Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

30.05.2011

12:23 Uhr

China

Falsche Empörung über "World of Warcraft"-Zwang

VonFinn Mayer-Kuckuk

Wärter in China sollen Häftlinge zum spielen eines Online-Rollenspiels gezwungen haben, um Gold aus dem Spiele zu verkaufen. Das steht in keinem Verhältnis zu dem, was an der Tagesordnung ist, meint China-Korrespondent Finn Mayer-Kuckuk.

Spielszene aus dem Online-Rollenspiel "World of Warcraft". In China sollen einzelne Wärter ein Geschäft daraus gemacht haben, Gefangene zum Spielen des Spiels zu zwingen. Quelle: gms

Spielszene aus dem Online-Rollenspiel "World of Warcraft". In China sollen einzelne Wärter ein Geschäft daraus gemacht haben, Gefangene zum Spielen des Spiels zu zwingen.

China hat enorme Menschenrechtsprobleme. Pro Jahr sprechen die Gerichte rund 7000 Todesurteile nach Verfahren aus, die teilweise nur Minuten dauern - um sie dann sofort, im Hof des Gerichtsgebäudes, per Genickschuss vollstrecken zu lassen. Viele politische Gefangene erleiden Folter, Menschen verschwinden dafür, die falsche Meinung geäußert zu haben. Zu den bekannten Strafen gehörte - zumindest noch bis vor einiger Zeit - auch Zwangarbeit in Uranminen.

Nun regen einige im Westen ausgerechnet darüber auf, dass in einem Einzelfall einige Wärter eines Gefängnisses ein Privatgeschäft mit Gold aus dem Online-Rollenspiel "World of Warcraft" (WoW) betrieben haben. Das steht aber in keinem Verhältnis zu den systematischen Menschenrechtsverletzungen in China. Andere geben Geld dafür aus, um WoW zu spielen. Außerdem steckt hinter diesen Fällen kein System: Es ist nicht so, dass die Gefängnisse die Gefangenen auf staatliches Geheiß zum Computerspielen missbrauchen. Die Häftlinge in China können vielmehr froh sein, wenn sie nichts Schlimmeres erleiden als Zwangscomputerspiele.

Wer allerdings wirklich ändern sollte, ist Blizzard, die Anbieterfirma von WoW. Es scheint ihr nicht zu gelingen, professionelle Spieler zu identifizieren. Ist es nicht verdächtig, wenn einer mit einer chinesischen IP zwölf Stunden am Tag zugreift und nur Gold farmt und ansonsten nicht an Level-ups oder Kämpfen interessiert ist?

Das Verhalten der betreffenden Wärter ist zudem in China genauso illegal, wie es das in Deutschland gewesen wäre. Aus dem Fall etwas schlussfolgern zu wollen ist so, als ob ein chinesischer Deutschlandkorrespondent EHEC als Aufhänger dafür nähme, die schlechte Hygiene in ganz Deutschland anzuprangern.

Kommentare (1)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Montaillou

30.05.2011, 13:37 Uhr

"China hat enorme Menschenrechtsprobleme"

Soll das ein Witz sein? So übel wie diese 7000 Exekutierten auch sind. Wieviele hat das USA-Regime auf dem Gewissen?

Neben Exekutionen im eigenen Land, Guantanamo-Folter, Afghanistan, Libyen, Irak, Palästina etc.?

Zu den "direkten" Exekutionen (an Zivilisten! Männer, Frauen und KINDERN!) kommen noch die Kinder mit Missbildungen, die nach den Angriffen mit Uran-Munition in diesen Ländern geboren werden.

Und das meiste davon mit Billigung, Unterstützung und/oder Finanzierung durch Europa.

Erstmal an die eigene Nase packen.

Dieser Artikel ist wieder nichts weiter als scheinheilige West-Propaganda!

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×