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02.06.2014

08:29 Uhr

Cloud-Computing

Die Cloud macht Schule

VonSteffen Ermisch

Cloud-Lösungen versprechen öffentlichen Einrichtungen große Ersparnisse. So soll Cloud-Computing wachsendem Kostendruck und steigenden Anforderungen gerecht werden. Doch die IT-Umstellung ist schwierig und teuer.

Behörden und Bildungseinrichtungen setzen auf geräteunabhängige Cloud-Lösungen. dpa

Behörden und Bildungseinrichtungen setzen auf geräteunabhängige Cloud-Lösungen.

KölnEs ist ein Fest für die Freunde harter Klänge. Bands wie Metallica, Kings of Leon und Linkin Park werden zu Pfingsten über 80.000 Menschen zu „Rock am Ring“ locken. Mit den Festivalbesuchern kommen Hunderte Polizisten zum Nürburgring. Für deren IT-Systeme können solche Veranstaltungen zur Belastungsprobe werden: Kommt es zu einem Unfall oder einer Massenpanik, müssen viele Beamte plötzlich auf dieselben Softwareanwendungen zugreifen.

Dass dann genügend IT-Leistung bereitsteht, garantiert in Rheinland-Pfalz die „Polizei-Cloud“: Beamte nutzen Software dabei über den Webbrowser. Im Hintergrund werden die Daten der Spezialprogramme auf virtuellen statt auf starren physischen Servern in Rechenzentren des Landes verarbeitet. „Je nach Bedarf werden die Ressourcen den Anwendungen zugeordnet, die gerade besonders intensiv genutzt werden“, sagt Matthias Bongarth, Geschäftsführer des Landesbetriebs Daten und Information Rheinland-Pfalz. Dem Fahndungssystem könne etwa per Mausklick Rechenpower zugewiesen werden, die sonst die Zeiterfassung regelt.

Das ABC des Cloud-Computing

Software as a Service (SaaS)

Bei diesem Konzept laufen Anwendungen – etwa für Textverarbeitung oder Kundenverwaltung –nicht auf dem eigenen Rechner, sondern auf den Servern des Dienstleisters. Aufgerufen werden sie übers Internet. Meist ist nicht mehr als ein Browser nötig. Bezahlt wird in der Regel per Abo. Daher ist auch von Miet-Software die Rede.

 

Infrastructure as a Service (IaaS)

Unternehmen können auch Rechenleistung oder Speicherplatz über die Cloud beziehen – in diesem Fall ist von Infrastructure as a Service die Rede. Gerade Startups können auf diese Weise schnell und unkompliziert ihre Website aufbauen und bei Bedarf die Kapazitäten auf Knopfdruck vergrößern.

Platform as a Service (Paas)

IT-Entwickler können auch eine virtuelle Computer-Plattform über die Cloud nutzen. Das erleichtert die Programmierung, weil sie selbst keine spezielle Hardware aufstellen müssen.

Public Cloud

Wenn Unternehmen ihre Cloud-Dienste öffentlich zugänglich anbieten, ist von der Public Cloud die Rede. Dabei handelt es sich oft um standardisierte und somit günstige Services. Der Zugriff erfolgt übers Internet.

Private Cloud

Wie bei Public-Cloud-Lösungen liegen die Daten oder Anwendungen auf Servern – diese betreibt das Unternehmen jedoch selbst. Der Zugang ist bei der Private Cloud auf die eigenen Mitarbeiter sowie autorisierte Geschäftspartner und Kunden beschränkt. Weil der Betreiber mehr Kontrolle hat, eignet sich diese Lösung für sensible Daten. Vor allem große  Unternehmen und öffentliche Einrichtungen setzen darauf.

 

Hybrid Cloud

Eine Mischung aus Public und Private Cloud – das Unternehmen setzt also beide Elemente ein.

Auch finanzielle Gründe haben Bongarth überzeugt: „Als öffentlicher IT-Dienstleister stehen wir unter großem Druck, die Kosten zu senken.“ Bei der Polizei-Cloud stehen einer Investition von 400 000 Euro jährliche Einsparungen von 215 000 Euro gegenüber. 82 physische Server wurden abgeschafft - das spart Strom sowie Ausgaben für Softwarelizenzen. Weil die Daten nicht ins öffentliche Internet gelangen, wurden auch die hohen Sicherheitsanforderungen erfüllt.

Erfolgsbeispiele wie diese lassen Verwaltungen in ganz Deutschland hellhörig werden. Überall wächst der Kostendruck, während gleichzeitig die Anforderungen steigen. Cloud-Computing verspricht eine Lösung für beides. Dem IT-Verband Bitkom zufolge experimentieren 40 Prozent der öffentlichen Einrichtungen mit der Cloud. Bei einem konsequenten Einsatz seien bundesweit Kostensenkungen von jährlich fünf Milliarden Euro möglich, schätzt der Verband.

Jens Fromm, Leiter des Kompetenzzentrums Öffentliche IT am Fraunhofer-Institut für Offene Kommunikationssysteme, warnt aber vor überzogenen Erwartungen. „Mittel- und langfristig ergeben sich die von der Industrie versprochenen Synergieeffekte, aber zunächst müssen Investitionen getätigt und Prozessänderungen vorgenommen werden.“ In großen Städten, wo über tausend unterschiedliche Softwarekomponenten im Einsatz sind, sei das eine Mammutaufgabe.

Den Austausch cloudfähiger Software erleichtern will Provitako, ein genossenschaftlicher Verbund von 25 regionalen öffentlichen IT-Dienstleistern, über die Plattform „GovCloud“. Regionale Rechenzentren können ihre Dienste hier anderen Genossenschaftsmitgliedern anbieten. Aktuell finden sich ein Dutzend Anwendungen - darunter Software für elektronisches Bewerbermanagement und zur Stundenplanerstellung in Schulen.

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