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26.01.2007

07:44 Uhr

Branche sorgt sich um die Cebit

Nie mehr wie früher

VonLothar Schnitzler
Quelle:WirtschaftsWoche Online

Der größten Computermesse der Welt laufen die Aussteller davon. Jetzt will Cebit-Chef Ernst Raue die Ausstellung retten, indem er das Profil der Austellung als Geschäftskundenmesse deutlicher macht.

Die Cebit schrumpft. Foto: dpa Quelle: dpa

Die Cebit schrumpft. Foto: dpa

Chaostage in Hannover. Mehr als 100 000 Menschen drängeln sich Tag für Tag in den Gängen der Messe - Schüler, Internetgründer, Einkäufer, Informatikprofessoren. Durchkommen ist Glücksache. Konzernbosse verspäten sich auf dem Weg zu ihren Präsentationen, Lieferanten verfehlen Kundentermine, Journalisten verpassen Interviews. Und doch haben alle das Gefühl dabei sein zu müssen. Denn Jahr für Jahr schlug das Herz der Computerwelt im März eine Woche lang in Hannover. Tage, die keiner, der sich vom Internet, der Telefonie oder der Chipentwicklung lebte oder faszinieren ließ, vermissen wollte.

Bis zur Cebit im März 2001 war diese Welt in Ordnung. Die Erosion der Technologiewerte an der Börse hatte gerade erst eingesetzt, die Türme des World Trade Centers standen noch. Die Cebit 2001 war die größte Messe in der Geschichte der Menschheit, eine Stadt in der Stadt: 840 000 Besucher, mehr als 80 000 Mitarbeiter auf Ständen, in Restaurants und Messebetrieben, sowie 10 000 Journalisten aus aller Welt. Viele der 8100 Aussteller waren froh, dass sie überhaupt einen Standplatz erhalten hatten - auch wenn sie nur in einem der schnell errichteten Provisorien untergekommen waren. Damals musste die Messe Anfragen für 60 000 Quadratmeter abweisen.

Vorbei, vergangen. Ein Jahr später, 2002, war die IT-Krise auf der Cebit angekommen. Weniger Besucher, weniger Stände, weniger Chaos, weniger Geschäft. Zuerst trösteten sich Messeleute in Hannover mit dem Gedanken, dass auch diese Krise wie jede andere von endlicher Dauer sei. Doch dann bröckelten die Standanmeldungen und Besucherzahlen über mehrere Jahre. Im vergangenen Jahr sank die Besucherzahl fast auf die Hälfte des Niveaus von 2001, die vermieteten Standflächen gingen um rund ein Drittel zurück.

Dabei hatte es in den vergangenen drei Jahren jeweils so ausgesehen, als ob die Talsohle erreicht sei. Die Zahl der Aussteller hielt sich leidlich stabil bei knapp über 6000, die vermietete Fläche bei 300 000 Quadratmetern. Für Ernst Raue, im Vorstand der Deutschen Messe AG für die Cebit zuständig, schien das Schlimmste schon überstanden. Doch dann häuften sich im » Vorfeld der diesjährigen Cebit die Hiobsbotschaften: Der finnische Mobiltelefonbauer Nokia, der amerikanische Telefonkonzern Motorola, der südkoreanische Elektronikhersteller LG Electronics und der chinesische Computerproduzent Lenovo kündigten an, in diesem Jahr nicht mit eigenen Ständen auf der Cebit vertreten zu sein. Ergebnis der Messeflucht: 15 Prozent weniger Fläche kann Cebit-Chef Raue im März vermieten.

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