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09.10.2011

12:28 Uhr

Bundestrojaner

Achtung! Dilettanten am Werk!

VonStephan Dörner

Der Bundestrojaner ist eine Katastrophe. Und das nicht nur, weil die staatseigene Schadsoftware verfassungswidrig ist - sondern jeder drittklassige Online-Shop sicherer ist als das Schnüffelprogramm. Ein Kommentar.

Mitglieder des Chaos Computer Clubs (CCC) haben eine staatseigene Schadsoftware analysiert. Das Ergebnis ist erschreckend. dpa

Mitglieder des Chaos Computer Clubs (CCC) haben eine staatseigene Schadsoftware analysiert. Das Ergebnis ist erschreckend.

Der Computer ist heute Tagebuch, Notizblock, Bankschalter, Briefkasten und Telefon in einem. Die auf unseren digitalen Lebensmittelpunkt gespeicherten Daten entlarven sexuelle Präferenzen, Einkommen und intimste Gedanken. Es ist daher kein Wunder, dass das Bundesverfassungsgericht dem Begehren des Staates, in diesen Intimbereich aus Straferfolgszwecken einzudringen, sehr enge Grenzen aufzeigte. 

Die Analyse von Schadsoftware des Chaos Computer Clubs, die mit hoher Wahrscheinlichkeit von staatlichen Stellen eingesetzt wurde, zeigt, dass diese Grenzen bewusst missachtet wurden: Der Trojaner ermöglicht weit mehr, als verschlüsselte Internet-Telefongespräche abzuhören – das letzte Schlupfloch für staatliche Überwachung auf dem PC, welches das Bundesverfassungsgericht den Strafverfolgern zubilligt. Über den Trojaner lässt sich beliebiger Code auf dem PC ausführen, über Screenshots lässt sich jeder Schritt des Benutzers überwachen.

Besucher des Jahreskongresses des Chaos Computer Clubs (CCC). Die Hacker haben eine staatseigene Schadsoftware analysiert. Das Ergebnis ist erschreckend. dpa

Besucher des Jahreskongresses des Chaos Computer Clubs (CCC). Die Hacker haben eine staatseigene Schadsoftware analysiert. Das Ergebnis ist erschreckend.

Allerdings offenbart die Analyse nicht nur eine offensichtlich niedrige Achtung vor der Verfassung und des höchsten deutschen Gerichts. Sie zeigt darüber hinaus technische Inkompetenz in einem Ausmaß, das sich selbst die größten Kritiker des „Bundestrojaners“ wohl nicht ausgemalt hätten.

Die Daten jedes drittklassigen Online-Shops werden bei der Übertragung besser gesichert, als die vom Staats-Trojaner gesammelten Beweismittel. Statt echter Verschlüsselung kommt nur eine stümperhaft umgesetzte Verschleierung der Daten zum Einsatz. Die forensische Beweiskraft von auf diese Art gesammelter Dokumente ist mehr als zweifelhaft. Und als wäre das nicht genug, laufen die Datenströme auch noch um die halbe Welt über einen Server in den USA.

Kommentare (25)

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Manilensis

09.10.2011, 12:49 Uhr

Mal ganz ehrlich - wer hatte denn etwas anderes als technische Inkompetenz erwartet? In der Ökonomie sieht es doch nicht anders aus......

Computerexperten gehen in die freie Wirtschaft und nicht auf eine A10 Planstelle.

Account gelöscht!

09.10.2011, 13:31 Uhr

Wundert mich nicht!
Es sind doch nur noch die Flaschen, die ein sicheres Einkommen in Politik und im höheren Dienst der Beamten suchen. Im besonderen sind dies Juristen denen in der freien Wildbahn der Untergang droht.

Willie

09.10.2011, 13:37 Uhr

Der Staat ist technisch gefährlich inkompetent...

Exakt so ist das wohl. Das eklatanteste Beispiel der jüngsten Vergangenheit dafür ist der unwissenschaftliche und panikatige Ausstieg aus der Kernkraft !

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