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28.01.2004

08:30 Uhr

Brüssel will Spam-Flut eindämmen

EU sagt elektronischem Müll den Kampf an

Die EU-Kommission will Unternehmen und Verbraucher besser vor unerwünschten E-Mails schützen. Der Anteil so genannter „Spams“ habe Ende 2003 mit 52 % aller elektronischer Nachrichten ein Besorgnis erregendes Ausmaß erreicht, sagte der für Unternehmen zuständige EU-Kommissar Erkki Liikanen in Brüssel.

ebo BRÜSSEL/PRAG. Mit der Werbeflut gehe ein Produktivitätsverlust von rund 2,5 Mrd. Euro einher, weil immer mehr Zeit für das Sichten der Mails vergeudet wird. Außerdem werde das Vertrauen ins Internet und seine kommerzielle Nutzung unterwandert – dabei brauche Europa mehr und nicht weniger E–Commerce.

„Heute morgen habe ich schon 72 Spams in meinem Computer gezählt“, erläuterte Liikanen das Problem, das auch vor EU-Kommissaren nicht halt macht. Doch mit der zeitraubenden Beseitigung elektronischen Mülls soll bald Schluss sein. Bis zum Ende des Jahres will die EU-Kommission die Spam-Flut eindämmen – oder zumindest ein weiteres Anschwellen verhindern.

Liikanen setzt dabei auf ein ganzes Bündel von Maßnahmen. Dazu gehört eine freiwillige Selbstregulierung der Industrie ebenso wie eine bessere Information der Verbraucher. Die Programme zum Filtern von E–Mails müssten verbessert, die Nutzer besser informiert werden, heißt es in Brüssel.

Vor allem aber dringt die EU-Kommission auf die Umsetzung des europaweiten Spam-Verbots. Eine entsprechende EU-Richtlinie war bereits im Juli 2002 erlassen worden und hätte spätestens Ende Oktober 2003 umgesetzt werden müssen. Acht Mitgliedstaaten, darunter Deutschland, sind in Verzug und sollen nun wirksame Strafen gegen die Absender einführen. „Gesetze allein bringen die Spam-Flut nicht zum Stehen“, mahnt Liikanen.

Außerdem will die Kommission international aktiv werden. Mindestens 80 Prozent der Mails stammen von Übersee, davon ein Großteil aus den USA. Die EU plant daher Gespräche mit der US-Regierung. Schließlich sollen mögliche Lösungen im Rahmen der OECD gesucht werden. Sollte die Spam-Flut bis Ende 2004 nicht nachlassen, will die Kommission eine härtere Gangart prüfen. Eine „Spam-Polizei“ sei aber nicht geplant, wiegelt Liikanen ab.

Unterdessen bekannte Microsoft-Chef Bill Gates Reue wegen des elektronischen Mülls. Er fühle sich mitschuldig am mangelhaften Schutz vieler Computer vor Viren und Spams, sagte der Manager am Dienstag in Prag. Zuvor hatte Gates das Ende der Mail-Probleme innerhalb von anderthalb Jahren prophezeit. Microsoft habe bereits mehrere Lösungen entwickelt, so Gates. Doch nur jeder fünfte Nutzer mache sich die Mühe, vorhandene Schutzprogramme zu aktualisieren.

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