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26.04.2011

00:00 Uhr

Cloud Computing

Handfeste Vorteile statt wolkiger Versprechen

VonJens Koenen, Joachim Hofer

Ist Cloud Computing ein Hype oder ein längerfristiger Trend? Die IT-Branche rechnet in den nächsten Jahren mit Milliardensprüngen im Umsatz.

Von wegen wolkige Versprechen: Cloud Computing ist ein Milliardengeschft. Quelle: dpa

Von wegen wolkige Versprechen: Cloud Computing ist ein Milliardengeschft.

Frankfurt/MünchenPeter Dewald ist Chef der Sage Software GmbH. Sein Unternehmen hat ein Programm mit dem plakativen Namen "Einfachlohn" entwickelt. Damit lassen sich Lohndaten über den Internetbrowser erfassen. "Einfachlohn" ist deshalb ein typischer Vertreter des sogenannten Cloud Computings.

Dewalds Kunden, häufig Ein- oder Zweimannbetriebe, geben die Informationen ein, die gehen zu Sage - und der Softwareanbieter erledigt dann die Meldungen, etwa an Steuerbehörden oder die Sozialversicherung.
Das hört sich gut an, doch vielen Unternehmern war Cloud Computing bis jetzt eine höchst suspekte Angelegenheit: Die Programme dieser Wolken-Lösungen, auch "Einfachlohn", sind auf externen Rechnern installiert. Die Informationen, mit denen die Software gefüttert wird, sind höchst sensibel. Via Internet werden Programm und Daten verknüpft. Die Kunden vertrauen Cloud Computing jedoch nicht, weil niemand genau weiß, wo der Server steht und wer Zugriff hat.
Teure Hardware wird überflüssig.

Dabei übersehen sie die Vorteile des Konzepts gerade für kleinere Firmen. Sie sparen sich teure Hardware, sie müssen sich keine Gedanken über Updates machen, und sie profitieren von Größenvorteilen der IT-Anbieter, die viele Kunden in ihren Rechenzentren bündeln. Außerdem werden sie nur zur Kasse gebeten, wenn sie die Software oder den Speicherplatz tatsächlich benötigen.

Doch die Skepsis der potenziellen Anwender schwindet. Inzwischen findet Dewalds "Einfachlohn"-Software reißenden Absatz. Zunächst wusste der Manager gar nicht, warum. Dann aber stellte er fest: 40 Prozent der Daten werden nach Dienstschluss eingegeben, also zu Zeiten, in denen normale Lohnbüros nicht mehr arbeiten. "Die Unternehmer können die Daten jederzeit eingeben. Bislang ging das nicht, der Steuerberater hat eben feste Bürozeiten", begründet Dewald den Erfolg. Da sei es den Kunden am Ende egal, dass das Angebot aus der Wolke komme.

Seit Jahren trommeln die IT-Anbieter fürs Cloud Computing, jetzt sieht es so aus, als würde sich das Konzept durchsetzen. "Das ist der Megatrend im High-Tech-Sektor", sagt August-Wilhelm Scheer, Präsident des Bitkom. Der Branchenverband geht davon aus, dass Firmen und Privatleute in Deutschland dieses Jahr 3,5 Milliarden Euro für Cloud-Dienste ausgeben, gut die Hälfte mehr als 2010. Bis 2015 soll das Geschäft auf 13 Milliarden zulegen. Dann werden zehn Prozent der IT-Ausgaben hierzulande auf diese Technik entfallen.

Unternehmer wie Sage haben noch viele Ideen, um Kunden mit für sie maßgeschneiderten Cloud-Lösungen zu ködern. Eine interessante Zielgruppe sind etwa Bauunternehmen, die mit häufig wechselnden Zeitarbeitskräften zu tun haben. Deren Angaben müssen immer wieder neu an die Behörden durchgegeben werden, ein nerviges Unterfangen. Sage hat dafür ein kleines Programm für iPhone und iPad geschrieben, mit der diese Meldungen direkt auf der Baustelle erfasst und abgeschickt werden können. "Sofortmeldungen waren bislang für Firmen mit einem großen Anteil an temporären Arbeitskräften ein Problem. Sie dürfen die Leute erst dann einsetzen, wenn sie gemeldet sind", weiß Dewald. Jetzt lässt sich die Meldung jederzeit versenden. Direkt unter den Wolken.

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