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13.02.2006

17:45 Uhr

Banken starten neues Verfahren

Giropay soll Bezahlen im Netz einfacher machen

Mit einem neuen Bezahlverfahren wollen Postbank, Sparkassen sowie Volks- und Raiffeisenbanken das Einkaufen über das Internet in Deutschland vorantreiben.

Giropay ist beispielsweise bei Ebay möglich. Screenshot: leo

Giropay ist beispielsweise bei Ebay möglich. Screenshot: leo

HB FRANKFURT/HAMBURG/MÜNCHEN. Die Online-Überweisung „Giropay“ soll Ende Februar zunächst für Transaktionen beim Internet-Auktionshaus Ebay zur Verfügung stehen, kündigte Martin Schöner, Geschäftsführer der neu gegründeten Giropay GmbH, am Montag in Frankfurt an. Mit weiteren Internet-Händlern würden bereits Gespräche geführt. Außerdem solle das System auch anderen Kreditinstituten angeboten werden.

Giropay funktioniere wie eine vereinfachte Online-Überweisung. Der Käufer werde beim Einkauf im Internet von der Seite des Händlers auf die seiner Bank geleitet und könne dort wie gewohnt durch die Eingabe von Konto- und PIN-Nummer die Überweisung ausführen. Zusätzliche Software oder eine Registrierung sei nicht notwendig. Einzige Voraussetzung sei, dass der Kunde für das Online-Banking angemeldet ist. Der Vorteil für die Händler bestehe darin, dass sie schneller als bei bisherigen Verfahren ihr Geld erhielten.

Die einzelnen Sparkassen und Volksbanken müssen noch ihre Zustimmung zur Teilnahme erteilen. Schöner rechnet damit, dass bis zum Sommer zwei Drittel dieser Kreditinstitute angeschlossen sind. Die Postbank ist von Anfang an dabei. Die Giropay-Initiatoren kommen nach eigenen Angaben auf einen Marktanteil von 85 Prozent im deutschen Online-Privatkundengeschäft, insgesamt nutzen etwa 30 Prozent ihrer Kunden das Internet-Banking. Ab dem 23. Februar kann Giropay über den zu Ebay gehörenden Bezahlservice PayPal verwendet werden. Die hohe Zahl an möglichen Nutzern und die Teilnahme von Ebay sollen dem Verfahren den Erfolg bringen, der anderen Online- Bezahlsystemen in der Vergangenheit versagt blieb.

Händler zunächst skeptisch

Große Internet-Händler äußerten sich am Montag zunächst skeptisch. Der weltgrößte Versandhändler Otto verwies auf frühere Bemühungen von Banken, ähnliche Bezahlsysteme zu etablieren. „Wir sind bei unseren Prüfungen stets zu dem Ergebnis gekommen, dass das Verfahren sich nicht für unser Online-Geschäft empfiehlt“, sagte ein Konzernsprecher in Hamburg. Otto erwarte erst dann eine Zahlung, wenn der Käufer mit der Ware zufrieden sei. Dieses Vorgehen sei bei Giropay nicht möglich. Eine Sprecherin von Amazon Deutschland verwies auf die derzeit angebotenen Zahlungsmöglichkeiten Bankeinzug, Rechnung und Kreditkarte. Bei Karstadt-Quelle hieß es, eine Entscheidung über eine Teilnahme sei noch nicht gefallen.

Bei der Deutschen Bank und der Commerzbank wird eine mögliche Nutzung von Giropay derzeit noch geprüft. Die Dresdner Bank sei an einer Teilnahme interessiert und will bis zum Sommer die technischen Voraussetzungen erfüllt haben, sagte ein Sprecher. Geprüft würden derzeit unter anderem die Sicherheitsaspekte.

Deutsche beim Online-Einkauf noch zurückhaltend

Deutsche Internet-Nutzer seien beim Online-Einkauf immer noch sehr zurückhaltend, betonte PayPal-Manager Mathias Entenmann: „Es werden Warenkörbe gefüllt, aber am Ende kommt es häufig nicht zum Abschluss des Einkaufs.“ Giropay solle nun das fehlende Vertrauen bei den Verbrauchern schaffen, weil diese die Zahlung bequem und sicher über ihre eigene Bank abwickeln können. Im Gegensatz zu anderen Ländern werde in Deutschland die Kreditkarte eher selten zum Internet- Shopping eingesetzt. Etwa 85 Prozent der Käufer zahlten per Überweisung - ein Verfahren, dass anderswo überhaupt nicht bekannt sei.

Nach früheren Angaben des Branchenverbands Bitkom soll der Umsatz im elektronischen Handel in den nächsten drei Jahren bei deutschen Privatkunden auf etwa 90 Mrd. Euro (2004: 22 Mrd Euro) anwachsen.

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