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03.03.2014

10:44 Uhr

Cebit-Chef Oliver Frese

„Big Data nutzt den Menschen“

VonChristof Kerkmann

Jugend forscht – auch auf der Cebit: Die IT-Messe will Schüler und Studenten anlocken, um sie für Technologie zu begeistern. Messechef Oliver Frese hofft zudem auf einen Nebeneffekt: Endlich wieder mehr Besucher.

Cebit-Chef Frese: „Mit dem Motto haben wir einen Nerv getroffen.“ dpa - picture-alliance

Cebit-Chef Frese: „Mit dem Motto haben wir einen Nerv getroffen.“

DüsseldorfBig Data klingt seit den Enthüllungen von Edward Snowden gleich auch nach Big Brother. Dem will die Cebit etwas entgegensetzen: Die IT-Messe, die vom 10. bis 14. März wieder ihre Tore öffnet, setzt den verantwortungsvollen Umgang mit großen Datenmengen auf die Agenda. Messechef Oliver Frese berichtet im Interview, warum auch die amerikanischen Anbieter diese Diskussion unterstützen und wie er die zuletzt sinkenden Besucherzahlen wieder steigern will.

Das Motto der Cebit lautet in diesem Jahr „Datability“. Was soll das heißen?
Datability beschreibt die Fähigkeit, verantwortungsvoll und nachhaltig mit großen Datenmengen umzugehen. Das „Data“ stammt aus dem Wort „Big Data“, das „-bility“ aus „responsibility“ und „sustainability“, also Verantwortung und Nachhaltigkeit. Wir haben mit Markforschern und den wichtigsten Ausstellern geredet, das einhellige Bild: Big Data wird das Top-Thema. Aber wir legen mit Datability den Fokus auf die großen Möglichkeiten, die in Big-Data-Anwendungen stecken.

Englische Werbeslogans werden manchmal missverstanden. Verstehen die Besucher Ihr Motto?
Mit der Erklärung wird klar deutlich, worum es geht. Was wir bislang an Reaktionen bekommen haben, zeigt uns auch, dass wir einen Nerv getroffen haben. Zumal Datability nicht ohne Datensicherheit geht. Gerade das ist nach den Enthüllungen von Edward Snowden eines der zentralen Diskussionsthemen. Datability wird sich wie ein roter Faden durch die ganze Messe ziehen.

Wie kann denn Big Data trotz aller Bedenken sinnvoll genutzt werden?
Big Data kann einen konkreten Nutzen für den Menschen stiften. Wenn wir beispielsweise das Verkehrsmanagement in Stockholm anschauen: Da werden Verkehrs- und Wetterdaten, aber auch Informationen über Unfälle ausgewertet. Wenn im Ergebnis 20 Prozent weniger Verkehr und um 50 Prozent kürzere Fahrtzeiten möglich sind, ist das zum Nutzen der Menschen. Oder im Handel: Wenn der Händler Produkte passend zu meinem Einkaufsverhalten empfehlen kann, ist das eine Erleichterung im täglichen Leben. Big Data kommt auch in der Medizin zum Einsatz, beschleunigt Diagnosen und Behandlung erheblich, oder etwa in der Energiewirtschaft bei der Steuerung intelligenter Energienetze.

Viele Menschen haben Angst, dass sie gläsern werden. Wie kann man denn dafür sorgen, dass das Werkzeug Big Data für die Menschen eingesetzt wird, nicht gegen sie?
Wichtig ist, dass es eine Sensibilisierung für das Thema Datensicherheit gibt. Deswegen ist die Cebit als weltgrößte IT-Messe so relevant: Hier trifft Industrie auf Politik, hier setzen sich die Branchengrößen an einen Tisch und diskutieren. So kann man die Rahmenbedingungen für den Umgang mit großen Datenmengen besprechen. Wichtig ist auch der aufklärerische Aspekt: Welches Potenzial steckt darin? Bei vielen Anwendern gibt es Diskussionsbedarf.

Innerhalb des Branchenverbandes Bitkom gibt es erhebliche Dissonanzen zwischen deutschen und amerikanischen IT-Unternehmen. Wie hat die Branche den Schwerpunkt aufgenommen?
Ich habe mit unseren Partnern und Ausstellern des Cebit-Messeausschusses und darüber hinaus mit sehr vielen Unternehmen in der ganzen Welt über das Messemotto gesprochen, alle haben gesagt: Ja, das ist das richtige Thema. Als Messemanager führen wir aber keine politischen Diskussionen, unsere Aufgabe ist es, eben genau den richtigen Raum dafür zu schaffen.

Cloud Computing wächst langsamer, die Skepsis ist erheblich. Wie können die Aussteller Vertrauen schaffen?
Die Aussteller laden ihre Kunden ein, suchen gezielt den Dialog - gerade auch zu den kritischen Punkten. Eine Messe ist immer eine Form des begehbaren Marketings. Dementsprechend ist beispielsweise auch ein Unternehmen wie Salesforce in Hannover, das sämtliche Produkte in der Cloud anbietet. Salesforce hat die Fläche gegenüber dem Vorjahr sogar verdoppelt. Da geht es nicht nur um Produkte, sondern auch um Vertrauen.

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