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21.01.2006

17:44 Uhr

Branchenvertreter

Digitale Musik verdrängt die CD

Der derzeitige Boom bei digitaler Musik wird nach Einschätzung führender Branchenvertreter die seit Jahren unter Umsatzverlusten leidende Musikindustrie bald wieder wachsen lassen. Sie prophezeien schon jetzt das Ende der CD.

HB CANNES. „Das Wachstum der digitalen Musik wird schneller sein als die Verluste im CD-Geschäft. Der Markt insgesamt wird wieder größer“, sagte der Chef des britischen Plattenriesen EMI, Eric Nicoli, am Samstag im südfranzösischen Cannes. Er bestätigte die Prognose, dass bis zum Jahr 2010 der Umsatz mit Musik aus dem Internet oder für das Mobiltelefon auf ein Viertel des Gesamtumsatzes der Plattenfirmen steigen könnte.

Im vergangenen Jahr machten die Plattenfirmen mit digitaler Musik weltweit einen Umsatz von etwa 1,1 Milliarden Dollar (rd. 0,90 Mrd Euro); das entspricht einem Gesamtmarktanteil von bis zu sechs Prozent - eine Verdreifachung zum Vorjahr.

Dave Goldberg, verantwortlich für den Musiksektor beim US-Internetdienst Yahoo!, sieht im digitalen Vertrieb von Musik die einzige Zukunft. „In zehn Jahren ist die CD tot“, sagte er am Rande der Musik-Internet-Konferenz Midemnet in Cannes, die der internationalen Musikmesse Midem (22.-26.1.) vorgeschaltet ist. Auch die Musikindustrie habe dies erkannt. „Jetzt redet man endlich darüber, wie die CD ersetzt werden kann. Vor zwei bis drei Jahren haben die meisten noch versucht, die CD gegen digitale Musik zu verteidigen.“

Der späte Einstieg in den digitalen Markt und das massenhafte Raubkopieren und illegale Tauschen von Musikdateien hat der Branche große Einbußen gebracht. Seit Ende der 90er Jahre verloren die Plattenfirmen weltweit mehr als 20 Prozent ihres Umsatzes, in Deutschland waren es sogar über 40 Prozent. Mit Musikdownload-Shops wie iTunes von Apple oder auch Musik- Abonnementservices wie Napster habe die Branche erst in den vergangenen zwei Jahren angefangen, das illegale Geschäft in ein legales umzuwandeln, sagte Nicoli. „Wir stehen noch ganz am Anfang.“

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