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08.02.2005

08:43 Uhr

Boomende DSL-Technik funktioniert nur auf Kupferkabeln

Warten auf das Megabit-Zeitalter

VonKatharina Slodczyk

Schnelle Internetanschlüsse via DSL-Technik werden zum Massenmarkt, aber nicht überall. Insgesamt sind neun Prozent der knapp 38 Millionen Telefonanschlüsse in Deutschland vom Multimedia-Zeitalter abgeschnitten. Weite Teile der neuen Bundesländer sind betroffen.

DÜSSELDORF. Die Stadt lobt sich auf ihren Internetseiten recht kräftig: Da ist von „optimalen Verkehrs- und Autobahnverbindungen“ die Rede, von einem „High-Tech-Standort“ und „gefragten Logistikstandort“, kurzum: Bingen am Rhein „erfüllt neue Standortanforderungen in einem sich abzeichnenden wirtschaftlichen Strukturwandel“. Nur eines bleibt unerwähnt und das trübt das Bild der Stadt. Das Internet funktioniert dort in einer für das 21. Jahrhundert kaum mehr akzeptablen Geschwindigkeit: Denn die Deutsche Telekom bietet in der Innenstadt des historischen Städtchens keine DSL-Anschlüsse an. „Das Herunterladen von Dateien dauert daher extrem lang und wird sehr teuer“, klagt Kay Diels, Geschäftsführer der Werbeagentur CMP. „Das macht Kunden gegenüber natürlich keinen besonders professionellen Eindruck.“

In Bingen ist die fehlende Datenautobahn längst ein Politikum – in der Stadt regt sich zunehmend Kritik an der Telekom. „Für uns ist das ein enormer Wettbewerbsnachteil“, sagt FDP-Ratsmitglied Hasso Mansfeld. Es verhindere, dass sich Unternehmen ansiedeln, Bürogebäude würden faktisch unvermietbar.

Die Bürger mobilisierten daher ihre CDU-Bundestagsabgeordnete Ute Granold, einen Brief an Telekom-Chef Kai-Uwe Ricke zu schreiben: „In der heutigen globalisierten Welt ist es von höchster wirtschaftlicher Bedeutung, schnell und kostengünstig auf große Datenmengen zugreifen zu können“, schrieb Granold, die die schnellstmögliche Verlegung von DSL überdies als „moralische Verpflichtung“ der Telekom sieht.

Bingen ist längst nicht die einzige DSL-freie Zone in Deutschland. Weite Teile der neuen Bundesländer sind betroffen, und auch viele Ortsnetze in der alten Bundesrepublik, etwa in Siegen, Hannover, Celle und Berlin. Insgesamt sind neun Prozent der knapp 38 Millionen Telefonanschlüsse in Deutschland vom Multimedia-Zeitalter abgeschnitten. Geht man pro Anschluss von einem Haushalt mit zwei Personen aus, „haben fast acht Millionen Menschen in Deutschland kein DSL, was in etwa der Bevölkerung von Österreich entspricht“, rechnet Mansfeld vor.

Sie alle leben in Gegenden, in denen die Telekom in den 90er Jahren statt der bewährten Kupferstrippen 140 000 Kilometer Glasfaserleitungen verlegte – eine folgenschwere Entscheidung: Denn die boomende DSL-Technik, die inzwischen sechs Millionen deutsche Haushalte nutzen, funktioniert nur auf Kupferkabeln. Wo es die nicht gibt, müssen die Glasfasernetze mit einer Zusatztechnik für DSL aufgerüstet oder neue Kupferkabel verlegt werden – beides kostet viel Geld und Zeit. Hinzu kommt: In einigen ländlichen Regionen ist auch die Kupferleitung nicht geeignet, große Datenmengen sicher zu transportieren.

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