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29.12.2012

11:41 Uhr

Chaos Computer Club

Warnung vor Staatstrojaner-Blindflug

Für Hacker und und Entwickler ist Online-Überwachung ein Reizthema. Beim CCC-Kongress in Hamburg fordern sie von der Politik klare Regeln für den Einsatz staatlicher Software. Und blicken nebenbei auf ganz alltägliches.

Teilnehmer des 29. Jahreskongresses (29C3) des Chaos Computer Clubs (CCC). dpa

Teilnehmer des 29. Jahreskongresses (29C3) des Chaos Computer Clubs (CCC).

HamburgDer Chaos Computer Club (CCC) hat Bundesregierung und Bundestag aufgefordert, eine klare gesetzliche Regelung für den umstrittenen Einsatz staatlicher Überwachungssoftware zu schaffen. Auf dem Kongress der Organisation in Hamburg kritisierte der Berliner Richter Ulf Buermeyer am Freitag: „Es gibt keine klare Rechtsgrundlage - wenn gelauscht wird, dann ohne klare Spielregeln.“ Das CCC-Mitglied sagte, eine Online-Überwachung wie den Einsatz des sogenannten Staatstrojaners sollte es am besten gar nicht geben. „Aber besser ein enges, striktes, klares Gesetz als gar keines.“

CCC-Sprecherin Constanze Kurz kritisierte während der Diskussionsrunde zum Thema „Trojaner-Blindflug“, dass „wir einen Gesetzgeber haben, der nicht aktiv geworden ist“. Dabei sei Deutschland in der Diskussion über den Einsatz von Überwachungssoftware relativ weit vorn: „Wir haben etwas geschafft, was ich eigentlich nicht erwartet hätte.“ Auch international werde diese Debatte in Deutschland genau verfolgt.
Aufgrund der Antworten auf parlamentarische Anfragen könne die Zahl der bisherigen Einsätze von Online-Überwachung auf rund 100 geschätzt werden, sagte Kurz. In etwa der Hälfte der Fälle sei der Versuch, die Rechner von Verdächtigen zur Gefahrenabwehr zu infiltrieren, aber gescheitert. „Effizient hat es wohl nicht funktioniert“, meinte die CCC-Sprecherin.
Der „Staatstrojaner“ wird vor allem zum Abhören von verschlüsselten Telefonaten über das Internet („Quellen-TKÜ“) verwendet. Im Oktober 2011 enthüllte der CCC Details der Software und warf den Verantwortlichen vor, die Software biete mehr Funktionen als zulässig, und sie hinterlasse auf dem Computer des Betroffenen Sicherheitslücken, die Dritte ausnutzen könnten. Kritisiert wurde vor allem eine Nachladefunktion, mit deren Hilfe die Überwachung des Computers nach CCC-Angaben bis hin zur verfassungsrechtlich äußerst sensiblen Online-Durchsuchung der Festplatte ausgeweitet werden kann.

Auf dem am Donnerstag eröffneten Chaos Communication Congress (29C3) beschäftigen sich rund 6.000 Teilnehmer noch bis Sonntag mit der technischen und politischen Gestaltung digitaler Lebensräume. Der Informatiker Tilo Müller demonstrierte am Freitag, dass die Hardware-Verschlüsselung von Desktop-Computern wie Laptops keinen wirksamen Schutz bietet. Die PC-Hersteller werben damit, dass die integrierte Festplattenverschlüsselung insbesondere nach dem Verlust eines Laptops private Daten oder interne Informationen von Unternehmen vor fremdem Zugriff bewahrt.

Wie die Küche der Zukunft aussehen könnte, präsentierte am Freitag der Schweizer Ingenieur Alexis Wiasmitinow mit seinem Projekt EveryCook: Hier sollen alle verfügbaren Informationen und Techniken rund um das Kochen integriert und in einem „Internet der Dinge“ vernetzt werden. Der Maschinenbauer hat den Prototyp einer Kochmaschine entwickelt, die auf eine Datenbank mit Rezepten und Informationen zu Nährstoffen zugreift und mit Hilfe von Sensoren Gerichte nach präzisen Angaben zur Menge von Zutaten oder Kochtemperatur zubereitet. Auch eine Küchenwaage, Mikrowellengeräte oder Kühlschränke könnten in die Technik eingebunden werden, sagte Wiasmitinow. Die entscheidende Frage einer Zuhörerin blieb allerdings offen: „Wie organisiert das System dann den Abwasch?“

Kommentare (3)

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Account gelöscht!

29.12.2012, 12:09 Uhr

Ein Freund sagte neulich: Der Imperialismus hat im Netz erst angefangen, wir werden noch zu unseren Lebzeiten erleben wie man Buchstaben auf einer Website verdreht, den falschen Anbieter bewirbt, einen falschen Link setzt etc, um dann mit einem Trojaner bedacht zu werden, der bis ins innerste deiner digitalen Seele alles aufzeichnet. Allein das Gefühl etwas falsch zitieren zu können, wird den Rückzug in sogenannte werbefinanzierte Systeme bedeuten, die ihrerseits schon selbst Trojaner in einem großen Teil deines Lebens sind.
Der Mann hat irgendwie recht, und das Bewußtsein für diese Gedankenkontrollen ist noch garnicht vorhanden.

letztesGefecht

29.12.2012, 16:59 Uhr

Da würde ich Ihrem Freund Recht geben.

Nietzsche prophezeihte, die Erfindung des Flugzeugs sei das Ende der Nationalstaaten.
Der unreflektierte Ausbau des Netzes nach dem Mauerfall war ganz im Interesse der Konzerne. Dabei koppelt es zurück und schädigt mit seinem zersetzendem Drang vor allem die, die ihm anhängen. Wer es ablehnt, lebt länger.

Manche Proxys verdrehen Textbeiträge, daß etwas heraus kommt, was Sie nie gesagt haben. Der Trojaner ist überall, ob im Orwellauge, oder in der Kreditkarte.
Der digitalbesessene Mensch ist eben doch nur ein domestizierter Primat und schafft sich letztlich selber ab.

Laden Sie sich "Welt ohne Menschen" (Arte Doku) herunter von youtube. Die versteckte Philosophie heißt "Transhumanismus". Und googlen Sie, dann können Sie alle die finden, welche die Eugenik offen und versteckt transportieren. Auch dieses Medium ist transhuman.

Die Dummköpfe arbeiten mit aller Gewalt an der stalinistisch-narzistischen Philosophie des Übermenschen mit dem Anspruch einer Verbesserung des Menschen. Tatsächlich zeigt sich schon jetzt, daß keine Verbesserung, sondern bloß eine Vergrößerung des Egos und seiner Reichweite dahinter steckt - höher, weiter, rasanter mit einem Mausklick; Hegemonie des Aktienkapitals.
Wo sollte die übermenschliche Intelligenz auch herkommen? Die Digitaltechnik ist ein Pantograph.

- 18 Bill. Euro faule Werte versteckt in europäischen Banken. Das sind 720 Tausend Kilometer 50 Euro-Scheine gestapelt - einmal zum Mond und zurück. Wenigstens fast.

Doku Arte: Wie Erdölkonzerne unser Klima killen (youtube) - mit Flares, dem Abbrennen von Begleitgasen.

Daß Afrika heute in Europa stattfindet, liegt eben auch daran.
Die EU hat eine Sogwirkung entwickelt wie vor 2000 Jahren das Römische Reich. Und sie ist genau das, eine Neuauflage des multikulturellen Faschismus. Deshalb kritisierte Westerwelle die Bonzen als spätrömisch dekadent. Er ist die graue Eminenz!

Es gibt nichts Neues unter der Sonne.

Account gelöscht!

31.12.2012, 06:14 Uhr

Virtually every major technological advance in the history of human species - back to the invention of stone tools and the domestication of fire - has been ethically ambiguous.

Carl Sagan 1996

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