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21.03.2014

09:26 Uhr

Chromecast, WebOS und Co.

So soll der Fernseher schlauer werden

VonChristof Kerkmann

Videos von Youtube, Tweets über den „Tatort“, Spiele für zwischendurch: Moderne Fernseher sind Computer mit Internetanschluss. Doch die Bedienung ist meist hakelig, zudem mangelt es an Apps. Das soll sich nun ändern.

Videos, Nachrichten, Spiele: Fernseher haben heute Ähnlichkeit mit Computern. dapd

Videos, Nachrichten, Spiele: Fernseher haben heute Ähnlichkeit mit Computern.

DüsseldorfAuch wenn man es auf den ersten Blick nicht sieht: Smartphone und Fernseher sind eng verwandt. Beide sind letztlich Computer, mit Bildschirm, Prozessor und Internet-Anschluss. Doch in zweierlei Hinsicht unterscheiden sich die beiden deutlich: Die Mobiltelefone sind bequem zu bedienen, und es gibt hunderttausende Apps zur Auswahl – im Gegensatz zu ihren riesigen Verwandten.

Doch nun schicken sich etliche Unternehmen an, die Lücke zu verkleinern:

• Google verkauft den TV-Stick Chromecast jetzt auch in Deutschland – das Minigerät zum Kampfpreis von 35 Euro überträgt Videos oder andere Inhalte aus dem Netz auf den großen Bildschirm.

• Der südkoreanische Konzern LG bringt dieser Tage erste Geräte mit dem Betriebssystem WebOS auf den Markt, das einst für Smartphones gedacht war. Es soll Bedienung und Suche erleichtern.

• Eine Gruppe von TV-Herstellern, zusammengeschlossen in einer „Smart TV Alliance“, macht es Programmierern leichter, Apps für mehrere Modelle gleichzeitig zu entwickeln. An der Spitze der Allianz stehen LG, Philips und Toshiba.

Was sie planen, was das für Zuschauer bedeutet: ein Überblick.

Kleines Fernseh-Glossar

Technologie verkauft Fernseher

Die TV-Hersteller arbeiten permanent an neuen Verfahren, um die Bildqualität weiter zu verbessern und die Funktionen zu erweitern – Technologie verkauft Geräte. Welche Schlagwörter sind derzeit angesagt?

Ultra HD (4K)

Ultra HD – oft auch als 4K bezeichnet – ist ein TV-Format mit sehr hoher Auflösung. Diese beträgt 3840 x 2160 Pixel, also 8,3 Megapixel. Das ist vier Mal so viel wie bei einem HD-Bild. Es mangelt noch an passenden Inhalten, allerdings werden herkömmliche Bilder hochgerechnet. Da die Geräte immer billiger werden, eignen sie sich langsam für den Massenmarkt.

OLED

OLED steht für Organic Light Emitting Diode, es handelt sich also um organische Leuchtdioden. Diese Technologie ermöglicht ein sehr kontrastreiches Bild und weite Blickwinkel, zudem verbraucht sie wenig Strom. Allerdings ist die Produktion der Paneele kompliziert und somit noch vergleichsweise teuer. Daher ist der Marktanteil der OLED-Geräte gering.

Gebogene Displays

Früher mussten Fernseher unbedingt flach sein – geht es nach einigen Herstellern, geht es heute nicht ohne gebogenes Display. Samsung, LG & Co. versprechen ein besseres Bild mit weniger optischen Verzerrungen. Der Vorteil liegt indes wohl eher im Design als im Seherlebnis. Dafür müssen Verbraucher einen hohen Preis in Kauf nehmen.

Smart TV

Fast alle neuen Fernseher sind inzwischen „smart“: Sie können nicht nur die herkömmlichen Kanäle, sondern auch Inhalte aus dem Internet darstellen, beispielsweise das Videoportal Youtube, Online-Videotheken oder extra für den großen Bildschirm programmierte. Dazu braucht es nur einen Breitbandanschluss. Allerdings nutzen viele Zuschauer diese Funktionen noch nicht. Zudem hapert es teils noch an der Bedienung – eine Kopplung mit Smartphone und Tablet soll Verbesserungen bringen.

Second Screen

Viele Fernsehzuschauer surfen nebenbei im Internet – entweder mit dem Smartphone oder dem Tablet-Computer. Dieses vergleichsweise junge Phänomen erlaubt TV-Herstellern, Filmemachern und Sendern, den zweiten, kleinen Bildschirm einzubinden. Etwa mit Informationen über die Sendung und Schauspieler oder Werbung. Zudem können die mobilen Geräte die klassische Fernbedienung ersetzen.

Google-Dienste im Wohnzimmer

Wenn Menschen ins Internet gehen, will Google dabei sein. Doch mit seinen Vorstößen ins Wohnzimmer ist der Suchmaschinen-Konzern bislang gescheitert. So kommt das Betriebssystem Google TV, das Gerätehersteller kostenlos nutzen dürfen, bislang kaum zum Einsatz. Mit Chromecast bringt das Unternehmen nun eigene Hardware auf den Markt und tritt damit in Konkurrenz zu Apple mit seinem Apple-TV, aber auch dutzenden anderen Anbietern.

Nutzer können mit dem daumengroßen Gerät Inhalte aus dem Netz auf den Fernseher übertragen. Die Apps, die zum Start zur Verfügung stehen, stammen größtenteils von Google, neben der Videoplattform Youtube ist etwa der Musik-Dienst Google Play Music dabei. In Deutschland können Zuschauer außerdem das Programm der Online-Videotheken Watchever und bald auch Maxdome ansehen. Ein ähnliches Konzept verfolgt Google in den USA: Dort trägt die Integration der Film- und Serienanbieter HBO und Netflix zum Erfolg des smarten Sticks bei. 

Googles wichtigste Geschäfte

Vielzahl an Produkten

Google Suche, Gmail, Google Maps, der Online-Speicher Google Drive, das Smartphone-Betriebssystem Android mit dem App-Store Google Play und, und, und: Die Liste der Google-Dienste wird immer länger. Und in seinen geheimen Labs arbeitet der Konzern an einem selbstfahrenden Auto oder Ballons, über die entlegene Gegenden mit Internet-Zugängen versorgen sollen.

Hochprofitable Suche

Wenn es aber um das Geldverdienen geht, ist Google vom Geschäft mit Online-Werbung abhängig. Fast 90 Prozent des Umsatzes stammen aus diesem Segment, ein Großteil aus der Internet-Suche. In der Bilanz wird sonst nur noch ein Segment mit dem wenig aussagekräftigen Titel „Other“ (Anderes) aufgelistet.

Android

Googles Betriebssystem Android dominiert den Smartphone-Markt. Es hilft dem Konzern, seine Dienste fürs mobile Internet zu verbreiten, sorgt mit dem Play Store mit Apps, Filmen und Musik aber auch für wachsende Einnahmen. Experten vermuten, dass diese den Großteil des „sonstigen“ Umsatzes ausmachen.

Google Appsl

Um sich aus der Abhängigkeit aus den Werbeeinnahmen zu befreien, hat Google in den vergangenen Jahren immer wieder Initiativen gestartet, etwa kostenpflichte Anwendungen für Firmen. Das Office-Paket Apps for Business und die E-Mail-Plattform sind Kernbestandteile der Geschäftskundenstrategie. Google Apps generiert Umsatz aus monatlichen Gebühren.

Google+

Soziale Netzwerke sind viele Internet-Nutzer zum ersten Anlaufpunkt im Internet geworden. Facebook ist hier mit Abstand die Nummer 1, Google will dem Marktführer mit Google+ Paroli bieten. Dass der Konzern den riesigen Abstand aufholt, ist allerdings unwahrscheinlich.

Cloud Computing

Ob Gmail, Google Docs oder Google Drive: Google-Dienste laufen nicht auf dem lokalen Rechner, sondern im Rechenzentrum. Der Konzern hat eine große Expertise in Sachen Cloud Computing, die er auch vermarkten will: Firmen können Rechenleistung oder Speicher bei dem Konzern mieten.

Chrome OS

Google will mit Chrome OS ein neuartiges Betriebssystem für Computer etablieren – es setzt voll aufs Internet und ruft Daten und Dienste aus der „Wolke“ ab. Mit dem System will das Unternehmen seine Produkte verbreiten. Bislang ist die Verbreitung von Chrome OS allerdings noch überschaubar.

Google hofft aber, dass bald auch andere Unternehmen ihre Apps anbieten. Bislang hätten sich mehr als 3.000 IT-Entwickler bei Chromecast registriert, um künftig ihre Apps und Websites mit dem Stick nutzen zu können, heißt es beim Unternehmen.

Außerdem lassen sich Inhalte vom Smartphone auf dem großen Bildschirm wiedergeben – allerdings will Google, dass man sie erst in der Cloud ablegt und anschließend auf den Fernseher überträgt. Das lässt indes mit Smartphone-Apps wie Localcast oder Play to Chromecast vermeiden.

Der Kampfpreis von 35 Euro zeigt es: Google will mit dem Gerät selbst nicht viel Geld verdienen. Es geht darum, die eigenen Internet-Dienste zu verbreiten und im vernetzten Zuhause eine zentrale Rolle zu gewinnen. Damit unterscheidet sich Google massiv von Herstellern wie LG, die den Fernseher ebenfalls smarter machen wollen.

Kommentare (2)

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Account gelöscht!

21.03.2014, 09:28 Uhr

da kauf ich mir lieber ein Buch.

Account gelöscht!

21.03.2014, 09:52 Uhr

Dazu müßte das Telekomnetz/Glasfaser auch in kleinen Dörfern standart werden. Derzeit hab ich manchmal nur 1000 KB was soll ich da streamen?????
Könnte mich manchmal sowas von ärgern. Zieh doch nicht wegen I-net in die Stadt!?

I-net müßte über Satelit gehen und dann min 100 MB dann wäre die Technik auch noch weiter Entwicklungsfähig!

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