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05.03.2013

06:31 Uhr

Cebit-Motto Shareconomy

Ich will nicht teilen!

VonChristof Kerkmann

Die Technologie-Branche ruft auf der Cebit die „Shareconomy“ aus und propagiert das Teilen übers Internet. Über Schwierigkeiten redet sie dabei aber nicht – und auch nicht über die Lust am eigenen Besitz. Ein Kommentar.

Bei der Eröffnungsfeier der weltweit größten Computermesse Cebit stand das Thema Teilen im Mittelpunkt. dpa

Bei der Eröffnungsfeier der weltweit größten Computermesse Cebit stand das Thema Teilen im Mittelpunkt.

HannoverBitkom-Präsident Dieter Kempf selbst hat noch so seine Zweifel. Menschen seines Geburtsjahrgangs, meinte der 60-Jährige, hätten es nicht so mit dem Teilen im Internet. Doch davon ließ er sich nicht weiter irritieren und verkündete zum Auftakt der Cebit: „Wir wechseln von einer Welt des Besitzens in eine Welt des Teilens.“

Hätte Kempf doch mehr auf sein Bauchgefühl gehört! Denn das Messemotto „Shareconomy“, das diesen Trend auf den Punkt bringen soll, lässt nicht nur für ihn viele Fragen offen.

Die Cebit im Überblick

Eröffnung mit Merkel

Die Cebit wird am 19. März von Bundeskanzlerin Angela Merkel und den japanischen Premierminister Shinzō Abe eröffnet. Japan ist in diesem Jahr Partnerland der Messe, mehr als 100 Institutionen und Firmen aus dem Land der aufgehenden Sonne kommen. Der japanische Zentralstand ist in den Hallen 4 und 12. 

Eine Woche Betrieb

Die Cebit 2017 beginnt mit einem Pressetag am Sonntag, 19. März. Für reguläre Besucher ist das Gelände vom 20. bis 24. März geöffnet. Die Messe betont, sich an Fachleute fürs digitale Geschäft zu richten – Schulklassen sind nicht willkommen.

Digitalisierung als Oberthema

Das Leitthema der Messe lautet erneut „d!conomy“, dieses Mal mit dem Zusatz „no limits“. Die Veranstalter wollen damit zum Ausdruck bringen, dass die Digitalisierung alle Bereiche der Wirtschaft ergreift.

Eigene Halle für Start-ups

In diesem Jahr stellen mehr 3000 Unternehmen aus 70 Ländern ihre Produkte und Neuentwicklungen vor. Darunter sind rund 400 Start-ups, für die es eine eigene Halle gibt. Die Deutsche Messe AG rechnet wie im Vorjahr mit rund 200.000 Besuchern.

Cebit als Arbeitsmarkt

So umfangreich wie noch nie ist in diesem Jahr der Bereich, bei dem Firmen um Nachwuchs werben. Allein in Deutschland sind nach Angaben des Branchenverbandes Bitkom mehr als 40.000 Stellen für IT-Fachkräfte unbesetzt. Neben einer Stellenbörse soll auch der „Recruiting Day“ am 9. März Firmen und Bewerber zusammenbringen.

Zum einen krankt es daran, dass es so schwammig ist. Der Technologie-Branchenverband Bitkom fasst unter dem Kunstbegriff Shareconomy etliche sehr unterschiedliche Dinge zusammen: das Teilen von digitalen Inhalten wie Texten, Fotos und Musik, die gemeinsame Nutzung physischer Güter, außerdem die Beteiligung an kommerziellen, kulturellen oder sozialen Projekten über das Internet.

Wer seinen Freunden bei Facebook Urlaubsfotos zeigt, ist nach Lesart des Verbandes damit genauso Teil des proklamierten Trends wie jemand, der bei Airbnb ein Zimmer vermietet oder bei Kickstarter für ein soziales Projekte Geld spendet. Auch das Cloud Computing (selbst schon mal ein – gelungenes – Leitthema der Messe), bei dem Nutzer oder Firmen beispielsweise ihre Dokumente oder Fotos online lagern, zählt der Bitkom dazu. Dabei geht es hier nicht um eine Kultur des Teilens, sondern lediglich eine effiziente Speicherung von Daten.

Weil überall irgendetwas geteilt wird, springen zahlreiche Cebit-Aussteller auf den Trend auf. Wir sind alle Shareconomy! Das lenkt jedoch den Blick ab von der eigentlichen Ökonomie des Teilens – nämlich Portalen wie Airbnb, Carzapp oder WhyOwnIt, über die Nutzer Wohnraum, Autos oder Werkzeuge zur Verfügung stellen. Im Netz-Sprech hat sich dafür der Begriff kollaborativer Konsum eingebürgert.

Kommentare (23)

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Account gelöscht!

05.03.2013, 07:06 Uhr

Natürlich stellt man seine privaten Daten weltweit zur Verfügung, um dann seine daten - natürlich im Rahmen der Terrorismusbekämpfung - von den Geheimdiensten durchleutet zu bekommen.
Wenn ich bedenke, daß es Software gibt, die z.B. Gesichter im Netz sucht, so kann ich mir vorstellen, was mit den Daten im Netz passiert.
Kürzlich hat Facebook mitgeteilt, daß keine Daten mit zu viel Haut gewünscht sind - damit zugegeben, daß alle Daten überwacht werden.
Und auch das Abmahngesinde wird nicht lange brauchen, dieses Geschäftsfeld zu entdecken. Diese Abmahnpest wird auch in Cloud und Share wüten!
Wer diese Datenüberwachung durch die Konzerne und deren Regierungen wünscht, der ist mit Cloud und Shareeconomy gut beraten.
Alle anderen sollten Ihre paar TB Daten auf dem heimischen Computer belassen, und den Zugang zum Netz verhindern. Dabei ist man gut beraten, nicht nur auf eine Softwarefirewall zu setzen.

Daniel_Berger

05.03.2013, 08:24 Uhr

Dem Bürger soll Tausch- und Mangelwirtschaft als "cool" und trendy verkauft werden. Böse Menschen könnten meinen, dass der Michel auf den kommenden Sozialismus und die damit einhergehende Kollektivierung eingestimmt werden soll.

Wolfsfreund

05.03.2013, 08:34 Uhr

"...das Teilen von digitalen Inhalten wie Texten, Fotos und Musik, die gemeinsame Nutzung physischer Güter, außerdem die Beteiligung an kommerziellen, kulturellen oder sozialen Projekten über das Internet."
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"Teilen", die neue "Sozialromantik", kreiert durch FB und Konsorten. Geht's noch? Wer meine Texte oder Bilder (auch für privat) nutzen will, hat dafür ein lizenzbasiertes Nutzungshonorar zu bezahlen und mein Privateigentum ist genau das: Eigentum. Teilen ist nicht, und schon gar nicht den Wohnraum: "My home is my castle" und Fremde haben da nichts, aber auch gar nichts zu suchen! Schon bei dem Gedanken an Fremde, an Eindringlinge in meinem Heim wird mir übel.

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