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13.04.2012

18:28 Uhr

Big Brother Awards

Datenschützer warnen vor der Wolke

Einer der Preisträger der Big Brother Awards ist die Cloud. Datenschützer werfen den Anbietern einen nebulösen Umgang mit Nutzerdaten in der Internet-Wolke vor. Erstmal loben die Aktivisten aber auch.

Messebesucher auf der Cebit. Der Datenschutzverein Foebud warnt vor Risiken des Cloud Computings. dpa

Messebesucher auf der Cebit. Der Datenschutzverein Foebud warnt vor Risiken des Cloud Computings.

BielefeldDas Cloud Computing wird von der IT-Branche als Heilsbringer gefeiert, die Datenschützer vom Verein Foebud gehen mit der Internet-Wolke hart ins Gericht. Sie verliehen gleich dem ganzen Konzept, bei dem Programme und Daten direkt aus dem Netz laufen, einen ihrer Big Brother Awards. Der Negativpreis wird sonst eher an einzelne Firmen oder Produkte vergeben. Begründung zur Cloud: Es sei ein „Trend, Nutzerinnen und Nutzern die Kontrolle über ihre Daten zu entziehen“. Auf Twitter sorgte das vereinzelt für Spott. So fragten Nutzer beispielsweise, ob denn die Cloud ihren Preis auch abgeholt habe.

„Absolut gerechtfertigt“, sagt der schleswig-holsteinische Datenschutzbeauftragte Thilo Weichert, der vor allem als scharfer Kritiker des Online-Netzwerks Facebook bekannt ist. „Denn derzeit ist das Cloud Computing eine große rechtliche Grauzone.“

Rena Tangens vom Foebud warnt vor einer Gewöhnung an das Nichtwissen: Der Kunde wisse nicht, wo seine Daten sind, wer sie speichert und was damit geschieht. Und auch wer darauf vertraue, dass Daten, die auf Servern in Europa abgelegt werden, sicher seien, könne schnell enttäuscht werden, meint Tangens. Sobald die Betreiberfirma eine amerikanische sei, müsse sie den amerikanischen Behörden Zugriff auf die Daten auch europäischer Kunden geben. Dazu sei sie nach dem US-Antiterrorgesetz „Patriot Act“ und dem „FISA Amendments Act of 2008“ verpflichtet.

Datenschützer Weichert geht sogar noch weiter: Selbst die deutsche Telekom könne theoretisch von US-Behörden unter Druck gesetzt werden, da sie auch Filialen in den USA hat. Wer glaube, dass seine Daten von den Anbietern nicht angetastet würden, irre sich, warnt Weichert. Anbieter wie Amazon, Google oder Microsoft sichteten die ihnen anvertrauten Daten bei Bedarf, behauptet er. „Googlemail benutzt sogar die Inhalte der Mails dazu, gezielter Werbung zu platzieren.“

Vor einigen Monaten warnte auch die EU-Agentur für Netzsicherheit (Enisa), europäische Unternehmen würden zu leichtfertig mit dem Cloud Computing umgehen. Gerade mittelständische Firmen gäben dabei sensible Daten aus der Hand, sagte Enisa-Chef Udo Helmbrecht.

Die Frage, warum Menschen und Unternehmen das Cloud-Risiko eingehen, beantwortet Tangens in ihrer Laudatio so: „Vielleicht, weil sie einfach ihren Verstand ausschalten, sobald ein Angebot gratis ist.“

Das Cloud Computing, die Datenverarbeitung in der Wolke, wird in der IT-Branche schon seit Jahren als Zukunftsweg gehandelt. Die Kunden - Unternehmen und Verbraucher - mieten sich Rechner- und Speicherleistung von einem gewerblichen Anbieter. Ein Vorteil: Damit spart man sich eigene Aufwendungen und die Pflege von Hard- und Software. Und die Daten sind immer und überall auf der Welt abrufbar, wenn eine Datenleitung vorhanden ist. Anbieter wie Google, Amazon oder Apple bieten auch kostenlos Speicherplatz und Dienste für die private Nutzung an.

Es ist ein großes und schnell wachsendes Geschäft: Eine Studie im Auftrag des IT-Fachverbands Bitkom geht davon aus, dass in diesem Jahr mit Cloud Computing in Deutschland ein Umsatz von 5,3 Milliarden Euro anfällt. Bis 2016 soll es ein Marktvolumen von 17 Milliarden Euro werden.

Weicherts Unabhängiges Landeszentrum für Datenschutz (ULD) in Schleswig-Holstein will derzeit eine Antwort auf die Frage geben, ob es vertrauenswürdige Cloud-Dienste überhaupt geben könne. Das dreijährige Projekt „TClouds“ läuft noch bis September 2013 und wird von der EU gefördert. „Wir arbeiten etwa an Verschlüsselungstechniken, bei denen nur der Kunde den Schlüssel in der Hand hat und nicht der Cloud-Anbieter.“

Von

dpa

Kommentare (5)

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Holzauge

13.04.2012, 20:10 Uhr

Nee, echt ?

wenn ich fremden Leuten meine Daten geben machen die vielleicht etwas damit was mir nicht gefällt ?

Aber ist doch soooooooooo billig...

Account gelöscht!

14.04.2012, 04:31 Uhr

@Holzauge

Als ich COBOL lernte bei einem Lehrer, der sich halb freggd lachte, als ich ihm erzählte, es gäbe so etwas wie "Viren" (hätte ich in der "datenschleuder" gelesen) ... also in reichlich fernen Tagen, da wurde ein Konzept angepriesen, das es erlauben sollte, den Rechner zu starten und alle Programme von den Servern in fernen Rechenzentren zu laden ...

Das war damals schon eine SAUBLÖDE Idee und ich wüsste nicht, was sich in den letzten 20 Jahren in der Sache geändert hätte. Es ist immer noch eine saublöde Idee.

Aber Sie haben Recht: Es ist sooooo billig. Und soooo bequem. Alle machen es ...

Es war ja auch eine klasse Idee, die Softwareentwicklung für Lufthansa nach Indien auszulagern ...

Orwell

14.04.2012, 09:16 Uhr

Das Netz ist ein elektronischer Frankenstein, zusammengebastelt von verrückten Wissenschaftlern und Kriminellen.
Dem Frankenstein-Monster inne wohnt eine hypnotische Kraft, mit der es das Bewußtsein seiner Schöpfer schwächt und sich nutzbar macht. Auf diese Weise hat es den gesamten Planeten unterworfen. Denn die Borg (Nutzer+Schöpfer) beschützen es mit ihrem Leben und arbeiten stetig an seinem Aufbau, damit es exponentiell wachsen kann und sich seine Macht in jeder Sekunde vergrößt.
Frankentein hat sich den Zugriff verschafft auf alle kritischen Bereiche des Lebens und es läßt sich nicht mehr abschalten. Davor stehen die Borg, die es mit ihrem Leben beschützen.

Wie sehr das elektronische Monster ins Leben eingreift und die Kritikfähigkeit einäschert, erkennt man leicht am dem grassierenden Werbe- und Handy-Wahnsinn. Die Borg müssen sich auf Schritt und Tritt mit ihren Chips an den elektronischen Schaltstellen an- und abmelden. Die äußere Borgkaste bekommt Treuepunkte, die es in wertlosen Konsumschrott eintauschen kann, die innere läßt es die Spur markieren über die Elektronik, sammelt Daten und kann sie damit unter Druck halten.
Es versorgt sie auf der Straße mit wummernden Geräuschen und sinnlosem Geflimmer und hält sie so in süchtiger Abhängigkeit.

Wer früher nicht wahrhaben wollte, daß die Menschheit ein Irrläufer der Natur ist und völlig s c h a c h s i n n i g, der weiß es jetzt, vorausgesetzt er hat innerlich dem Wahnsinn gekündigt und äußerlich die Schnittstellen.
Entziehen kann man sich allerdings nicht, denn die Augen und Ohren Frankensteins sind überall und die Borg ständig auf dem Sprung.

Und es läßt sie nicht im unklaren über seine Absichten. Via Hollywood läßt es elektronische Monster auferstehen, welche sein blutiges Vorhaben ankündigen.

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