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15.01.2010

10:38 Uhr

Baidu.com

Chinesische Suchmaschine ist der lachende Dritte

VonAndreas Hoffbauer

Der Streit zwischen China und Google kennt nur einen Gewinner: Baidu, Chinas größte Suchmaschine im Netz, könnte seine Marktanteile bei einem Rückzug der US-Konkurrenz weiter ausbauen. Ihren rasanten Aufstieg verdankt die Seite vor allem der Kooperation mit Chinas Zensoren.

Baidu.com profitiert von Googles Chinapolitik. ap

Baidu.com profitiert von Googles Chinapolitik.

PEKING. Im „Internetkrieg“ zwischen China und Google sehen viele Experten beide Seiten als Verlierer. Doch ein Gewinner steht bereits fest: Baidu, Chinas größte Suchmaschine im Netz. Das Unternehmen mit Sitz im Pekinger Stadtteil Zhongguancun, bekannt als „Chinas Silicon Valley“, gehört zur treibenden Kraft beim Aufbau von China 2.0. Erst im Jahr 2000 gegründet, hat Baidu.com heute mit mehr als 200 Millionen Nutzern die mächtige Konkurrenz von Yahoo und Google überrundet und beherrscht rund zwei Drittel des chinesischen Marktes. 2008 legten die Erlöse um 83 Prozent auf 3,2 Mrd. Yuan (rund 320 Mio. Euro) zu. Das Ergebnis verdoppelte sich sogar auf 1,1 Mrd. Yuan.

Baidu-Chef ist der charismatische Robin Li, der die Firma einst in zwei Hotelzimmern gegründet hat. Er erreichte 2005 international Aufmerksamkeit mit Baidu.com, als die Firma in New York an die Börse stürmte und der Kurs sich am ersten Handelstag fast vervierfachte. Der Erfolg ist eng mit Li verknüpft. Der 42-jährige Internetexperte hat in den USA studiert. Vor allem aber hat er dort auch die großen US-Rivalen unter die Lupe genommen. Zurück in China, baute er eine eigene Suchmaschine auf, die noch präziser mit den Schriftzeichen umgehen kann. „Wir verstehen eben die chinesische Sprache und Kultur viel besser“, so Li.

Kritiker sehen jedoch auch andere Gründe für den rasanten Aufstieg. Baidu.com sei nichts weiter als eine schlichte Kopie von Google, lautet ein Vorwurf. Zudem profitiere die Suchmaschine von der Pekinger Zensur. Nicht nur, weil man willig mit Polizei und Sicherheitsbehörden zusammenarbeite. Durch die zahlreichen Filter sei Google in China deutlich lahmer geworden. Darum klicken immer mehr Internetnutzer gleich auf Baidu.com.

In die Kritik geriet der Anbieter vor einigen Jahren, als bekannt wurde, dass sich die Suchmaschine ihre Ergebnisse bezahlen ließ. Während bei Google und Yahoo bezahlte Anzeigen als „sponsored links“ gekennzeichnet werden, war dies bei Baidu nicht der Fall. Ganz oben tauchte auf, wer am meisten zahlte. Dieses Marketing wurde sogar als P4P („Pay for Performance“) propagiert, musste aber nach einem Proteststurm gestoppt werden.

Baidu.com sei ein Spiegelbild des modernen Chinas, sagen Beobachter: Bei der Piraterie im Netz drücke man kräftig die Augen zu, bei der Zensur folge man dagegen ganz den Vorgaben der Parteizensoren. Diese Strategie dürfte nach einem Google-Rückzug neue Erfolge feiern. Dann würden nicht nur noch mehr Nutzer, sondern auch viele Anzeigenkunden zu Baidu wechseln, so Analysten.

Daran glauben auch die Anleger: An der US-Börse Nasdaq stieg der Baidu-Kurs nach Googles Erklärung zunächst an. Auch den Kurssprung am ersten Handelstag hatte Baidu.com Mitte 2005 Google zu verdanken. Der Rivale war kurz zuvor mit fünf Mio. Dollar bei Baidu eingestiegen, was zu Übernahmespekulationen geführt hatte. Ein Jahr später stieg Google wieder aus – um endlich in China „Google.cn“ zu starten.

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