2007

10:58 Uhr

Austausch der Materialien

Designer optimieren Produkte

VonLeonhard Fromm

Experten sind sich einig: Produktinnovationen finden künftig vor allem über optimierte Materialien statt. Dabei wird ein Werkstoff einfach gegen einen anderen ausgetauscht. Dadurch lassen sich Kosten reduzieren, die Verarbeitung verbessern, Sicherheit erhöhen, das Recycling vereinfachen oder Gewicht verringern. Die Auswahl erleichtern Datenbanken.

DÜSSELDORF. "Smart materials sind derzeit ein Megathema", sagt Ralph Wiegmann. Seit vier Jahren organisiert der Geschäftsführer des Design Center Hannover den "Material Award-Wettbewerb". Allerdings wissen die wenigsten Ingenieure und Designer, welche Werkstoffe es auf dem Markt überhaupt gibt und wie diese zur Verbesserung eines Produktes eingesetzt werden können. Hier helfen Materialdatenbanken weiter. Mehrere Anbieter haben in den letzten Jahren Informationen über die unterschiedlichsten Stoffe gesammelt und stellen diese über das Internet zur Verfügung.

Einer von ihnen ist der Industriedesigner Jürgen Schmid aus Ammerbuch in der Nähe von Tübingen. Seit zwei Jahren baut der Designer eine Materialdatenbank auf, die inzwischen 1 000 Anwendungen, Adressen und Werkstoffe umfasst. Schmid bewegt sich in Netzwerken, in denen sich Industriedesigner und Materialexperten aus Industrie und Wissenschaft untereinander austauschen und Tipps geben. Sie diskutieren beispielsweise über Materialien, die auf akustische Signale hin ihre Farbe verändern. Sie durchforsten Datenbanken auf diese spezifische Eigenschaft hin und entwickeln auf dieser Basis ihre Lösung. Nanotechnologie und Bionik mit ihren neuen Möglichkeiten dürften das noch junge und wenig erschlossene Themenfeld der Materialoptimierung weiter vorantreiben.

Ein wichtiger Knotenpunkt im Netzwerk von "Design Tech" ist die "Material Connexion" in Köln. Dort baut Rolf Warda seit acht Jahren eine Bibliothek für innovative Materialien auf, die inzwischen acht Produktgruppen mit insgesamt 1 200 Werkstoffe umfasst. Diese reichen von Keramik, Glas, Metall und Polymere über Elemente auf Kohlenstoff- und Zementbasis bis hin zu Naturmaterialien und neuen Herstellungsprozessen als Sonderkategorie.

Ein interdisziplinäres Gremium nimmt monatlich bis zu 30 neue Materialien in die physische Bibliothek auf. Vor allem Branchen mit hohem Innovationsdruck, wie die Automobil- und Mode-Industrie, oder einseitiger Abhängigkeit von Rohstoffen und Lieferanten nutzen das Angebot, sagt Warda, der bereits Dependancen in New York, Mailand und Bangkok betreibt.

Gut die Hälfte aller Materialinnovationen kommen aus den Massenmärkten rund um die Bereiche "Outdoor" und "Lifestyle". Wie etwa ein Thermohemd, dessen Textil erkennt, ob der Träger schwitzt oder friert und entsprechend darauf reagiert. "Für jede Funktion gibt es den besten Werkstoff, der allerdings oft noch für das Produkt optimiert werden muss", sagt Schmid.

Obwohl die neuen Materialien zunächst bei einem bestimmten Produkt zum Einsatz kommen, werden sie anschließend oft auf andere Bereiche übertragen. So ist es beispielsweise bei den Gummierungstechniken gelaufen, die zunächst bei der Produktion von Handys und Laptops genutzt wurden und später die Haptik von Werkzeuggriffen verbessert haben oder helfen, Maschinengeräusche zu reduzieren.

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