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28.01.2015

11:41 Uhr

Cloud-Dienstleister

Teurer Umzug in die neue Cloud

VonMalte Laub

Wenn ein Unternehmen den Cloud-Anbieter wechseln will, kann das zum teuren Mammutprojekt werden. Kleine und mittelständische Betriebe zögern deshalb oft – obwohl sie eigentlich Geld sparen könnten.

Rechenzentrum von T-Systems: Der Wechsel eines Cloud-Dienstleisters erfordert eine umsichtige Vorbereitung. dpa

Rechenzentrum von T-Systems: Der Wechsel eines Cloud-Dienstleisters erfordert eine umsichtige Vorbereitung.

KölnMichael Herfert und seine Kollegen haben einen digitalen Umzugshelfer programmiert. Omni-Cloud, entwickelt am Darmstädter Fraunhofer-Institut für Sichere Informationstechnologie, soll kleinen und mittelständischen Unternehmen (KMU) helfen, den oft komplexen Wechsel von Cloud-Computing-Dienstleistern zu bewältigen. Nebenbei soll die Anwendung für die IT aus der Wolke Werbung machen.

„Wir haben analysiert, warum KMU nur selten Cloud-Lösungen nutzen, obwohl sie dadurch Geld sparen könnten“, sagt Herfert. Neben Datenschutz- und Compliancegründen bemerkten die Wissenschaftler ein weiteres Hemmnis: Unternehmer haben Sorge, sich durch die Auslagerung ihrer Daten von einem Dienstleister abhängig zu machen. Zwar böten die meisten Cloud-Anbieter moderate Kündigungsfristen an, sagt Herfert. Der Aufwand eines Umzugs schrecke dennoch viele Nutzer ab.

Bedenken sind nicht unbegründet: Unternehmen lagern mit ihren Daten oder großen Teilen ihrer IT elementare Geschäftsbestandteile aus. Und das vertraglich fixiert oft über lange Zeit. „Wenn es nicht nur darum geht, kurzfristige Spitzenlasten abzudecken, legt man sich für mehrere Jahre fest, schon aus Kostengründen“, sagt Stefan Schröder, Entwicklungschef beim IT-Dienstleister Datev und Arbeitskreisleiter Cloud-Computing & Outsourcing beim Branchenverband Bitkom. Damit das Geschäft nicht leidet, dürfe der Anwender nicht den Eindruck gewinnen, in einem Vendor-Lock, also im Fesselgriff des Anbieters, gefangen zu sein, so Schröder.

Das ABC des Cloud-Computing

Software as a Service (SaaS)

Bei diesem Konzept laufen Anwendungen – etwa für Textverarbeitung oder Kundenverwaltung –nicht auf dem eigenen Rechner, sondern auf den Servern des Dienstleisters. Aufgerufen werden sie übers Internet. Meist ist nicht mehr als ein Browser nötig. Bezahlt wird in der Regel per Abo. Daher ist auch von Miet-Software die Rede.

 

Infrastructure as a Service (IaaS)

Unternehmen können auch Rechenleistung oder Speicherplatz über die Cloud beziehen – in diesem Fall ist von Infrastructure as a Service die Rede. Gerade Startups können auf diese Weise schnell und unkompliziert ihre Website aufbauen und bei Bedarf die Kapazitäten auf Knopfdruck vergrößern.

Platform as a Service (Paas)

IT-Entwickler können auch eine virtuelle Computer-Plattform über die Cloud nutzen. Das erleichtert die Programmierung, weil sie selbst keine spezielle Hardware aufstellen müssen.

Public Cloud

Wenn Unternehmen ihre Cloud-Dienste öffentlich zugänglich anbieten, ist von der Public Cloud die Rede. Dabei handelt es sich oft um standardisierte und somit günstige Services. Der Zugriff erfolgt übers Internet.

Private Cloud

Wie bei Public-Cloud-Lösungen liegen die Daten oder Anwendungen auf Servern – diese betreibt das Unternehmen jedoch selbst. Der Zugang ist bei der Private Cloud auf die eigenen Mitarbeiter sowie autorisierte Geschäftspartner und Kunden beschränkt. Weil der Betreiber mehr Kontrolle hat, eignet sich diese Lösung für sensible Daten. Vor allem große  Unternehmen und öffentliche Einrichtungen setzen darauf.

 

Hybrid Cloud

Eine Mischung aus Public und Private Cloud – das Unternehmen setzt also beide Elemente ein.

Omni-Cloud soll helfen, kleineren Firmen ihre Bedenken zu nehmen. Dazu verschlüsselt das Programm die ausgelagerten Daten und anonymisiert sämtliche Dateinamen, so dass kein Unbefugter Rückschluss auf Inhalt oder Funktion ziehen kann. Zudem hilft es wechselwilligen Firmen - denn hier hakt es heute noch. Oft managten KMU die Umzüge ihrer extern gespeicherten Daten von einem zum anderen Dienstleister noch in Eigenregie, sagt Herfert. Es komme dabei vor, dass die gesamte Datenmenge heruntergeladen werden muss - nur, um dann wieder beim neuen Anbieter hochgeladen zu werden. „Selbst wenn das nur 500 Gigabyte sind, würde das bei einer DSL-Leitung mit 16.000 Kilobits in der Sekunde schon 26 Tage dauern“, hat Herfert errechnet. Zu schmale Bandbreiten sind das eine Thema. Bei großen Datenmengen verfügen manche Unternehmen aber auch gar nicht über genug eigenen Speicherplatz, der als Zwischenlager fungieren könnte.

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Was genau muss im Vertrag mit einem Cloud-Dienstleister stehen? Der Spezialist für Rechtsfragen in der Informationstechnik Ulrich Emmert spricht im Interview über Strategien für den Ausstieg aus Cloud-Verträgen.

Omni-Cloud ermöglicht es, den Schritt zu überspringen und stattdessen direkt die leistungsfähigeren Datenstränge der Cloud-Anbieter zu nutzen. Dazu setzt Omni-Cloud eine virtuelle Maschine ein, die in der Cloud ausgeführt wird. Sie kopiert Daten ohne Umwege verschlüsselt von Cloud zu Cloud.

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