Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

11.09.2011

11:03 Uhr

Chaos Computer Club

Die guten Hacker werden 30

Quelle:Zeit Online

Von Kellerbastlern zu Politikberatern – der Wandel des Chaos Computer Clubs spiegelt die Geschichte der Bundesrepublik Deutschland. Am Montag werden die „guten Hacker“ 30.

Teilnehmer des Chaos Communication Congress in Berlin im 2010: In den meisten Fällen agieren die Hacker wie geduldige Schülerlotsen für eine Gesellschaft, in deren Alltag die Computerei einbrach. Reuters

Teilnehmer des Chaos Communication Congress in Berlin im 2010: In den meisten Fällen agieren die Hacker wie geduldige Schülerlotsen für eine Gesellschaft, in deren Alltag die Computerei einbrach.

BerlinManchmal ist das Pseudonym der bessere Name. „Twiddlebit“ steht auf einem Aufkleber, der auf der linken Brust von Klaus Schleisiek pappt. Schleisiek ist ein älterer Herr, seine Schultern sind schon etwas gebeugt, die Haare grau, doch die Augen wach. „To twiddle a bit“ ist englisch für „ein wenig herumbasteln“, etwas auseinandernehmen und neu zusammensetzen, egal ob Bauteile, Bits – oder einen neuen Club.

Als „Tom Twiddlebit“ hat Schleisiek vor 30 Jahren einen Aufruf in der „Taz“ unterzeichnet, gemeinsam mit seinem Gleichgesinnten Wau Holland, eine Einladung, um genau zu sein. „Damit wir Komputerfrieks nicht länger unkoordiniert vor uns hinwursteln, tun wir wat und treffen uns am 12.9.81“ – woraufhin sich tatsächlich ein Häuflein Interessierter in den Berliner Redaktionsräumen der Zeitung einfand.

Dieses Treffen an einem Küchentisch, der einst in der Kommune I gestanden hatte, gilt als Ursprung des Chaos Computer Clubs, den Holland später auch als Verein gründen sollte. Und Schleisiek als dessen Initiator. Man könnte auch sagen: Schleisiek hat geholfen, Deutschland in die Gegenwart zu führen. Indem er einen Hackerkreis ins Leben gerufen hat.

Hacker als Vandalen oder Diebe - das ist nur die halbe Wahrheit

Als Hacker verstehen sich die Mitglieder des Chaos Computer Clubs (kurz: CCC) bis heute. In der breiten Öffentlichkeit wird das Wort fast ausschließlich mit der kriminellen Ausprägung von Computerexpertise gleichgesetzt, wenn es etwa um Angriffe auf Webseiten geht, um den Diebstahl von Kundendaten, um chinesische Computerkrieger oder undurchsichtige Streitigkeiten bei WikiLeaks.

Doch Hacker als Vandalen, Diebe oder Verbrecher, das ist nur die halbe Wahrheit. Die Geschichte des CCC, der in diesen Tagen 30 Jahre alt wird, zeigt noch eine andere Seite. Es ist zugleich die Geschichte von drei Jahrzehnten Bundesrepublik, von ihrem Weg aus den fernen, analogen achtziger Jahren in die digitale Gegenwart. Sie ist nicht frei von den Verlockungen der Macht, die aus Wissen erwächst.

In den meisten Fällen agierten die Hacker wie geduldige Schülerlotsen für eine Gesellschaft, in deren Alltag die Computerei einbrach – indem sie Gefahren aufzeigten und ein Verständnis für elektronische Sicherheit weckten. Im Zeitraffer betrachtet, zeigt sich im Wandel der Aktionen des CCC, seiner Ziele und seines Selbstverständnisses, wie die Digitalisierung unsere Gesellschaft verändert hat.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×