Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

27.12.2011

08:02 Uhr

CCC-Kongress

Hacker begeben sich hinter feindliche Linien

Kurz nach Weihnachten lädt der Chaos Computer Club zu seinem Jahreskongress, diesmal unter dem Motto „Behind enemy lines“. Es geht um Netzpolitik, Datenschutz - und natürlich darum, Systeme zu hacken.

BerlinKrieg und Frieden liegen beim Chaos Computer Club (CCC) nur ein Jahr auseinander. Als der Hacker-Verein 2010 zu seinem Kongress lud, hieß das Motto noch „We come in peace“: Wir kommen in Frieden. Dieses Jahr lautet die Losung dagegen „Behind enemy lines“ - hinter Feindeslinien. Trotz solcher rhetorischer Unterschiede erwartet die Besucher beim 28. Chaos Communication Congress (28C3) ab dem 27. Dezember aber die gewohnte Mischung aus Netzpolitik, angewandtem Hacken und nerdiger Abendunterhaltung.

Das Motto ist bewusst mehrdeutig gewählt. Zum einen spiele es auf die zunehmende Diskussion über „Cyberwar“ an, erklärt CCC-Sprecherin Constanze Kurz - die Fortsetzung kriegerischer Auseinandersetzungen im Internet. Zum anderen klingt durch, dass manche Hacker in einem Graubereich handeln. „Es gibt viele, die sich hinter den feindlichen Linien bewegen“, sagt Kurz - auch wenn sich der CCC zu den Guten zählt und eine Hacker-Ethik hat. Noch so eine Feindeslinie, die sich 2011 aufgetan hat: der Kampf gegen staatliche Schnüffelsoftware wie den Staatstrojaner.

Am ersten von vier Kongresstagen steht die Netzpolitik im Mittelpunkt. Den Auftakt gibt Evgeny Morozov. Der Weißrusse ist dafür bekannt, dass er das Potenzial des Internets für die Demokratie skeptisch sieht. Beim CCC will er darüber sprechen, wie Diktatoren Technologien aus dem Westen nutzen, um ihr Volk zu überwachen und zu unterdrücken. Titel: „Marriage from hell“ - eine Ehe aus der Hölle.

Ein Besucher des Chaos Communication Congress in Berlin. Die Veranstaltung ist eine Art alljährliches „Klassentreffen“ der Hacker in Deutschland. Reuters

Ein Besucher des Chaos Communication Congress in Berlin. Die Veranstaltung ist eine Art alljährliches „Klassentreffen“ der Hacker in Deutschland.

„Wir werden außerdem intensiv über den Staatstrojaner reden, das ist uns sehr wichtig“, sagt Kurz. Dabei gehe es um technische wie um rechtliche Fragen. Der CCC will unter anderem einen Forderungskatalog für den Umgang mit staatlicher Schnüffel-Software aufstellen. Weitere Themen: Datenschutz in allen Variationen; Netzneutralität - also die Forderung, alle Daten im Internet ohne Diskriminierung zu übertragen; aber auch Pressefreiheit.

Breiten Raum nimmt traditionell die IT-Sicherheit ein. Websites, Handys oder auch Züge und Industrieanlagen werden auf Schwachstellen abgeklopft, sowohl in Vorträgen als auch beim gemeinsamen Hacken.

Chaos Computer Club: Die guten Hacker werden 30

Chaos Computer Club

Die guten Hacker werden 30

Von Kellerbastlern zu Politikberatern – der Wandel des Chaos Computer Clubs spiegelt die Geschichte der Bundesrepublik Deutschland. Am Montag werden die „guten Hacker“ 30.

Für viele Hacker ist das Klassentreffen des CCC Pflichtprogramm. Kein Wunder, dass die Karten fürs Berliner Congress Centrum bereits weitgehend ausverkauft sind. Es soll zwar noch einige Tages- und Abendkarten geben, doch CCC-Sprecherin Kurz macht spontanen Besuchern wenig Hoffnung: „Wir würden niemanden empfehlen, auf gut Glück zu kommen.“ Allenfalls für Hacker aus Berlin sei das ein Versuch wert.

In etlichen Städten gibt es aber Partys, auf denen sich Fans die Übertragung via Internet gemeinsam anschauen. „No nerd left behind“, lautet das Motto. Per Twitter oder Chat können sich die Zuschauer aus der Ferne zu Wort melden. Auch im Ausland gibt es einige Treffen. Wer lieber zu Hause bleibt, kann auch am PC den Live Stream anschauen.

Von

dpa

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×