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21.02.2013

14:17 Uhr

Cebit-Leitthema

Viele Firmen fürchten die Datenwolke

VonChristof Kerkmann

Vielen Unternehmen ist das Cloud Computing offenbar zu wolkig: Aus Angst vor Datenverlusten verzichten viele nach wie vor auf die IT-Dienstleistungen aus dem Netz. Dabei sind die Erfahrungen durchaus positiv.

Alles aus der Wolke: Beim Cloud Computing werden Speicherplatz, Rechenkapazitäten oder Software übers Internet bezogen. Viele Unternehmen stehen diesen Diensten aber skeptisch gegenüber. dpa

Alles aus der Wolke: Beim Cloud Computing werden Speicherplatz, Rechenkapazitäten oder Software übers Internet bezogen. Viele Unternehmen stehen diesen Diensten aber skeptisch gegenüber.

Cloud Computing polarisiert die deutsche Wirtschaft: Aus Angst vor Datenverlusten verzichten viele Unternehmen in Deutschland auf IT-Dienstleistungen aus dem Internet. Wer sie verwendet, berichtet aber von überwiegend positiven Erfahrungen. Das geht aus der Studie Cloud-Monitor 2013 hervor, die der Technologie-Branchenverband Bitkom und die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG in Auftrag gegeben haben.

Demnach nutzen acht von zehn Firmen keine IT-Dienstleistungen aus dem Netz – der Public Cloud – und diskutieren das derzeit auch nicht. Von den Cloud-Verweigerern nennen 79 Prozent die Angst um ihre Daten als Hürde. 54 Prozent meinen, dass solche Dienste nicht zu ihrer Firmenkultur passen, 51 Prozent führen die Angst vor dem Verlust von IT-Know-how an, 49 Prozent die unklare Rechtslage, 43 Prozent zweifeln am Nutzen.

Vor- und Nachteile des Cloud Computing

Kosten

Wenn ein Unternehmen seine Kundendatenbank nicht im eigenen Rechenzentrum pflegt, sondern einen Online-Dienst wie Salesforce.com nutzt, spart es sich Investitionen in die Infrastruktur. Die Abrechnung erfolgt außerdem zumeist gestaffelt, zum Beispiel nach Nutzerzahl oder Speicherverbrauch. Geschäftskunden erhoffen sich dadurch Kosteneinsparungen.

Skalierbarkeit

Wer Speicherplatz im Netz mietet, kann flexibel auf die Nachfrage reagieren und den Bedarf unkompliziert und schnell erhöhen oder versenken. Wenn beispielsweise ein Startup rasant wächst, fährt es einfach die Kapazitäten hoch. Somit fallen auch niedrige Fixkosten an.

Einfachheit

Die Installation auf den eigenen Rechnern entfällt. Damit lässt sich ein neues System äußerst schnell einführen. Auch die Updates bereiten keine Probleme mehr, somit sinkt der Administrationsaufwand. Allerdings lassen sich die Cloud-Dienste in der Regel auch nicht so individuell konfigurieren.

Ortsunabhängigkeit

Zur Nutzung der Cloud-Dienste benötigen Mitarbeiter lediglich einen Internetanschluss – unabhängig von ihrem Aufenthaltsort und dem Gerät, das sie nutzen.

Sicherheit

Die Daten-Dienstleister werben damit, dass sie sich intensiver mit der IT-Sicherheit beschäftigen als einzelne Nutzer oder Unternehmen. Allerdings sind die Rechenzentren der Cloud-Anbieter aufgrund der große Datenmenge auch ein attraktives Ziel für Angreifer von Hackern. Auch Geheimdienste zeigen großes Interesse. Zudem ist von außen schwer nachzuvollziehen, ob der Anbieter die Daten ausreichend vor den eigenen Mitarbeitern schützt. Die Auslagerung bedeutet somit einen Kontrollverlust.

Abhängigkeit

Viele Unternehmen sind von ihrem Dienstleister abhängig, weil sie nicht ohne weiteres zu einem anderen Anbieter wechseln können. Das liegt etwa daran, dass sie ihre Systeme aufwendig an die Schnittstellen anpassen müssen. Auch Nutzer haben oft Schwierigkeit, wenn sie mit ihren Daten den Anbieter wechseln wollen. Eine weitere Frage: Was ist, wenn der Betreiber eines Dienstes pleite geht? Erst wenn es Standards gibt, die den Wechsel von einem zum anderen Dienstleister ermöglichen, sinkt die Abhängigkeit.

„Es gibt immer noch viele Vorbehalte gegen die Public Cloud, von denen die meisten unbegründet sind“, sagte Bitkom-Präsident Dieter Kempf. Vor allem kleine und mittelständische Unternehmen könnten mit Cloud-Lösungen in der Regel ein deutlich höheres Sicherheitsniveau erreichen als mit in Eigenregie betriebenen IT-Systemen, sagte Kempf.

Immerhin 10 Prozent der Unternehmen nutzen derzeit Public-Cloud-Dienste, weitere 11 Prozent erwägen eine Einführung – deutlich mehr als noch 2012. Für die Studie hatte das Marktforschungs- und Beratungsunternehmen PAC 436 Unternehmen in Deutschland mit mindestens 20 Mitarbeitern befragt. Die Umfrage ist den Angaben zufolge repräsentativ für die Gesamtwirtschaft.

Beim Cloud Computing werden Speicherplatz, Rechenkapazitäten oder Software nicht auf einem lokalen Rechner bereitgehalten, sondern als Dienstleistung über das Internet bezogen. Der Begriff leitet sich von schematischen technischen Darstellungen dieser Dienste ab, bei der die einzelnen Services als Kreise gezeichnet werden, die zusammen dann ein Wolkensymbol ergeben. Die IT-Branche hegt hohe Erwartungen an diesen Paradigmenwechsel, auch auf der Cebit Anfang wird die IT aus der Steckdose eine große Rolle spielen.

Kommentare (4)

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Account gelöscht!

21.02.2013, 14:44 Uhr

Warum die eigenen Daten nicht gleich der Konkurrenz offen legen? Besonders, wenn die Server in den USA stehen und US-Firmen gehören. Jeder ist käuflich.

Und Privatpersonen sollten besonders acht geben. Mutti sagte doch kürzlich, daß der Zugriff auf die Cloud-Daten seitens des Staates denkbar sei, zur Terrorismusbekämpfung - versteht sich.

Was würden wir nur ohne dir Terroristen machen?

HartmutPohl

22.02.2013, 11:28 Uhr

Die 80% der Unternehmen mit Angst vor Datenverlusten in der Cloud hat erfahrungsgemäß völlig recht - denken Sie nur an die vielen veröffentlichten Crashs mit 100% Datenverlust! Schön ist, dass sich Cloud-Anbieter mit IT-Sicherheit intensiver beschäftigen. Nur was beschäftigt sie denn da? Ist die Cloud-Verwaltungssoftware unter Sicherheitsaspekten überprüft worden? Selbst wenn ihre Daten in der Cloud verschlüsselt sind: Haben Sie einmal das Verschlüsselungsverfahren unter die Lupe genommen: Ist der Key lang genug, wird er wirklich mal gewechselt? Dokumentation ist geduldig – so etwas muss wirklich sorgfältig geprüft werden, bevor Daten outgesourced werden können!
Hartmut Pohl

hermann.12

25.02.2013, 15:09 Uhr

Ich würde niemals relevante firmendaten der cloud anvertrauen. Es sit wie inder lebensmittelbranche, irgenwann merkt ein Schlaummeier, das es nicht direkt auffällt, wenn was anderes drin ist als draufsteht. Für die Cloud heisst dass, das der der die Daten hat auch potentiell über die Macht verfügt.
Und da Missbrauch nicht grundsätzlich ausgeschlossen werden kann wird dieser um so wahrscheinlicher, je erfolgreicher die Cloud ist.
Bei privaten Daten ist das nur bedingt ein Risiko, siehe Facebook. Da viel Privates von begrenztem statistischem Wert ist, was der Grund ist, warum die Auguren wieder zunehmend falsch liegen.

H.

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