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29.09.2011

14:00 Uhr

Cloud Computing

Airbus setzt auf Stahl-Wolke von HP

VonJens Koenen

Bei Airbus kommt das Cloud Computing jetzt in Stahlcontainern. Geliefert wird es vom angeschlagenen IT-Riesen Hewlett-Packard. Airbus verfügt damit über das größte industriell genutzte Rechenzentrum.

Airbus A380 bei einem Demonstrationsflug. Der europäische Flugzeugbauer setzt auf Cloud-Technologie von HP. dpa

Airbus A380 bei einem Demonstrationsflug. Der europäische Flugzeugbauer setzt auf Cloud-Technologie von HP.

FrankfurtEs ist das, wovon die meisten IT-Manager träumen. Den sperrigen Begriff des Cloud Computings endlich einmal plakativ machen zu können. Dem derzeit angeschlagenen IT-Riesen Hewlett Packard (HP) ist das jetzt eindrucksvoll gelungen. Er hat das Beste der Informationstechnik aus der Wolke in einen einzigen Stahlcontainer gepackt und nun erstmals ausgeliefert: Abnehmer ist der Flugzeugbauer Airbus.

Cloud Computing ist der große Hoffnungsträger der IT-Industrie. Die Idee dahinter: Programme und Daten werden nicht mehr auf Computern vorgehalten, die auf dem Gelände des jeweiligen Unternehmens stehen. Die IT kommt stattdessen aus dem Internet, besser gesagt aus Rechenzentren bei externen Dienstleistern und wird über den Internet-Browser am Endgerät, ob nun ein Laptop oder das iPad, abgerufen.

Doch für viele Kunden ist die wolkige Zukunft sperrig und zugleich schwer greifbar. Sie wollen genau wissen, wo ihre Daten liegen, müssen das sogar, weil es der Gesetzgeber so vorschreibt. Bei der herkömmlichen Cloud ist der Standort der Daten aber nur schwer zu bestimmen. Das führt dazu, dass Cloud-Angebote bislang eher zögerlich angenommen werden.

Doch die Marketing erfahrenen IT-Manager haben sich eine pfiffige Lösung ausgedacht. Sie werben immer häufiger für die sogenannte private Cloud. Dabei kommen Daten und Programme aus Rechenzentren, die ausschließlich einem Unternehmen vorbehalten sind. Keine ganz so neue Erfindung, aber eine sichere Sache.

FAQ: Was ist Cloud Computing?

Virtualisierung

Die Virtualisierung von Servern ist bereits seit vielen Jahren ein anhaltender Trend, auf den heute kaum ein Unternehmen bei der Nutzung seiner IT verzichten möchte. Virtualisierung erlaubt eine deutlich flexiblere Nutzung der Hardware: Ein Server wird dabei aufgeteilt in beliebig viele virtuelle Server. Unter dem Betriebssystem Linux wird dabei vor allem auf die bekannten Virtualisierungs-Lösungen Xen und KVM zurückgegriffen. Virtualisierung ist eine wichtige technologische Voraussetzung für das Cloud Computing – doch nicht dasselbe. Beim Cloud Computing geht es um den gesamten Prozess des flexiblen Bereitstellens von Rechenressourcen, Daten und Anwendungen über eine standardisierte Schnittstelle.


Cloud Computing

Eine einheitliche Definition des Begriffs gibt es nicht. Cloud Computing beschreibt kein komplett neues Prinzip, sondern den technologischen Trend, IT-Ressourcen nur dann auf Bedarf über ein Netzwerk bereitzustellen und abzurechnen, wenn sie wirklich gebraucht werden. Die eigentliche Arbeit läuft auf den Servern, Endgeräte können auch Smartphones oder Netbooks sein, die selbst nur über vergleichsweise geringe Prozessor- und Speicherausstattung verfügen.

Um die IT-Ressourcen dynamisch - also je nach Bedarf - anzubieten, werden sie per Software abstrahiert. Statt eines echten Servers mietet man beispielsweise eine sogenannte virtuelle Maschine, deren Speicher- und Prozessorausstattung sich dynamisch den Anforderungen entsprechend vergrößert oder verkleinert. Rechenkraft aus der Cloud ist damit deutlich skalierbarer, als eine herkömmliche IT-Infrastruktur: Bei Spitzenlasten stehen Ressourcen sofort zur Verfügung, werden die Ressourcen nicht benötigt, müssen sie auch nicht bezahlt werden.

Aus dieser Abstraktion leitet sich wohl auch der Begriff ab: So wurden in Powerpoint-Präsentationen abstrahierte Netzwerke aus Computern häufig schwammig als Wolke dargestellt, um sich die Details des Netzwerks zu sparen - ebenso, wie ein Cloud-Kunde sich nicht mehr um die Details seiner IT-Infrastruktur kümmern muss.

Bei der Cloud gibt es alles "as a Service", also auf Abruf - Rechenkraft und Speicher (Infrastructure as a Service), Plattformen samt Programmierumgebung (Platform as a Service) und Software (Software as a Service). Die genannten Ansätze bestehen auch parallel zum Cloud Computing - die Cloud vereint sie alle.

Infrastructure as a Service (IaaS)

Infrastructure as a Service ist die "nackteste" Form des Cloud Computings: Gemietet werden nur reine Rechenkraft und Datenspeicher nach Bedarf. Dazu werden die Server beim Cloud-Anbieter virtualisiert: Statt physikalisch vorhandener Einzelserver mietet der Kunde eine oder viele virtualisierte Umgebungen, die je nach Bedarf mehr oder weniger Speicher und Prozessorleistung zugeteilt bekommen.

Platform as a Service (PaaS)

Bei der Platform as a Service (PaaS) mietet der Kunde mehr als nur die nackte Rechenkraft mit Betriebssystem - es ist bereits eine Laufzeitumgebung wie Microsofts Azure-Plattform oder Googles Programmierschnittstelle vorhanden.

Software as a Service (SaaS)

Software as a Service (SaaS) bezeichnet die Bereitstellung von Software, die auf Servern ausgeführt wird. Je nach verwendeter Technologie kommen dabei verschiedene Konzepte zum Einsatz. Für Adobes Programmiersprache AIR muss beispielsweise ein spezielles Programm auf den Endgeräten ausgeführt werden, das für Windows, Linux und Mac OS X verfügbar ist.

Meist aber werden Anwendungen über das Web angeboten - können also auf jedem Gerät ausgeführt werden, auf dem ein Browser installiert ist. Dazu gehören beispielsweise Googles Webapps, die mit der Google App Engine erstellt wurden.

Private Cloud und Public Cloud

Neben der reinen Form der Cloud - der Bereitstellung von IT-Ressourcen über das Internet - gibt es auch die private Cloud. Dabei wird die Cloud-Technologie dazu genutzt, eine Cloud im eigenen Unternehmen aufzubauen. Das kann Vorteile für die Datensicherheit und Compliance bieten - auch wenn inzwischen fast alle Public-Cloud-Anbieter ihre Dienste nach EU-konformer Regulierung anbieten. Oft wird eine private Cloud mit dem zusätzlichen Mieten einer Public-Cloud-Dienstleistung kombiniert - die dann beispielsweise bei Belastungsspitzen oder dem Ausfall von Teilen der eigenen IT-Infrastruktur einspringt. Man spricht dann von einer Hybrid Cloud.

So eine "private Wolke" hat nun HP für Airbus gebaut - einmal für den Standort Hamburg und einmal für Toulouse in Frankreich. Das Modell ist genial, weil einfach. In den Containern ist ein komplettes Rechenzentrum vorkonfiguriert. Alles ist dabei, von den Servern über die Software bis hin zur Kühlung. Einmal abgeladen muss der Container nur noch an das Strom- und IT-Netz des Kunden angeschlossen sowie mit Wasser zur Kühlung versorgt werden. Schon ist alles startklar.

Die Leistungsdaten des "wolkigen" Containers für Airbus sind eindrucksvoll. Dort steckt soviel Rechenkapazität drin wie in einem Rechenzentrum mit 1000 Quadratmetern. Airbus hat seine Computer-Kapazität damit mal eben verdoppelt und besitzt nun das weltweit größte Superrechenzentrum, das derzeit industriell genutzt wird. Auf der Liste der weltweit schnellsten Computer ist der Flugzeug-Konzern damit auf den respektablen Platz 29 vorgerückt.

Gebraucht wird die gesamte Rechenpower vor allem für die hochkomplexe Neuentwicklung von Flugzeugen. Airbus arbeite dabei sehr viel mit Simulationen, die eine hohe Rechenkapazität erfordern, erklärte ein Sprecher auf Anfrage.

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